Nichts als Ärger an Höglinger Riviera – Polizei straft Partygäste und Falschparker ab

Die Höglinger Riviera hat auch Schattenseiten: Falschparker und wilde Partys halten Polizei und Gemeinde auf Trab. Archiv
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Die Höglinger Riviera hat auch Schattenseiten: Falschparker und wilde Partys halten Polizei und Gemeinde auf Trab. Archiv

Zwei Polizeieinsätze, Verstöße gegen das Infektionsschutz- und Betäubungsmittelgesetz – an der Höglinger Riviera ist es am Wochenende wieder heiß hergegangen. Dabei wollten alle nur „friedlich feiern und baden“, wie sie der Polizei erklärten. Den Frieden der Anwohner allerdings störten sie gewaltig.

Bruckmühl– Los ging‘s am Samstagabend mit einer Techno-Party mitten im Wald. „Wie man auf solch eine aberwitzige Idee kommen kann, ist mir unklar“, kommentiert Bürgermeister Richard Richter die Partynacht. Für die jugendlichen Fans des DJs aus Unterwössen allerdings war der Spaß schneller vorüber als gedacht.

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Ein Jäger hatte der Polizei gemeldet, dass sich im Wald „Jugendliche illegal eingenistet“ hätten. Kurz nach 21 Uhr beendeten vier Einsatzwagen mit zehn Beamten der Polizeiinspektion Bad Aibling und des Operativen Ergänzungsdienstes Rosenheim den „Zauber“ im Waldstück am Höglinger Weiher.

Die Jugendlichen verstießen nicht nur gegen die aktuellen Corona-Regeln, nach denen sich nur Gruppen von bis zu zehn Personen treffen dürfen. Vor allem missachteten sie die seit Oktober 2017 für das Areal der Höglinger Weiher geltende Satzung der Marktgemeinde Bruckmühl.

Die Satzung zum Naherholungsgebiet finden Sie hier.

Die verbietet nicht nur jedwede Art der Belästigung anderer Menschen, sondern auch das Befahren des Areals und das Aufstellen von Wohnwagen und ähnlichen Einrichtungen. Von der Verrichtung der Notdurft außerhalb von Toilettenanlagen mal ganz abgesehen.

Landwirte fordern endlich eine Lösung

Zugeparkt sind Zufahrtsstraßen, Feld- und Waldwege.

„Am Höglinger Weiher hören wir oft laute Musik“, sagt einer der Landwirte, die hier leben und arbeiten. „Viel schlimmer als der Lärm sind aber die vielen Falschparker.“ Sie stehen auf den privaten Flächen der Landwirte und Waldbesitzer, „parken in unseren Feldern und fahren alles zusammen“. Sie blockieren die Straßen und Waldwege.

Die Landwirte kommen mit ihren Maschinen weder auf ihre Felder noch in den Wald. Besonders am Wochenende war das wieder ein großes Problem, denn die Wiesen sollten gemäht werden. „So kann es nicht mehr weitergehen“, sagt einer der etwa zwölf betroffenen Bauern. „Es muss endlich eine Lösung her.“

Müll und Lärm sind seit Jahren ein Problem

Am Ende des Tages bleibt vom Idyll vor allem Müll.

Marktgemeinde Bruckmühl und Polizei versuchen schon seit Jahren, der Situation an den Höglinger Weihern Herr zu werden. Doch die Badelust scheint größer als die Vernunft zu sein. Erst am Sonntag war die Polizei wieder im Dauereinsatz und registrierte mehr als 130 Parkverstöße.

Dabei kamen die Beamten kaum hinterher, alle Verkehrssünder aufzuschreiben, denn immer wieder gesellten sich neue Pkw-Fahrer hinzu, die im Angesicht der Beamten verbotswidrig parkten oder die Feld- und Waldwege befuhren. „Hier hilft nur noch, die Straße komplett zu sperren oder Parkverbotsschilder aufzustellen und die Falschparker abzuschleppen“, ist einer der Landwirte überzeugt.

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Dabei seien allein in der Wernher-von-Braun-Straße ausreichend Parkflächen vorhanden, weiß Polizeihauptmeister (PHM) Manuel Sohn von der Polizeiinspektion Bad Aibling. Doch die meisten Badegäste suchten möglichst kurze Wege. „Wir arbeiten eng mit der Marktgemeinde Bruckmühl zusammen, kontrollieren die Höglinger Weiher regelmäßig mit Streifendienst, berittener Polizei und Sicherheitswacht“, berichtet er. Viele Badelustige hinterlassen außerdem ihren Müll.

Müllhalde oder Naherholungsgebiet?

„Dabei haben wir am Weiher wirklich viel gemacht, Liegeflächen ausgewiesen, Bäume gepflanzt, Feuerstellen errichtet und viele zusätzliche Abfallbehälter aufgestellt“, berichtet Jana Söhnel, in der Marktgemeinde für Ordnung und Sicherheit zuständig. „Doch viele gehen achtlos daran vorbei und lassen ihren Müll einfach liegen.“

Die Höglinger Weiher sind seit Jahren ein Problem. Immer wieder müssen seine Ufer in Ramadama-Aktionen entrümpelt werden. Glasflaschen, Scherben, Plastiktüten mit Hundekot, Verpackungen, Matratzen, Autoreifen, Fahrräder und anderer Schrott werden hier aus dem Gebüsch gezerrt und tonnenweise entsorgt.

Ein Müllproblem gab es nach der Techno-Party am Samstag zumindest nicht. Die 20 Jugendlichen wurden direkt vor Ort einer „erzieherischen Maßnahme“ unterzogen, wie Polizeihauptmeister Sohn erklärt. Sie mussten unter Aufsicht der Beamten ihren Müll aufsammeln und ordnungsgemäß entsorgen. Was sich wie eine witzige Räuberpistole anhört, hat für die Jugendlichen ernsthafte Konsequenzen. Sie müssen mit saftigen Bußgeldern rechnen, denn gegen sie wird nun wegen des Verstoßes gegen das Landesstrafrecht, das Infektionsschutz- und Betäubungsmittelgesetz sowie die Satzung der Marktgemeinde Bruckmühl ermittelt.

Strand soll öffentlich bleiben

Ein herrlicher Strand.

Trotz der wiederkehrenden Probleme will die Gemeinde das Gelände nicht absperren. „Die Höglinger Weiher sind ein beliebtes Ausflugsziel, das allen Bürgern frei zugänglich sein soll,“ bekräftigt der Bürgermeister. „Doch solche Aktionen wie die vom Wochenende machen es schwer, ein Naherholungsgebiet auf Dauer zu etablieren.“

Die Marktgemeinde bemüht sich um Lösungen. Ein privater Sicherheitsdienst kontrolliert das Gelände zusätzlich zur Polizei. „Wir sind mit Grundstückseigentümern im Gespräch, um weitere Parkflächen zu schaffen“, informiert Richter. Gleichzeitig appelliert er an die Vernunft der Bürger und macht klar: „Grillen auf öffentlichen Plätzen ist noch nicht wieder gestattet. Das gilt auch für die Grillanlagen im Bereich der Höglinger Weiher.“

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