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Beliebter Mann mit 93 Jahren verstorben

„Füa mi bracht´s ned lang Trauer drong“ – Hochzeitslader Bertl Heigl geht mit Dank-Verserl

Der verstorbene Bertl Heigl aus Heufeld wurde auf seinem letzten irdischen Weg von den Heufelder Trachtlern, seiner Familie sowie vielen guten Freunden und Bekannten begleitet.
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Der verstorbene Bertl Heigl aus Heufeld wurde auf seinem letzten irdischen Weg von den Heufelder Trachtlern, seiner Familie sowie vielen guten Freunden und Bekannten begleitet.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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Am 16. März wäre Rupert Heigl aus Heufeld 94 Jahre alt geworden. Nach kurzer Krankheit ist er am 8. Februar überraschend verstorben. Am Samstag, 12. Februar, wurde er feierlich beigesetzt. Zahlreiche Menschen begleiteten „Bertl“ auf seinem letzten irdischen Weg.

Bruckmühl – Die Anteilnahme war so groß, dass die Plätze in der St. Korbinian Kirche nicht ausreichten. Der Trauergottesdienst wurde mit Lautsprechern auf den Kirchplatz übertragen, wo zahlreiche Trauergäste auf Bänken Platz genommen hatten.

Seine Lebensfreude war ansteckend

Bertl Heigl hinterlässt eine große, schmerzhafte Lücke – nicht nur bei seiner Ehefrau Fanny und seiner Tochter Gitti mit Familie, sondern auch bei den Trachtlern, den Bürgern der Marktgemeinde Bruckmühl und bei vielen anderen Menschen, die die Ehre hatten, den Heufelder kennenzulernen. In seiner Trauerrede in der Kirche bezeichnete Dekan Thomas Gruber aus Hallbergmoos, der viele Jahre Seelsorger für Heufeld war, den Verstorbenen als einen Menschen, der Lebensfreude bis zum Hinübergehen in den ewigen Heimatboden hatte und dieser auch gern weitergab. „Der Bertl war ein Urgestein seiner Heimat“, so der Dekan. Die volksmusikalische Gestaltung des Auferstehungs-Gottesdienstes übernahmen mit Gesang und Instrumenten die Perlseer Dirndl.

Erinnerungen an ein ereignisreiches Leben

Dekan Gruber erinnerte an die wichtigsten Lebensstationen von Bertl Heigl, dessen Leben mit der Geburt im Elf-Apostel-Haus von Heufeld begann. „Die Kriegszeit brachte es mit sich, dass er mit 15 Jahren den Führerschein machte, dass er mit 16 Jahren ins Wehrertüchtigungslager nach Strupp bei Berchtesgaden kam, dem ein Ausbildungslager an der Ostsee folgte, und dass er im Februar 1945 im Alter von 17 Jahren in Dresden bei den Aufräumungsarbeiten nach dem Bombenangriff eingesetzt wurde“, erinnerte Gruber an die harten Jugendjahre des Verstorbenen.

Zu der nachfolgenden Entwicklung sagte der Dekan: „Nach dem Krieg war der junge Bertl Ofenmechaniker in Tuntenhausen, Kraftfahrer und 21 Jahre Heizer im Kesselhaus. Mit 47 Jahren machte er die Wassermeister-Prüfung und war dann bis zum Renteneintritt als Wassermeister für seine Heimatgemeinde tätig.“

1955 heiratete Bertl seine Frau Fanny, mit der er noch eiserne Hochzeit feiern konnte. Fanny, Tochter Gitti, Schwiegersohn Hartl und Enkel Markus waren für ihn Auftrieb und Stütze.

Heigl war ein vielseitiger Handwerker – im hohen Alter von 90 Jahren kaufte er sich noch ein Schweißgerät. Er war auch Musikant – mit Gitarre und Ziach. Vor allem aber war er leidenschaftlicher Hochzeitslader. Dazu sagte der Geistliche: „Die Geselligkeit ist bei Bertl Heigl als Letztes gestorben.“

Eine Bläsergruppe aus den Reihen persönlicher Freunde von Bertl Heigl führte den Trauerzug an.

Auf den Friedhof der ehemaligen Pfarrkirche St. Martin in Högling führte ein festlicher, aber klein gehaltener Trauerzug. Angeführt wurde er von einer Bläsergruppe und den Fahnenabordnungen der Heufelder Trachtler, der Paten-Trachtenvereine aus Bruckmühl, Götting und Schliersee, der Feuerwehr Heufeld, des Rauchclub- und Sterbeunterstützungsvereins Unterheufeld sowie des Altersvereins „Edelweiß“.

In seiner Trauerrede bezeichnete Bürgermeister Richard Richter den Verstorbenen als einen „Vorzeige-Heufelder und Vorzeige-Brückmühler“, der von 1972 bis 1991 Wassermeister der Gemeinde war. „Er hat nachhaltige Spuren hinterlassen. Seine Lebensleistung wurde mit dem Ehrenbrief und der Ehrenmedaille der Marktgemeinde, der Verdienstmedaille der Regierung von Oberbayern für Kultur und Brauchtum sowie mit dem goldenen Gau-Ehrenzeichen des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes besonders gewürdigt“, so der Bürgermeister.

Für die große Zunft der bayerischen Hochzeitslader, die mit 36 Mitgliedern vertreten waren, sprach Sepp Heinzl aus Tuntenhausen einen Nachruf. Er betonte unter anderem: „Der Bertl hatte über vier Jahrzehnte an die 1000 Hochzeiten. Seine Verserlkünste, sein Gstanzlsingen und sein Einsatz seit der Gründung unserer Gemeinschaft bleiben unvergessen.“ Gemeinsam würdigten die Vorstände Alois Huber und Markus Zehetmaier Bertl Heigl für den Trachtenverein „D´Mangfalltaler“ Heufeld und für den Bayerischen Inngau-Trachtenverband.

Ehrenvorsitzender der Mangfalltaler

„Der Bertl war von 1946 bis heute, als 76 Jahre lang, aktives und vorbildliches Mitglied. Er war Vorplattler, Fähnrich, von 1978 bis 1993 Vorsitzender und bis zuletzt hilfreicher Ratgeber. Bei großen und kleinen Festen war er ein richtiger `Möglichmacher`“, erinnerten sie an ihren Ehrenvorsitzenden.

Wie sehr der gesellige Bertl nicht nur bei der Heimat- und Brauchtumspflege fehlen wird, verdeutlichten auch die Nachrufe des Rauchclubs und Sterbeunterstützungsvereins Unterheufeld, dem er 66 Jahre angehörte, und des Altersvereins „Edelweiß“ Bruckmühl, der Heigl zum Ehrenmitglied machen wird.

Zahlreiche Menschen erwiesen dem Verstorbenen ihre letzte Ehre – hier der Bruckmühler Trachtenverein.

Auch verschiedene Stammtische sowie Orts- und Patenvereine, denen der Verstorbene bis ins hohe Alter treu und aktiv verbunden war, nahmen bewegt Abschied. Für einen besonderen Rahmen sorgten neben sieben Fahnenabordnungen – wegen Corona war ihre Anzahl eingeschränkt – und eine Bläsergruppe aus den Reihen persönlicher Freunde von Bertl Heigl.

Ein letzter, ganz persönlicher Gruß

Für einen letzten Gruß an die Hinterbliebenen hatte Bertl Heigl schon zu Lebzeiten ein Dankverserl vorbereitet: „Füa mi bracht´s ned lang Trauer drong, helft´s ma liaba, Vergelt´s God song, füa mei lang´s, mei glücklich´s Lem, des ma hod da Hergott gem.“