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Nachruf

„Er hat allen diese Welt versüßt“: Aibling trauert um Konditormeister Günther Steffen

Eine große Trauergemeinde verabschiedet sich von dem im Alter von 81 Jahren verstorbenen Günther Steffen.  Fotos Hecht
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Eine große Trauergemeinde verabschiedet sich von dem im Alter von 81 Jahren verstorbenen Günther Steffen.

Als Konditormeister hat er allen diese Welt versüßt. Er ist seinen Lebensweg nie alleine gegangen, sondern zusammen mit seiner Familie und seinen Freunden“, waren die treffenden Worte von Diakon Jakob Hartmann zu Beginn der Beisetzung.

Von Uwe Hecht

Bad Aibling – „ Nur wenige Wochen vor seinem 82. Geburtstag ist Günther Steffen für seine Familie und seine Freunde überraschend verstorben. Ihn konnte man, obwohl in Schlesien geboren, als Aiblinger Original und Urgestein bezeichnen.

„Geht seinen letzten Weg nicht alleine“

Hartmann, der die von Susi Weiß musikalisch begleitete Trauerfeier im Bad Aiblinger Friedhof leitete, war sicher, dass „Günther auch seinen letzten Weg nicht alleine gehen musste, sondern dass Gott ihn dabei begleitet hat.“ Tochter Susi sprach die auf Günther Steffen zugeschnittenen Fürbitten und Susi Weiß spielte Musiktitel, welche der Verstorbenen gerne gehört hatte.

Günther Steffen absolvierte die Konditorlehre in der Backstube seines Vaters Gustav, machte 1967 die Meisterprüfung, trat in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm dessen Konditorei und Café in der Lindenstraße. Später siedelte das von Einheimischen und Urlaubsgästen gerne besuchte Café in die Bahnhofstraße. Besonders gefragt war dabei „sein“ Apfelstrudel sowie das selbstgemachte Eis.

Günther Steffen.

Auch als Tochter Petra aus dem ursprünglichen Kaffeehaus das „Steffens“ machte, blieb er seinem Handwerk treu, auch über seinen Ruhestand hinaus, den er 2020 angetreten hatte, und „werkelte bis zum Schluss in seiner Backstube“, wie Diakon Hartmann treffend bemerkte.

Ein Höhepunkt in dieser Zeit war der Besuch von Sternekoch Frank Rosin, der zu Fernsehaufnahmen ins „Steffens“ gekommen war. Von 1990 bis 2013 betrieb er zusätzlich das Café Heiß in Zell, zunächst mit Karl Hafner als Partner, später alleinverantwortlich. Bereits 1966 hatte er seine Gabi geheiratet, Tochter Susi kam 1967 zur Welt, Tochter Petra folgte 1969. Deren Sohn Constantin war er ein liebevoller Opa.

Auch wenn Familie und Beruf sowie sein Engagement in der Aiblinger Faschingsgilde kaum Zeit für Hobbys ließen, so unternahm er doch immer wieder kurze Reisen an den Ruhetagen, die oft den Gardasee zum Ziel hatten. Steffen war auch in einer Kegelrunde aktiv und ein großer Musikliebhaber, er spielte in früheren Jahren sogar in einer eigenen Musikgruppe.

Sehr interessiert zeigte er sich auch an der Geschichte, nicht nur der Stadt Bad Aibling, sondern weltweit. Das ausgiebige Studium der Tageszeitungen gehörte für ihn zum festen Tagesablauf und er war ein aufgeschlossener und „belesener“ Gesprächspartner.

Fasching war seine Leidenschaft

Wie kaum ein anderer ist der Name Günther Steffen auch mit der Faschingsgilde Bad Aibling verbunden, für die Präsident Thomas Hofinger an Steffens Grab trat. Das „Faschingsblut“ floss wohl von Geburt an in seinen Adern, war doch Vater Gustl Steffen bereits bei der Gildegründung 1967 deren zweiter Präsident und hatte dieses Amt bis 1973 inne. In diesem Jahr ist Günther Steffen erstmals als Hofmarschall in der Chronik erwähnt, damals an der Seite von Horst Glass.

Vier Sessionen lang begleitet er humorvoll die Auftritte, bevor er 1977 zum zweiten Präsidenten gewählt wurde und dies fast 30 Jahre lang blieb. Zusammen mit Rolf Beyler als ersten Präsidenten bildete er ein kongeniales Duo und vertrat die Aiblinger Gilde weit über die Stadt- grenze hinaus.

Dabei waren große und wortgewaltige Auftritte nie seine Welt, er blieb lieber ruhig und bescheiden, jedoch mit trockenem und spitzfindigem Humor im Hintergrund.

Verlässlichkeit zeichnete ihn dabei besonders aus, für viele junge Akteure in Garde und Elferrat wurde er während der Faschingszeiten nahezu eine Art „Ersatzvater“. Hoch her ging es an manchen Tagen und vor allem Nächten in seinem Café in der Bahnhofstraße sowie im Café Heiß in Zell, dass neben dem „Stammhaus“ 10 Jahre lang von allen „närrischen Generationen“ als „Gildehauptquartier“ genutzt wurde. Mit geradezu stoischer Ruhe „ertrug“ er die „stürmischen Nächte“.

Liebe zur Musik

Seine Liebe zur Musik und das Gespür für die passenden Rhythmen zu den Bällen der Gilde machten ihn zu einem unverzichtbaren Ratgeber bei der Verpflichtung der Bands. Jahrzehnte lang war er auch für den Kartenvorverkauf für diese Bälle an vorderster Front im Einsatz, sein Café war Reservierungs- und Abholstation, Ehefrau Gabi und später Tochter Petra unterstützen ihn dabei nach Kräften. Nahezu eine logische Folge, dass er nach seinem Ausscheiden aus den aktiven Ämtern zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.

Dieses Amt hieß aber für Günther Steffen nicht, sich nun „aufs Altenteil“ zurückzuziehen. Der Kartenvorverkauf blieb nach wie vor in seiner Hand und bis zum letzten Ball stand er als „getreuer Heinrich“ am Einlass zum großen Kurhaussaal. Die Aiblinger Faschingsgilde ist ihm zu großem Dank verpflichtet und verabschiedete ihn mit einem leisen „Oabling Glore´“ von dieser Welt.

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