Das Wasser in den Griff bekommen

Nach Hochwasser: Bad Aibling nimmt jetzt Glonn und Moosbach ins Visier

Auch das Hochwasserproblem mit dem Moosbach in Adlfurt muss noch gelöst werden. Wie das geschehen kann, darüber berät die Stadt Bad Aibling momentan mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim.
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Auch das Hochwasserproblem mit dem Moosbach in Adlfurt muss noch gelöst werden. Wie das geschehen kann, darüber berät die Stadt Bad Aibling momentan mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Überflutete Wiesen, Keller und Straßen durch Hochwasser in Glonn und Moosbach: Das muss ein Ende haben, fordern nicht nur die betroffenen Bürger. Mit diesen Maßnahmen will die Stadt Bad Aibling die Probleme nachhaltig in den Griff bekommen.

Bad Aibling– Die seit 2013 ergriffenen Hochwasserschutzmaßnahmen an der Mangfall haben sich aus Sicht der Verantwortlichen beim jüngsten Starkregen Anfang August bewährt. Jetzt rücken – von den Anliegern seit Jahren gefordert – die weiteren Sorgenkinder der Stadt, die Glonn und der Moosbach, ins Visier.

„Auch, wenn der Eindruck entstanden ist, dass in den vergangenen Jahren wenig vorangegangen sei, das täuscht“, sagt Bürgermeister Stephan Schlier. Um an der Glonn bei Mietraching die Gewässeraufweitung im Rahmen des ökologischen Ausbaus umsetzen zu können, sei in mehreren Fällen ein Grundstückstausch erforderlich gewesen. Mittlerweile sei man fast am Ziel und es soll ein großer Schritt folgen.

Infoveranstaltung für Bürger folgt

Zuständig für die Umsetzung sei das Wasserwirtschatsamt Rosenheim, das dann zunächst die Eingabeplanung fertigen werde. Danach sei auch die von der Stadt anvisierte Informationsveranstaltung für die Bürger geplant, so Schlier, der hofft, dass die Arbeiten im besten Fall im Sommer kommenden Jahres beginnen können.

Was den Ortsteil Adlfurt angeht, der vom Hochwasser am 4. August besonders betroffen war, so habe eine Untersuchung des Fachbüros EDR dort ergeben, dass drei Häuser bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis des Moosbachs besonders gefährdet seien. Hier stehe nun eine Aufweitung des Moosbaches im Bereich Adfurt zur Diskussion. Im Moment berät die Stadt mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim die Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme. „Ansonsten muss versucht werden, die betreffenden Anwesen über Einzelschutzmaßnahmen zu sichern“, so Schlier.

Bürgermeister macht Hochwasserschutz zur Chefsache

Er hat das Thema Hochwasserschutz im Stadtgebiet zur Chefsache erklärt und bei einer Nachbesprechung der Ereignisse vom 4. August gemeinsam mit der Verwaltung einen Fahrplan für künftige Hochwasserereignisse erstellt. „Ziel ist es, eine Komplettübersicht über die Stellen zu bekommen, an denen es noch hakt. Und zu ergründen, woran das liegt.“ Hierfür wird laut Schlier jeder Mitarbeiter im Team einen der Punkte abarbeiten. In einigen Wochen werde man zusammenkommen, um über die Erkenntnisse und das weitere Vorgehen zu beraten.

Die wichtigsten Punkte, die es abzuhaken gilt

  • Software INGE: Die Stadt will die Anschaffung der „Interaktiven Gefahrenkarte für den kommunalen Hochwasserschutz“ (INGE) vorantreiben – ein Instrument, das die Planung, Durchführung und Nachbearbeitung komplexer Maßnahmen der Gefahrenabwehr unterstützen und helfen soll, diese zielgenau durchzuführen. Da die Software den Alarm- und Einsatzplan örtlicher Behörden und Einsatzleitungen abbildet, kann jeder Akteur umfassend informiert werden. Im Gefahrenfall würden alle notwendigen Unterlagen zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung stehen.
  • Übersicht über alle Problemstellen in der Innenstadt und auf den Dörfern und Überlegungen in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt, was getan werden kann
  • Frühwarnsystem für die Glonn analog zu dem bestehenden für die Mangfall
  • Einrichtung eines gut anfahrbaren Sandsacklagers und Plan für die Abwicklung im Extremfall
  • Kommunikation optimieren: Hier sollen zum einen die Erreichbarkeiten auch an Sonn- und Feiertagen aufgelistet werden. Zum anderen werden Info-Flyer für die Bürger erstellt, in denen Ansprechpartner im Bedarfsfall sowie der Hinweis auf aktuelle Informationen auf der Website zu finden sein sollen
  • Schutzmaßnahmen für Kurhaus und Jahnturnhalle, die durch das Wasser Anfang August beschädigt wurden

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Mit diesen Erläuterungen, die der Bürgermeister in der jüngsten Stadtratssitzung gab, sind auch die wichtigsten Anliegen abgedeckt, die die ÜWG-Fraktion zum Thema ökologischer Hochwasserschutz in den betroffenen Bereichen in einem Antrag eingereicht hatte.

Die Lage in den Dörfern und in der Stadt

  • Ellmosen: Hier gab es laut Bürgermeister Stephan Schlier keine Probleme
  • Harthausen: ein überschwemmter Keller aufgrund von Grundwasser
  • Mietraching: Hier führte eine Hausnummer dazu, dass die Dorfstraße mit Wasser voll lief, obwohl der Bau des Gebäudes laut Schlier aufgrund der bekannten Problematik mit dem Wasserwirtschaftsamt abgestimmt gewesen sei. Jedoch waren zum Zeitpunkt des Starkregenereignisses die Erdarbeiten der Außenanlagen nicht fertiggestellt, was die Situation verschärft habe. Hier soll untersucht werden, wie die Situation gelöst werden kann. Außerdem: Überschwemmte Wiese links von der Ebersberger Straße stadtauswärts. Im Bereich der Splittersiedlung will man unter anderem nachdenken, ob ein Wall Schutz bringen würde.
  • Berbling: Keine bekannten Probleme.
  • Willing: Die Grundwasserproblematik im Bereich des Mühlbachrings führt dazu, dass dort bei einigen Kellern Wasser eindringt. Des Weiteren überlege man, einen Pegel am Feldbach zu setzen, um die dortigen Anlieger frühzeitig warnen zu können.
  • Bad Aibling: Hier wird überlegt, ob so genannte Abdichtschienen oder -sperren an manchen Stellen eine bessere Wirkung haben könnten als Sandsäcke.

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Probleme gab es Anfang August auch in der Kranzhornstraße. Über eine mögliche Verlegung des Regenwasserkanals wird laut Stadt nachgedacht. In der Heubergstraße stand zwar zwischen Volkshochschule und Soinstraße das Oberflächenwasser auf der Fahrbahn, sie war aber noch passierbar. Das Problem in den Griff zu bekommen dürfte laut Stadt schwer sein. Die Bahnunterführung an der Ghersburgstraße läuft bei Starkregen manchmal voll und wird gesperrt, Schaden entstehe nicht.

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