Tuntenhausen-Nord-Erweiterung

Neues Baugebiet in Tuntenhausen sorgt für Streit um Verkehrsbelastung

Knapp 100 Meter vor dem Marterl wäre auf der rechten Seite eine Anbindung an die Staatsstraße geplant.
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Knapp 100 Meter vor dem Marterl wäre auf der rechten Seite eine Anbindung an die Staatsstraße geplant.
  • vonWerner Stache
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Die Verkehrsanbindung für das geplante Baugebiet „Tuntenhausen-Nord-Erweiterung“ macht der Gemeinde Kummer: Viele Räte fordern eine Anbindung über die Staatsstraße, ein Gutachten sagt jetzt allerdings das Gegenteil.

Tuntenhausen – Im November beschloss der Gemeinderat, dass eine Erschließung des Baugebietes über die Staatsstraße St 2358 untersucht werden solle. Wie Bürgermeister Georg Weigl (CSU/FWG) betonte, sei eine solche Anbindung seitens des Bauamtes Rosenheim vorstellbar – allerdings mit folgender Maßgabe: vorherige Prüfung der innerörtlichen Anbindung über den engen Bergweg und die Fuchsbergstraße.

Reichen vorhandene Straßen wirklich aus

Ein Konzept des Planegger Ingenieurbüros Ingevost, das die verkehrsrechtlichen Auswirkungen überprüfte, rät jetzt allerdings von einer zusätzlichen Anbindung an die Staatsstraße ab.

Christian Fahnberg erläuterte den Räten die Ergebnisse: „Die Leistungsfähigkeit der bereits vorhandenen Straßenverbindungen – Fuchsbergstraße, Bergweg – sind zur Abwicklung des durch das Baugebiet erhöhten Verkehrsaufkommens ausreichend.“ Fahnberg rät deshalb von einer direkten Anbindung an die Staatsstraße ab.

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Das sorgte Kopfschütteln bei einigen Räten, denn durch das neue Baugebiet erhöht sich die Frequenz von 400 Fahrzeugen auf 600. Zudem berücksichtige das 33-seitige Exposé nicht den zusätzlichen Verkehr durch das laufende Bauvorhaben.

Kritik kam von den Gemeinderäten

Nicht nur deswegen gab es viel Kritik aus den Reihen der Räte. Christian Birmoser (ULT) bemängelte, dass die künftige Besiedelung nicht in das Gutachten einfloss und verwies auf die Gefahrenquelle an der Einmündung in die Tillystraße: „Andere Kommunen erhalten Umgehungsstraßen und wir leiten den Verkehr in den Ort hinein.“ Andreas Gigglinger (CSU/FWG) verwies auf die Gefahr parkender Autos an der Fuchsbergstraße, wenn das Projekt fertiggestellt ist: „Dann kommt nicht mal ein Bauer mehr durch.“

„Vernünftige Anbindung oder kein Baugebiet.“

Franz Reil (CSU/FWG) erinnerte an die früheren Aussagen: „Vernünftige Anbindung oder kein Baugebiet.“ Genau dieses zweifelte Theresia Englhart (FL) an: „Wir brauchen das Baugebiet nicht und müssen auch an die Kapazität von Schulen und Kindergärten denken.“ Ein 50 Prozent höheres Verkehrsaufkommen sei schon sehr viel, war Herbert Prechtl (Liste 83104) überzeugt.

Johannes Weigl (PF Schönau) wollte gar eine Grundsatzdiskussion über das Baugebiet. „Man soll Tuntenhausen so ein Baugebiet nicht zumuten.“ Weigl widersprach: „Woher sollen wir sonst unseren Einheimischen-Grund bekommen?“

Anbindung noch einmal prüfen

Bernhard Kleinmaier (ULT) bemängelte beim Gutachten, dass hier auch der künftige Kindergartenverkehr fehle. Für Herbert Prechtl „macht man hier einfach die ländlichen Strukturen kaputt“. Nach ausgiebiger Diskussion einigte man sich auf folgenden Weg: Als nächster Schritt soll mit dem Bauamt geklärt werden, ob nach den Ergebnissen des Verkehrsgutachtens einer östlichen Anbindung an die Staatsstraße 2348 noch zugestimmt würde – mit 20:1 Stimmen votierte das Gremium dafür.

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