Nach Einbrüchen in Bruckmühl: Gericht schenkt Aussagen keinen Glauben

Er habe sich zum Einbruch überreden lassen, behauptete ein 49-Jähriger, den das Schöffengericht jetzt zu einer Haftstrafe von 27 Monaten verurteilte.
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Er habe sich zum Einbruch überreden lassen, behauptete ein 49-Jähriger, den das Schöffengericht jetzt zu einer Haftstrafe von 27 Monaten verurteilte.

27 Monate Haft lautete das Urteil des Schöffengerichts Rosenheim für einen 49-jährigen Rumänen, der im Sommer des vergangenen Jahres in zwei Bruckmühler Betriebe eingebrochen war. Den Erklärungsversuchen des Mannes mit einschlägiger Vergangenheit schenkte das Gericht keinen Glauben.

Von Theo Auer

Bruckmühl – Am Nachmittag des 19. Juni 2019, einem Sonntag, brach der 49-jährige Rumäne mit einem unbekannten zweiten Täter in zwei holzverarbeitende Betriebe in Bruckmühl ein. Einen der Einbrüche, an den er sich angeblich nicht mehr erinnern konnte, konnte man ihm mittels einer DNA-Spur nachweisen.

Nach Deutschland ausgeliefert

Die DNA-Spuren waren in Österreich registriert, und so wurde der Angeklagte auf einen internationalen Haftbefehl hin in Rumänien festgenommen und am 26. Juni 2020 nach Deutschland ausgeliefert. Für die zweite Tat, für die es keinen schlüssigen Beweis gab, hat er ein Geständnis abgelegt.

Bereits vor 15 Jahren war der Mann in seiner Heimat Rumänien sowie in Polen wegen Einbruchs verurteilt worden. Im Jahr 2011 dann war er zusammen mit einer Bande in mehr als 15 Schlachtbetriebe in Österreich eingebrochen. Mit generalstabsmäßigen Vorbereitungen wurden damals über 160 000 Euro erbeutet, was dem Mann eine Strafe von sechs Jahren Gefängnis in Österreich einbrachte.

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Was nun die Vorfälle in Bruckmühl anging, so war er angeblich – von einem ihm Unbekannten – nach Rosenheim gerufen worden, um ein Kfz nach Rumänien zu überführen. Angeblich hatte sich dieser Unbekannte in Rosenheim plötzlich nicht mehr gemeldet. Deshalb sei er in Rosenheim „gestrandet“ und habe in einem Wettbüro mit etlichen Bieren seinen Frust bekämpft. Weil er kein Geld für die Rückreise gehabt habe, habe er sich von einem Unbekannten dazu überreden lassen, ihn bei einem Einbruch zu begleiten, wofür ihm dieser das Geld für die Rückfahrt zugesagt habe. Ein ihm völlig unbekannter Freund des Mittäters habe ihn dann nach Rumänien zurückgebracht.

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Wenige Minuten später erklärte er jedoch, dass er das Geld wohl gehabt, aber leider verbraucht habe. Weil er seine Tat damit entschuldigte, dass er durch den Alkohol aus dem Wettbüro nicht mehr Herr seiner Sinne geworden sei und sich nicht einmal mehr an den zweiten Einbruch erinnern mochte, bat das Gericht den forensisch-psychiatrischen Gutachter Professor Michael Soyka dazu. Der erklärte, dass es zwar keinen gemessenen Blutalkoholgehalt gegeben habe, der Angeklagte entsprechend den eigenen Angaben jedoch einen solchen von maximal 0,9 Promille aufweisen habe können. Dies mache weder einen Gedächtnisverlust noch eine eingeschränkte Schuldfähigkeit möglich.

Staatsanwalt: Alles ausnahmslos Schutzbehauptungen

Der Staatsanwalt brachte es auf den Punkt: „Es handelt sich hier ausnahmslos um Schutzbehauptungen und glatte Lügen.“ Typischerweise für ein stümperhaftes Vorgehen sei hier der Sachschaden größer als die Beute. Angesichts der kriminellen Vergangenheit des Angeklagten könne es sich nur um eine deutliche Strafe handeln. Er beantragte 34 Monate Gefängnis.

Verteidiger hält Bewährungsstrafe für ausreichend

Der Verteidiger Rechtsanwalt Alexander Kohut verwies auf die bereits erlittene Untersuchungshaft und das damals drängende Bedürfnis des Angeklagten, nach dem geplatzten Überführungsauftrag wieder nach Hause zu kommen. Er hielt 18 Monate Haft für ausreichend. Weil die letzte Straftat des Mannes nun schon etwa neun Jahre zurückliege, erbat er für seinen Mandanten die Möglichkeit der Bewährung.

Bewährung nicht möglich

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat vermochte nicht zu erkennen, dass der Angeklagte das Gericht mit der Wahrheit bedient hatte. Er wurde als „krimineller Profi“ gesehen, der sich aber wenig professionell verhalten hatte. Eine Strafe von 27 Monaten Gefängnis, die ohnehin nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne, solle die Gesellschaft vor ihm schützen.

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