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„Danke Sepp, habe die Ehre“

Familie, Freunde und Weggefährten nehmen Abschied von Josef Beer

„Da Beer Sepp“ war Imker aus Leidenschaft. Am 17. November ist er verstorben. Am Samstag, 27. November, begleiten ihn Familie, Freunde und Kameraden auf seinem letzten Weg.
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„Da Beer Sepp“ war Imker aus Leidenschaft. Am 17. November ist er verstorben. Am Samstag, 27. November, begleiten ihn Familie, Freunde und Kameraden auf seinem letzten Weg.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Josef Beer, der Vorsitzende des Imkervereines Bad Aibling-Brückmühl und der Bruckmühler Veteranen- und Reservistenkameradschaft, ist am 17. November nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Am 27. November nehmen Familie, Freunde und Weggefährten Abschied.

Bruckmühl – Es scheint, als wäre er nur mal kurz von der Arbeit weggegangen. Sein neues Schleuderhäusl ist so gut wie fertig, die Dachrinnen sind schon bestellt, müssen nur noch montiert werden. Doch so oft die Kinder auch aus dem Fenster schauen und meinen, jetzt müsste der Vater doch im Garten sein – er kommt nicht wieder: Josef Beer ist für immer gegangen. Am 17. November ist der Bruckmühler im Alter von 67 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit verstorben.

Ein Freund und ein guter Kamerad

Es ist unfassbar für alle, die ihn kannten. „Da Beer Sepp“ soll nicht mehr da sein? Ein Bruckmühler Urgestein, das jeder kannte – als Nachbarn, als Vorsitzenden des Imkervereines Bad Aibling-Bruckmühl oder als Vorsitzenden der Krieger- und Reservistenkameradschaft Bruckmühl.

„Er war ein freundlicher und unendlich hilfsbereiter Mensch“, beschreibt ihn Rolf Hörnlein, sein langjähriger Weggefährte im Imkerverein. „Und er war ein Löwe. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann hat er es auch geschafft“, erinnert sich der Freund. Und wenn einer nach Sepp fragte, dann war klar: Er ist im Holz bei den Bienen oder am Lehrbienenstand, denn die Bienen waren seit 40 Jahren seine Leidenschaft.

Natur und Bienen lagen ihm am Herzen

20 Jahre lang war Sepp Beer Vorsitzender des Imkervereins. „Doch auch in all den Jahren zuvor war er immer im Verein engagiert“, weiß Hörnlein und erklärt: „Die Natur lag ihm sehr am Herzen. Hier in Bruckmühl hat er den Grundstein dafür gelegt, dass es auch in den nächsten Generationen Menschen gibt, die den unschätzbaren Wert der Bienen für uns Menschen und die Natur schätzen.“

Mit seiner Faszination für das Imkern hat es Josef Beer geschafft, die Mitgliederzahl des Imkervereins in wenigen Jahren zu verdoppeln. Als persönlicher Pate brachte er mindestens 60 jungen Menschen das Imkern bei. „Und wer es drei Jahre durchhält, den lässt es nicht mehr los“, weiß Hörnlein. Auch Sepp hat Höhen und Tiefen als Imker erlebt, verlor ganze Bienenvölker an Krankheiten. „Doch er hat immer nach vorn geschaut und gesagt: A geh weida. Das schaffen wir.“

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Der Lehrbienenstand ist der Verdienst von Josef Beer und Rolf Hörnlein. „Ich war zwar nie im Vorstand, aber Sepp hat immer zu mir gesagt: Komm mit, Du weißt viel und kannst gut reden. Und so waren wir wie Pat und Patachon unterwegs und haben für unser Projekt geworben“, erzählt Hörnlein. „Immer persönlich, immer von Angesicht zu Angesicht. Das war Sepp wichtig.“

Im Juli 2019 wurde der Lehrbienenstand seiner Bestimmung übergeben. „Da hatte er vor Stolz sein unverkennbares, verschmitztes Lächeln im Gesicht“, erinnert sich Hörnlein an den Freund, der vor allem auch eines war: bescheiden. „Und ein richtiger Bayer – grad heraus und nie beleidigt.“ Seine Stimme bricht. „Die Lücke, die Sepp reißt, kann man nicht füllen. Doch wir werden in seinem Sinne weitermachen“, verspricht er. Eines möchte er seinem Freund noch sagen: „Danke Sepp, habe die Ehre.“

Der Lehrbienenstand in Götting wird für immer an Sepp Beer erinnern. Er selbst hat als Vorsitzender der Bruckmühler Veteranen- und Reservistenkameradschaft mit dafür Sorge getragen, dass die Namen von 188 Gefallenen, Vermissten und in der Gefangenschaft Verstorbenen des Zweiten Weltkriegs nicht in Vergessenheit geraten. Dass das Mahnmal im Rathauspark am Volkstrauertag 2018 feierlich eingeweiht werden konnte, war auch sein Verdienst.

„Er war ein guter Kamerad“, würdigt Walter Rösler, der stellvertretende Vorsitzende der Kameradschaft Bruckmühl, den Verstorbenen: „Er war Mitbegründer und seit 1986 Vorsitzender unserer Kameradschaft, hat viele Jahre als dritter Obmann in der Interessengemeinschaft der Veteranen- und Reservistenvereine im Landkreis mitgewirkt“, würdigt Rösler den Kameraden.

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Josef Beer war elf Jahre alt, als er mit seinen Eltern und Schwester Heidi in die Siedlung nach Hinrichssegen zog. Hier hat er mit seiner Frau Rosi die drei gemeinsamen Kinder Maria, Katrin und Max großgezogen. Hier waren und sind alle eng miteinander verbunden – inzwischen jeder in seinem eigenen Haus und doch vereint.

Mit 63 ging Josef Beer nach 48 Jahren harter körperlicher Arbeit als Maurer in den Ruhestand. Wenigstens 20 Jahre hätte er noch als Rentner mit seiner Frau, den Kindern und drei Enkeln genießen sollen. „Wir hätten es so schön haben können“, sagt seine Tochter Katrin Schmid traurig, doch nur vier Jahre waren ihm vergönnt. „Er war ein liebevoller Vater, immer für uns da, hat seine Enkel geliebt, mit ihnen Ausflüge gemacht, sie in den Wald mitgenommen, ihnen die Natur nahegebracht.“

An Allerheiligen war er noch aktiv

Dass der Opa nicht mehr da ist, wissen sie. Dass er nicht mehr wiederkommt, verstehen sie nicht. „Plötzlich ist alles anders“, sagt Tochter Katrin. Am 3. Oktober haben die Eltern noch ihren 40. Hochzeitstag gefeiert. „An Allerheiligen hat er noch für die Kriegsgräberfürsorge gesammelt, da saßen wir alle noch gesund beisammen“, erinnert sie sich.

Sechs Tage später wurden die Eltern mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand verschlechterte sich so dramatisch, dass sie kurz darauf ins künstliche Koma versetzt werden mussten. „Papa ist am 17. November gestorben. Mama weiß es noch gar nicht“, sagt die Tochter leise und ist dankbar dafür, dass ihre Mutter auf dem Weg der Besserung ist.

Die Geschwister sind beieinander, tragen den schweren Schicksalsschlag gemeinsam. Ihr Schmerz lässt sich nicht in Worte fassen. Ihr Zusammenhalt ist bewundernswert. Sie schauen aus dem Fenster, warten, dass der Vater zum Schleuderhäusl geht, seine Dachrinne montiert. Doch er kommt nicht mehr. Sepp Beer ist für immer gegangen.

Trauergottesdienst am 27. November in Heufeld

Der Trauergottesdienst für Josef Beer findet am Samstag, 27. November, um 10 Uhr, in der St. Korbinian Kirche in Heufeld statt. Es müssen FFP2-Masken getragen werden. In der Kirche ist für ausreichend Abstand gesorgt. Die Kirchenpforte bleibt offen, damit alle Anwesenden den Gottesdienst verfolgen können. Worte zum ehrenden Gedenken spricht Pastoralreferent Markus Stein.

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