Nachthimmel-Fotografie mit dem Teleskop – der Bad Aiblinger Markus Bauer gibt Tipps

Der Aiblinger Markus Bauer fängt die Kunst des Universums ein
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Der Aiblinger Markus Bauer fängt die Kunst des Universums ein

Seit 2018 betreibt der Bad Aiblinger Markus Bauer mit der Astro-Fotografie erfolgreich ein anspruchsvolles Hobby. Dass dazu mehr gehört als nur auf den Auslöser der Kamera zu drücken, erfuhren die OVB-Heimatzeitungen im Interview mit dem 27-Jährigen.

Bad Aibling – „Kunst-des-Universums“ – schon seine E-Mail-Adresse zeigt auf, wie respektvoll und mit welcher Einstellung Markus Bauer sein Hobby betreibt: die Astro-Fotografie. Dass er die beherrscht, beweist ein Foto auf der Titelseite der OVB-Heimatzeitungen in der Ausgabe vom 27. Juli. Denn vor knapp vier Wochen war dem Bad Aiblinger in einem seiner unzähligen Nachteinsätze ein spannender „Schnappschuss“ gelungen: Beim Ablichten des Kometen „Neowise C/2020 F3“ kam quasi neben dem Himmelskörper ein Meteor herunter, der beim Verglühen in der Erdatmosphäre fast vier Sekunden hell aufleuchtete. Dass für solche Aufnahmen sehr viel mehr dazu gehört, als „nur Glück zu haben“ und im richtigen Moment auf den Auslöser der Kamera zu drücken, wurde im Gespräch unserer Zeitung mit dem 27-jährigen Familienvater, der als Servicemitarbeiter in der IT-Branche arbeitet, deutlich.

Das Foto der Galaxiegruppe „Leo-Trio“ von Markus Bauer hatte die NASA im Februar 2019 zum „Foto des Tages“ gekürt.

Was treibt Sie an, nachts stundenlang irgendwo auf dem Feld zu stehen, in den Himmel zu starren und Fotos zu machen?

Markus Bauer: Schon seit meiner Kindheit interessierte ich mich für das Universum – die Sterne und die vermeintliche Unendlichkeit dessen, was „dort oben“ existiert. Gewissermaßen ist es für mich Kunst, die Kunst des Universums, die Schönheit, was die Natur an Bildern zu bieten hat. Es ist unglaublich, mit eigenen Augen zu sehen, was über unseren kleinen Köpfen Großes vor sich geht. Das Faszinierende und der Antrieb für mich ist, diese Kunst mit meinen Mitteln sichtbar zu machen.

Was war der Auslöser, um in dieses aufwendige Hobby einzusteigen?

Ich habe eh‘ schon immer viel über Astronomie gelesen; fasziniert haben mich natürlich die NASA-Bilder, die die zivile US-Weltraumbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft regelmäßig im Internet veröffentlicht. Aber die Initialzündung gab‘s für mich im Juli 2018 mit der Mondfinsternis. Ich stand auf dem Balkon und wollte unbedingt Fotos von dem Spektakel haben, hatte aber nichts Fototechnisches außer Fernglas und Handy zur Verfügung. Also habe ich versucht, mit dem Handy durchs Fernglas zu fotografieren, was natürlich zu eher bescheidenen Ergebnissen geführt hat. Da war für mich klar, ich will mehr erreichen.

Dazu mussten Sie dann aber technisch aufrüsten…

Markus B.: Ein Teleskop hatte ich schon seit einigen Jahren, es war aber nicht fototauglich. Mein Ziel war zunächst, nur Fotos vom Mond oder eventuell von Planeten zu machen; an die Deep-Sky-Fotografie hab‘ ich noch gar nicht gedacht. Auf meiner Suche nach der richtigen Technik wurde mir bewusst, mit welchen bescheidenen Mitteln ich für mich Astro-Fotografie verwirklichen kann. Natürlich nicht in der NASA-Qualität…

Welche Ausrüstung ist dafür erforderlich?

Markus B.: Eine vernünftige Basis ist ein stabiles Stativ mit einer parallaktischen Montierung. Das heißt, das Teleskop ist dreidimensional beweglich aufgehängt, um mit einer präzisen motorischen Nachführung auf das Himmelsobjekt die Erdrotation ausgleichen zu können. Die Steuerung übernimmt mein Laptop. Aus einer Datenbank beziehe ich die Koordinaten für die Objekte, die ich fotografieren möchte, und das Teleskop wird dann exakt auf das Ziel ausgerichtet. Das optische Abbild zum Beispiel eines Nebels trifft auf einen optoelektronischen Sensor, der auf dem Okular befestigt ist. Die Bilddaten erfasst mein Computer. Die Nachbearbeitung des Fotos erfolgt dann in einem entsprechenden Programm.

Das klingt kompliziert und technisch aufwendig, Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Markus B.: Das nötige astronomische Wissen musste ich mir natürlich erarbeiten: Wie finde ich die Objekte? Wie verhalten sie sich am Himmel? Die Erde dreht sich und bewegt sich durchs All, deshalb sind sie übers Jahr nicht immer an der selben Stelle. Von Vorteil waren meine Kenntnisse in der Computertechnik und digitalen Bildbearbeitung. Dennoch hat es ein halbes Jahr mit vielen Nachteinsätzen gedauert, bis ich ein erstes vernünftiges Ergebnis erzielen konnte.

Wie waren die ersten Ergebnisse? Gab‘s schon gleich Aha-Erlebnisse?

Markus B.: Interessant und spannend auf jeden Fall. Aber in den ersten Nächten gibt‘s nicht gleich die tollen Ergebnisse. Mir hat aber gereicht zu sehen, was sozusagen über unseren Köpfen herumfliegt, das war schon ergreifend, wenn es auch nicht gleich die tollen Fotos waren. Meinen ersten Erfolg hatte ich mit dem Pferdekopf-Nebel, ein Gebiet aus ionisiertem Wasserstoff, der recht hell leuchtet. Eigentlich braucht‘s dafür spezielle Filter, aber ich hab‘ einfach draufgehalten und ein tolles Ergebnis gehabt. Damals mit einer Spiegelreflexkamera und 90-sekündiger Belichtungszeit. Das Foto hat mich vom Hocker gehauen… weil ich es endlich geschafft hatte.

Perseiden-Fall vor der Milchstraße zeigt dieses Foto von Markus Bauer.

Wie hat sich durch das Hobby Ihre Sichtweise auf die Natur beziehungsweise den Menschen in der Natur geändert?

Markus B.: Positiv – seitdem ich die Astro-Fotografie betreibe, wird mir immer wieder vor Augen geführt, wie klein wir Menschen doch wirklich sind, wie klein unsere Probleme eigentlich sind, und wie groß dagegen das Universum ist. Das ist vielen Menschen im Alltag nicht bewusst, was über unseren Köpfen abgeht.

Leiten Sie aus dieser Erkenntnis eine Botschaft für sich, für Ihre Mitmenschen ab?

Markus B.: Definitiv ja – passt auf die Erde auf! Wie aufgeschmissen wären wir Menschen, wenn wir unser Leben auf der Erde verhunzen würden.

Mit dem Trifid-Nebel steht Markus Bauer im Wettbewerb des Museums Greenwich unter den besten 150 Einsendungen.

Was sagt Ihre Frau dazu, wenn Sie nachts auf Sternen-Pirsch gehen?

Markus B.: Anfangs gab es schon komische Situationen, als ich ihr gesagt habe, Du, ich bin mal dann weg… vor allem auch unmittelbar nach der Geburt unseres Sohnes. Denn einen Monat später habe ich mir die technische Ausrüstung angeschafft. Aber sie unterstützt mich und sie ist begeistert von meinen Fotos. Klar, sie macht sich schon Gedanken und sorgt sich um mich, wenn ich nachts irgendwo in der Pampa alleine hocke im Dunklen…

…es werden doch nicht gleich wilde Tiere über Sie herfallen…

Markus B.: …naja, es ist schon ein seltsames Gefühl, aus dem Auto zu steigen und einem Hirsch in der Brunftzeit in die Augen zu sehen. Da geht einem schon mal die Düse… Ich bin herumgelaufen wie ein Irrer. Unlustig wird‘s auch, wenn Rehe knapp an meinem Equipment vorbeilaufen, da standen mir schon oftmals die Haare zu Berge. Einmal bin ich während einer langen Belichtungsphase für eine Aufnahme im Auto eingeschlafen; das Wachwerden ging später sehr schnell, als ich auf meinem Teleskop einen Kauz entdeckt habe. Die Aufnahme war natürlich zu vergessen, weil der Vogel für heftige Wackler gesorgt hatte.

Wie oft sind Ihnen am nächsten Tag während der Arbeit die Augen zugeklappt?

Markus B.: Bisher noch nie, ich bekomme schon noch nach meinen Einsätzen zwei bis drei Stunden Schlaf. Zum Glück findet auch mein Chef mein Hobby faszinierend und unterstützt mich.

Das Teleskop ist mit optoelektronischen Bildsensoren ausgerüstet.

Was war Ihr bislang größter Erfolg mit der Astro-Fotografie?

Markus B.:Dass die NASA zwei meiner Fotos weltweit veröffentlicht und als Astro-Foto des Tages ausgezeichnet hat. Einmal im Februar 2019 das Leo-Trio, eine Galaxie-Gruppe sowie im September den Iris-Nebel, eine Dunkelwolke – da hängen 25 Stunden Belichtung in mehreren Einsätzen dran. Und im Astro-Fotografenwettbewerb des Museums Greenwich – der größte Wettbewerb der Welt – bin ich von 6000 Einsendungen bei den 150 Besten, im September fällt die Entscheidung, wer gewonnen hat.

Was ist jetzt die nächste größte Herausforderung für Sie?

Markus B.: Ein nächster Schritt könnte zum Beispiel sein, in die Suche nach planetarischen Nebeln einzusteigen. Aber dafür bin ich wissenstechnisch doch noch nicht fit genug. Es ist mehr mit Wissenschaft verbunden; zur Zeit ist doch die Astro-Fotografie noch mehr mein Ding.

Interview: Ulli Nathen-Berger

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