Nächtliche Prügelei in Bad Aibling: Wer war der Täter?

Mit einem Freispruch endete eine Verhandlung gegen einen Mann, der wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Rosenheim stand. Niemand vermochte zu sagen, was in jener Juni-Nacht 2019 nach einem Volksfestbesuch tatsächlich in der Bad Aiblinger Kirchzeile geschehen war.
+
Mit einem Freispruch endete eine Verhandlung gegen einen Mann, der wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Rosenheim stand. Niemand vermochte zu sagen, was in jener Juni-Nacht 2019 nach einem Volksfestbesuch tatsächlich in der Bad Aiblinger Kirchzeile geschehen war.

Wer hat auf einen 23-Jährigen bei einer nächtlichen Prügelei in der Kirchzeile im Juni vergangenen Jahres so stark eingetreten, dass sein Trommelfell platzte? Dieser Frage ging das Amtsgericht Rosenheim nach. Der wichtigste Sachverhalt jedoch konnte nicht geklärt werden.

Von Theo Auer

Bad Aibling – Viel Alkohol, viel Aggression, etliche blaue Augen und ein geplatztes Trommelfell. Das war die Bilanz einer Schlägerei in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 2019 in der Kirchzeile zu Bad Aibling. Die einzig nüchterne Zeugin eilte gegen 2 Uhr morgens zum Fenster und sah sich prügelnde Personen. Aber ohne ihre Brille konnte sie keinen der Beteiligten erkennen.

Beleidigt, geschubst, geprügelt und getreten

Die involvierten Personen waren auf dem Bad Aiblinger Volksfest gewesen. Danach wurde noch weiter gefeiert. Unter anderem in dem Nachtlokal, in dem zunächst drinnen und – nach dem Rauswurf – vor der Tür gestritten, beleidigt, geschubst und schließlich geprügelt und getreten wurde.

Angeblich hatte ein Aiblinger auf einen am Boden Liegenden eingetreten. So erging gegen ihn ein Strafbefehl. Dagegen legte er Einspruch ein und so traf man sich in Rosenheim vor dem Amtsgericht.

Am Morgen mit Verletzungen aufgewacht

Der 24-Jährige berichtete, er sei an jenem Abend volltrunken gewesen und habe – außer daran, dass er auf dem Volksfest gewesen sei – keinerlei Erinnerung. Einspruch habe er eingelegt, weil es überhaupt nicht seine Art sei, sich an Raufhändeln zu beteiligen, geschweige denn auf einen am Boden Liegenden einzutreten. Er sei am Morgen mit Gesichtsverletzungen aufgewacht, habe dies aber auf einen Sturz wegen seines Vollrausches zurückgeführt. Von einer möglichen Rauferei in der Nacht wisse er nichts. Bilder von seinen Verletzungen am nächsten Morgen legte er per Smartphone dem Gericht vor.

Lesen Sie auch:

Vor Gericht gelogen: Paar stolpert über Falschaussage

Prügelei auf Sportlerball: 21-jähriger Kiefersfeldener schlägt Polizisten ins Gesicht

Der andere Verletzte, ein 23-Jähriger aus Bad Aibling, berichtete, dass er vor dem Lokal von einer aggressiven Gruppe attackiert worden sei. Er sei von einem Schlag niedergestreckt und am Boden liegend von einer oder mehreren Personen gegen den Kopf getreten worden. Ganz sicher erinnerte er sich an einen Tritt gegen das rechte Ohr, wovon auch die Verletzung des Trommelfells herrühre.

Erkannt habe er keine der beteiligten Personen. Auch konnte er den Angeklagten nicht definitiv als Täter bezeichnen. Dieser sei ihm aber von einem anderen Anwesenden als Treter benannt worden.

Zeugin aus dem zweiten Stock ruft die Polizei

Die 34-jährige Zeugin, die direkt über dem Tatort wohnt, erwachte von dem Geschrei gegen 2 Uhr nachts und rief vom zweiten Stockwerk hinunter, ob denn jemand Hilfe brauche. Das wurde zwar verneint, aber weil sie erkannt hatte, dass dort aufeinander eingeschlagen wurde, verständigte sie die Polizei. Nachdem sie – aus dem Schlaf gerissen – keine Brille trug, konnte sie niemanden korrekt erkennen und somit später auch nicht wiedererkennen.

Weitere Zeugen, die damals allesamt eingestandenermaßen heftig alkoholisiert waren, berichteten in den verschiedensten Versionen. Keiner aber war in der Lage, den Angeklagten oder irgendeinen Täter konkret zu benennen. Das empfand auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft so. Sie stellte fest, dass gegen niemanden, also auch nicht gegen den Angeklagten der Nachweis einer Körperverletzung geführt werden konnte. Deshalb sei einzig ein Freispruch die korrekte Entscheidung.

„Keine Ahnung, was in dieser Nacht geschehen ist“

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Rolf Asmus hatte insoweit eine leichte Aufgabe und schloss sich den Ausführungen der Staatsanwältin an. Desgleichen der Vorsitzende Richter Christian Merkel. „Nach alldem was ich hier heute zu hören bekam, habe ich keine Ahnung, was da im Juni 2019 zu Bad Aibling tatsächlich geschehen ist. Und wenn ich nichts weiß, kann ich auch niemanden verurteilen – nur einen Freispruch erklären.“

Kommentare