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Sozialer Motor der Gemeinde

Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen ist seit 25 Jahren ehrenamtlich im Einsatz

Das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen, verbindet die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen. Maxi Berger ist mit 18 Jahren der jüngste Helfer, Berta Weber mit 72 Jahren die älteste aktive Helferin.
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Das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen, verbindet die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen. Maxi Berger ist mit 18 Jahren der jüngste Helfer, Berta Weber mit 72 Jahren die älteste aktive Helferin.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Die Nachbarschaftshilfe ist der soziale Motor der Gemeinde Tuntenhausen. Seit 25 Jahren widmet sich der Verein den Bedürfnissen der Menschen, hat entscheidende soziale Entwicklungen angeschoben.

Tuntenhausen – . Seien es Mittags- oder Ganztagsbetreuung, Asylhilfe, Belieferung mit Tafelessen oder die Betreuung betagter und kranker Bürger – Ideen und ehrenamtliches Engagement erwuchsen aus der Nachbarschaftshilfe. Es war die persönliche Betroffenheit, die 1996 dazu führte, dass sich Tuntenhausener Frauen um Elisabeth Gförer zusammenfanden, um etwas zu ändern. „Es gab niemanden, der Familien bei der Betreuung ihrer betagten oder kranken Angehörigen half. So konnte es nicht weitgehen“, erinnert sich Gründungsmitglied Maria Breuer, die die Geschicke der Nachbarschaftshilfe bis heute mit gestaltet.

Hilfe für Einheimische und Zugereiste

Anfangs war es die Unterstützung einzelner Familien: „Mit einer neuen Brille fürs Kind oder Hochwasserhilfe nach der Überschwemmung der Keller“, berichtet Breuer. Als sich auch auf dem Land die familiären Strukturen wandelten und an den Schulen Kinderbetreuung gebraucht wurde, war es wieder die Nachbarschaftshilfe, die in Schönau und Ostermünchen eine Mittags- oder Ganztagsbetreuung aufbaute. „Mann, was haben wir auf die Beine gestellt. Wir waren mit so viel Herzblut dabei“, denkt Günter Breuer gern an diese Zeit zurück.

Aufgrund des „nachbarschaftlichen“ Weitblicks und der frühzeitigen Weichenstellungen ist Tuntenhausen heute eine der wenigen Gemeinden, die ihren Familien bereits das anbietet, was erst ab 2026 zum Rechtsanspruch erhoben werden soll: ein Ganztagsangebot für alle Schüler bis zur vierten Klasse.

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Mit den Jahren hat sich das Aufgabenspektrum des Vereins gewandelt. Heute stehen die Senioren im Mittelpunkt der Arbeit: Die Nachbarschaftshilfe bietet Hilfe im Haushalt oder im Garten an, Spaziergänge oder regelmäßige Besuche – gemeinsame Zeit gegen die Einsamkeit betagter Menschen. „Während der Corona-Pandemie kamen auch zunehmend Hilferufe aus Familien, die in der monatelangen Mehrfachbelastung aus Arbeit, Familie, Haushalt und Homeschooling eine Verschnaufpause brauchten“, berichtet Juana Voracek.

Ehrenamtliche Helfer zwischen 18 und 73

Sie koordiniert die Einsätze der 23 ehrenamtlichen Helfer im Alter von 18 bis 73 Jahren. „Gegenwärtig stehen wir 23 Senioren zur Seite, doch unsere Warteliste ist lang. Etwa 30 meist betagte Bürger unserer Gemeinde wünschen sich Hilfe, die wir ihnen momentan aber leider nicht anbieten können“, bedauert Voracek.

Etwa 25 weitere ehrenamtliche Helfer werden dringend gebraucht. Menschen, die sich einmal in der Woche oder auch alle 14 Tage Zeit nehmen, um Senioren zu begleiten.

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„Dabei geht es nicht um Pflege, sondern um zwischenmenschliche Kontakte, um Hilfe im Haushalt, beim Kochen oder im Garten, um einen Ratsch oder das gemeinsame Rätseln“, erklärt die Einsatzleiterin. Mit zwischenmenschlichem Gespür bringt sie Senioren und Helfer „passgenau“ zusammen, geht zu den ersten Besuchen mit und schafft so neue Gemeinschaften, die den Menschen gut tun und die Familien entlasten. „Es ist eine Herausforderung der nächsten Jahre, neue Helfer in der jüngeren Generation zu finden“, blickt Marcus Straßer, der neue Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, in die Zukunft. Er hat sich dieser Aufgabe aus der Motivation gestellt, die allen Nachbarschaftshelfern gemein ist: „Ich möchte etwas zurückgeben. Die Nachbarschaftshilfe leistet einen elementaren Beitrag zur Menschlichkeit und zu einer sozialen Gemeinde Tuntenhausen.“

Die Hilfe im Rahmen der Nachbarschaftshilfe ist ehrenamtlich, wird allerdings mit einer Aufwandsentschädigung vergütet. In Seminaren lernen die Helfer nicht nur den richtigen Umgang mit betagten Menschen, die teilweise auch an Demenz leiden. Sie lernen zudem, wie Geben und Nehmen ausgewogen bleiben kann, und wie sie traurige Situationen überstehen, ohne dabei selbst seelischen Schaden zu nehmen. Leider ist – wenn auch selten – sexuelle Belästigung ein Thema geworden, in deren Folge Betreuungsverträge gekündigt werden müssen.

Ehrenamtliche Helfer dringend gesucht

Die finanziellen Mittel für sein seit 25 Jahren ungebrochenes soziales Engagement generiert der Verein aus den Beiträgen der circa 100 Mitglieder, vor allem aber aus Spenden. „Ohne die Unterstützung von Privatleuten und Unternehmern aus unserer Gemeinde und auch darüber hinaus könnten wir das alles nicht leisten“, macht Maria Breuer klar.

Wer sich als ehrenamtlicher Helfer engagieren möchte, kann sich bei Juana Voracek unter Telefon 0 80 67/9 09 88 44 genauer informieren.

Die Mitglieder der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen treffen sich am Freitag, 24. September, zur Jahreshauptversammlung. Diese beginnt im 19 Uhr mit einer Andacht in der Kirche Ostermünchen. Danach geht es in Wallners Landgasthof zur Post weiter.

Der jüngste Helfer und die älteste Helferin über ihre „nachbarschaftliche“ Motivation

Berta Weber ist mit 72 Jahren die älteste aktive ehrenamtliche Mitarbeiterin der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen. Seit etwa fünf Jahren ist sie dabei. Aktuell hilft sie zwei über 80-jährigen Damen und einem etwas jüngeren Herren in der Hauswirtschaft. Neben dem Putzen kommt natürlich auch ein Ratsch nicht zur kurz. Alle zwei Wochen ist sie in Tuntenhausen und Sindelhausen auf Achse. „Meine beiden Damen freuen sich immer riesig, wenn ich komme“, erzählt Weber. Und genau das ist es, was sie antreibt: Jemandem eine Freude zu bereiten. „Man muss doch irgendetwas tun, um zu helfen. Und solange ich kann, mache ich weiter“, sagt die Tuntenhausenerin.

Maxi Berger ist mit 18 Jahren der Jüngste im Helferkreis der Nachbarschaftshilfe. Seit Mai kümmert sich der Abiturient um den Garten von drei Senioren. Der Tuntenhausener ist Bayerischer Meister im 800- und 1500-Meter-Lauf. Solche Erfolge kann ein Leistungssportler nur erzielen, wenn er eisern trainiert. Deshalb geht Maxi sechsmal pro Woche für zwei Stunden auf die Strecke.

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Trotzdem bleibt noch Zeit für das Ehrenamt, denn: „Wir können uns ganz individuell verabreden. Wenn ich Zeit habe, rufe ich die Senioren an und helfe im Garten.“ Ganz egal, ob Rasenmähen oder Unkrautjäten – Maxi macht alles gern, was den Garten wieder zur Wohlfühloase werden lässt. „Es macht mir einfach Spaß, anderen zu helfen“, sagt er. „Und der Garten soll immer ein schöner Ort sein, an dem man sich wohlfühlt. Das ist ganz besonders für Menschen wichtig, die nicht mehr so viel rauskommen.“ Und wenn sich die Senioren freuen, dann ist das der schönste Lohn für den 18-Jährigen.

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