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Nicht giftig, kann aber kräftig zubeißen

„Einer der gefürchtetsten Schädlinge“: Raupe des Weidenbohrers am Golfplatz Maxlrain entdeckt

Ein riesiges und bissiges Exemplar ist die Raupe des Weidenbohrers. Sie wird bis zu zehn Zentimeter groß, hat einen dunkelroten Rücken und einen orangefarbenen Rumpf. Sie ist nicht giftig, kann aber kräftig zubeißen. pixabay
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Ein riesiges und bissiges Exemplar ist die Raupe des Weidenbohrers. Sie wird bis zu zehn Zentimeter groß, hat einen dunkelroten Rücken und einen orangefarbenen Rumpf. Sie ist nicht giftig, kann aber kräftig zubeißen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Leuchtend rot und riesengroß ist die Raupe des Weidenbohrers. Sie wurde jetzt auf dem Golfplatz in Maxlrain entdeckt. Doch die bunten Farben führen in die Irre: Die Raupe ist nicht nett. Sie kann schmerzhaft zubeißen und ist einer der gefürchtetsten Schädlinge, denn sie entzieht Laubbäumen ihr Lebenselixier. Wie sie sich vermehrt, erklärt der Bruckmühler Diplombiologe Harry Klottig.

Bruckmühl/Tuntenhausen – Die Raupe des Totenkopfschwärmers hat im Mangfalltal großes Interesse an der wundersamen Metamorphose der Schmetterlinge geweckt. Während sich Maria Elbertzhagen aus Götting im Golfclub Maxlrain noch mit einer Freundin über die große leuchtend gelbe Raupe unterhielt, lief ihr auch schon ein anderes Riesenexemplar über den Weg: die etwa zehn Zentimeter große Raupe des Weidenbohrers mit ihrem dunkelroten Rücken und orangem Bauch.

Bruckmühler Experte klärt über Raupe auf

„Was für eine tolle Viecherei“, freut sie sich über das Foto und die lehrreichen Erläuterungen von Harry Klottig, dem Leiter des Naturerlebnis Bruckmühl mit Tier- und Naturkundemuseums sowie Auwald-Biotop. Der Diplombiologe steht dem Mangfall-Boten mit seinem profunden Wissen immer zur Seite, wenn Leser seltene Exemplare in ihren Gärten oder auf den weitläufigen Wiesen des Mangfalltals entdecken. „Anders als der Totenkopfschwärmer ist der Weidenbohrer – wissenschaftlich Cossus cossus genannt – kein Exot, sondern bei uns heimisch“, erklärt Klottig.

In Massen wird er für Bäume zum Problem

Wie der Name schon erahnen lässt, gehört er zur Familie der Holzbohrer und frisst Holz. Zudem, so warnt Klottig: „Der Weidenbohrer ist einer der gefürchtetsten Schädlinge. Wenn er in Massen auftritt, kann er für Laubhölzer wie beispielsweise Weiden, Pappeln, Birken oder Schwarzerlen, aber auch für Apfel- und Birnbäume durchaus zu einem ernsthaften Problem werden.“ Bis zu 700 Eier, so weiß der Experte, produziert ein Weidenbohrerweibchen. „Sie legt diese in kleinen Päckchen an der Rinde ab“, beschreibt er. Häufig seien die betroffenen Bäume bereits geschwächt. Ein starker Holzessiggeruch, erzeugt von älteren Weidenbohrergenerationen, stimuliere dann Jahr für Jahr neue Weidenbohrerweibchen, ihre Eier auch wieder dort abzulegen. Klottig: „Betroffene Bäume beherbergen deshalb meist Larven in unterschiedlichen Phasen ihrer Entwicklung.“

Die Fraßgänge der etwa zehn Zentimeter großen Raupe im Baum können bis zu zwei Zentimeter weit und einen Meter lang werden. „Bei Massenauftreten entziehen sie dem Baum die Lebensenergie. Er wird strukturell stark geschädigt. Hinzukommende Pilzinfektionen tun ihr Übriges, den betroffenen Baum zu schwächen“, beschreibt Klottig den Lauf der Dinge.

Die Raupe des Weidenbohrers verbleibt bis zu vier Jahre in ihrem Wirtsbaum und häutet sich mehrmals während dieser Zeit. „Meist fallen die Raupen nicht auf, wenn sie sich an Bäumen zu schaffen machen“, weiß der Biologe: „Das liegt daran, dass sie nachtaktiv sind. Tagsüber halten sie sich in den Höhlengängen auf und knabbern weiter, was als leichtes Knarren des Baums zu hören sein könnte.“

Am Ende ihres Raupendaseins verpuppen sich die Tiere und überwintern in diesem Stadium entweder in ihren Hohlgängen oder unter der Erde. Oder aber sie suchen sich für den Winter einen geeigneten Platz, und man hat Glück und kann sie auf dem Weg dahin entdecken, so wie es Maria Elbertzhagen in Maxlrain gelungen ist. „Auch lohnt es sich bei nach Holzessig riechenden Weiden, mal genauer hinzusehen, ob man Fraßspuren oder die Raupen selbst beobachten kann“, so der Experten-Tipp.

„Der Falter hat eine enorme Flügelspannweite von etwa acht bis zehn Zentimetern“, beschreibt Klottig die neue und letzte Lebensphase des Weidenbohrers. Dann ist er nicht mehr leuchtend bunt, sondern hat sich perfekt getarnt: Sein Rumpf ist grau bis graubraun, die Flügel sind hellgrau mit dunkelgrauen Marmorierungen. Er ist nun von Baumrinden kaum zu unterscheiden.

Falter lebt nur wenige Wochen

„Der Falter selbst frisst übrigens aufgrund seines verkümmerten Rüssels nicht mehr“, erklärt Klottig. „In dieser, etwa drei Monate andauernden, letzten Lebensphase versucht er vor allem, sich tagsüber zu tarnen und nachts fortzupflanzen.“

Der Falter des Weidenbohrers ist perfekt getarnt. Er ist von einer Baumrinde kaum zu unterscheiden.

Der Weidenbohrer ist ein Schädling. Die befallenen Bäume umgibt oft ein unangenehmer Geruch nach Essig. Die Blätter verwelken und fallen ab. Der Baum wird immer schwächer. „Wohl dem, der einen naturbelassenen Garten hat“, sagt Diplombiologe Klottig.

Fledermäuse machen ihm den Garaus

„Während des Tages gehören Spechte und Krähen zu den Fressfeinden des Weidenbohrers. Auch manche Schlupfwespenarten mögen seine Raupen besonders gern. Nachts jagen Fledermäuse die großen energiereichen Falter.

Noch ein wichtiger Hinweis: „Die Raupe ist zwar nicht giftig, aber ziemlich wehrhaft“, warnt Klottig. „Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen kann sie zubeißen, was ziemlich schmerzhaft ist.“

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