Ältere Bürger im Visier

Neue Betrugsmasche in Tuntenhausen – Weitere Senioren melden dubiose Anrufer

Wenn Anrufer im Dunkeln bleiben wollen wie jetzt in Tuntenhausen, ist Vorsicht geboten.
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Wenn Anrufer im Dunkeln bleiben wollen wie jetzt in Tuntenhausen, ist Vorsicht geboten.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Der Bericht über die dubiosen Anrufer in der Gemeinde Tuntenhausen, die sich als Mitarbeiter der Gemeinde ausgaben, hat Wellen geschlagen. Weitere Bürger meldeten sich in der Verwaltung und informierten darüber, dass auch sie angerufen worden sind. Die „echten“ Versicherungsmakler sind empört.

Tuntenhausen – Auch Erika Zimmert wurde kontaktiert. Sie ist eine der beiden Seniorenbeauftragten der Gemeinde Tuntenhausen: „Ich bin stinksauer, dass diese Betrüger gezielt ältere Bürger auswählen.“ Ihr gegenüber habe sich die Anruferin als Mitarbeiterin der „Assekuranz“ ausgegeben.

Sie habe weder ihren Namen genannt, noch darüber informiert, woher sie anrufe. „Dafür wollte Sie uns gleich am nächsten Tag, um 11 Uhr, einen Mitarbeiter ins Haus schicken“, berichtet Zimmert. Auch bei ihr seien Neuerungen in der Pflegeversicherung, Patientenverfügung und Betreuungsvollmacht als Themen benannt worden.

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„Und schließlich ging die Anruferin sogar so weit, nach Personen im Haushalt im Alter von über 60 Jahren zu fragen“, berichtet Zimmert. Sie hat die Anruferin abgeblockt und sofort die Nachbarn über den dubiosen Anruf informiert, denn es ist nicht das erste Mal, dass in Tuntenhausen Telefonbetrüger ihr Unwesen treiben.

Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl

Auch Erika Zimmert wurde schon einmal telefonisch bedrängt: „Das erste Mal meldeten sich um 22 Uhr angebliche Polizeibeamte bei mir, behaupteten, dass mein Haus aus einem schwarzen Pkw heraus überwacht und ausgespäht werde, und dass die Beamten jetzt kommen würden, um uns zu beschützen“, erinnert sich Zimmert. Damals war ihr angst und bange.

Wenige Minuten später kam zum Glück ihr Mann nach Hause. Er nahm den zweiten Anruf entgegen: „Sie fragten nach Wertsachen im Haus, einem Tresor und Bargeld und wollten vorbeikommen, um diese Dinge zu sichern“, berichtet Zimmert. Sie informierten sofort die Polizei. „Und doch bleibt ein mulmiges Gefühl zurück, denn man fühlt sich so gläsern und beobachtet“, sagt die Seniorenbeauftragte. Sie ist verärgert, „dass ausgerechnet Frauen und ältere Bürger angerufen werden – also Menschen, die sich scheinbar nicht wehren können.“

Unsicherheit älterer Menschen wird ausgenutzt

Ältere Menschen sind schnell verunsichert, auch wenn die Polizei rät, unbekannten Anrufern niemals Auskunft über familiäre oder finanzielle Verhältnisse zu geben, sich zeitlich und emotional nicht unter Druck setzen zu lassen und sofort die Polizei zu informieren, wenn etwas verdächtig erscheint.

Im Falle der aktuellen Anrufer, die sich als Versicherungsvertreter und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung ausgaben, kommt noch ein anderer Fakt hinzu.

Telefonwerbung ist schon lange verboten

Ganz gleich, ob es um Versicherungen, Vollmachten, ein Gewinnspiel oder Verkäufe geht – Telefonwerbung ist verboten! Es sei denn, man hat ihr vorher ausdrücklich zugestimmt – am besten schriftlich. Ruft ein unbekanntes Unternehmen ohne das Einverständnis des Bürgers zu Werbezwecken an, ist der Telefonanruf unzulässig. Werden die Anrufer namentlich bekannt und angezeigt, drohen ihnen erhebliche Bußgelder.

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In diesem Fall soll es die „Assekuranz“ gewesen sein, die die Senioren angerufen hat. „Assekuranz bedeutet nichts anderes als Versicherung“, macht Heinz Bauer, ein Versicherungsmakler der Arcon Assekuranz GmbH aus Stephanskirchen, klar. Er ist empört: „Das würde eine seriöse Versicherung nie machen. Das ist eindeutig Betrug. Und es verstößt gegen den Datenschutz“, betont er. Doch immer wieder werde versucht, den Menschen für Beratungsleistungen Geld aus der Tasche zu ziehen oder ihnen auf diese Weise unseriöse Versicherungen zu verkaufen. Im schlimmsten Fall würden die Wohnungen ausgespäht. Bauer betont: „Versicherungen sind Vertrauenssache.“

Die Gemeinde Tuntenhausen und die betroffenen Bürger haben die Polizei informiert. Die Ermittlungen laufen.

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