Neues Rathaus: Kosten explodieren

Bei über acht Millionen Euro liegen mittlerweile die Kosten für Neubau und Sanierung des Rathauses in Feldkirchen-Westerham. Merk
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Bei über acht Millionen Euro liegen mittlerweile die Kosten für Neubau und Sanierung des Rathauses in Feldkirchen-Westerham. Merk

Bei Neubauten gehen die Meinungen in Bezug auf Baustil und Gestaltung oftmals weit auseinander. Das ist beim neuen Rathaus in Feldkirchen-Westerham nicht anders gewesen.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde jedoch noch ein ganz anderes Problem bekannt: Seit Mai haben sich Mehrkosten in Höhe von rund 800000 Euro angesammelt.

Feldkirchen-Westerham – Bereits Mitte Mai dieses Jahres wurden die Kommunalpolitiker darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Gesamtkosten bei 7,25 Millionen Euro liegen werden (wir berichteten). Diese Aussage des Architekturbüros Carl Schleburg wurde vom gesamten Gemeinderat zur Kenntnis genommen. Zwei Wochen später aber wurden die Zahlen von den zuständigen Mitarbeitern der gemeindlichen Bauverwaltung angezweifelt. Offenbar zu Recht: Jede vom Gemeinderat bestätigte Auftragsvergabe und die dazugehörigen Rechnungen wurden detailliert nachgeprüft. Ergebnis: Seit einem halben Jahr, von Mai bis zum November, liefen tatsächliche Mehrkosten in Höhe von rund 800 000 Euro auf. Gesamtkosten des Rathausbaus: 8,054 Millionen Euro.

Wie konnte das passieren, wie ist das zu begründen? Diese Frage wurde im Gemeinderat laut. Hintergrund laut überarbeiteter Vorlage: Mengenmehrungen an mehreren Gewerken, mehr Parkplätze und auch aufwendigere Außenanlagen, technische Änderungen und Verbesserungen, Kunst am Bau, fällige Honorare, Gutachten und die allgemeinen Nebenkosten. Diese Leistungen wurden zwarbeschlossen und auch erbracht, sind aber in der Kostenfortschreibung nicht berücksichtigt worden – locker gesagt, völlig untergegangen.

Bürgermeister Bernhard Schweiger nahm die Bauverwaltung der Gemeinde ausdrücklich in Schutz: „Die offensichtlichen Versäumnisse bei der Kostenfortschreibung wurden sofort beim Planungsbüro angemahnt. Die Prüfungen und Gegenüberstellungen waren zeitaufwendig und haben sich hingezogen“, sagte der Rathauschef. Schweiger erinnerte daran, dass all diese Mehraufwendungen und Änderungen im Gemeinderat oder Bauausschuss angesprochen und befürwortet worden sind.

Die Suche nach einem Schuldigen war schnell vorbei, das kaum für möglich gehaltene Geständnis: „Der allein Verantwortliche steht vor ihnen, ich muss persönlich ein sogenanntes Organisations-Verschulden eingestehen“, sagte Carl Schleburg, Chef des Rosenheimer Architekturbüros. „Einer meiner Mitarbeiter hat seine Aufgabe aufs Gröbste verletzt, ich habe das zu spät bemerkt“, bedauerte er und sagte, er werde ein finanzielles Entgegenkommen unterbreiten. Im Gemeinderat wurden diese bisher nicht bekannten Kosten, vor allem die versäumte Fortschreibung, ausschließlich dem Planungsbüro angelastet. Reaktionen: Georg Schnitzenbaumer (FW Gesamtgemeinde) fühlte sich „verschaukelt“, Franz Bergmüller (Pro Bürger) erneuerte seine grundsätzliche Kritik am neuen Rathaus und meinte: „Wenn wir dafür einen Projektausschuss eingesetzt hätten, wäre das nicht passiert.“

Dem Vorschlag des Bürgermeisters, diese 800 000 Euro im Haushaltsplan nachträglich zu befürworten, versagten fünf Ratsmitglieder ihre Zustimmung. me

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