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Ein Frei- und ein Schuldspruch vor Gericht

Nach Diebstahl in Bad Aibling: Unter falschem Verdacht wegen Taschentuch

Ein gebrauchtes Tempotaschentuch brachte einen 44-Jährigen in den Verdacht, im Mai 2020 in ein Bad Aiblinger Seniorenheim eingebrochen zu sein. Ihn sprach das Amtsgericht Rosenheim frei. Ein zweiter Angeklagter dagegen wurde verurteilt.
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Ein gebrauchtes Tempotaschentuch brachte einen 44-Jährigen in den Verdacht, im Mai 2020 in ein Bad Aiblinger Seniorenheim eingebrochen zu sein. Ihn sprach das Amtsgericht Rosenheim frei. Ein zweiter Angeklagter dagegen wurde verurteilt.
  • VonTheo Auer
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Nicht sehr erfolgreich waren der oder die Täter, die Ende Mai 2020 in das Kellergeschoss eines Seniorenheimes in Bad Aibling eindrangen. Dort hebelten sie an die 100 Spinde eines Umkleideraumes auf. Zwei Armbanduhren und zwei angebrochene Parfüm-Flakons waren die ganze Beute.

Bad Aibling – Die Kriminalpolizei unterstellte damals Insider-Wissen, weil ganz gezielt das Schließblech an einem Schnappschloss einer Außentüre blockiert worden war. Der oder die Täter hatten ein Papiertaschentuch hinter das Schließblech gestopft und damit die Türe unverschlossen gehalten. Dieses Taschentuch und ein Holzstück, das nahe der Türe gefunden worden war, untersuchte man auf DNA-Spuren – und wurde fündig.

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DNA führt zu zwei Mitarbeitern

Zwei Männer wurden ausfindig gemacht: ein aktueller Mitarbeiter des Seniorenheims anhand der Schweißspuren auf dem Taschentuch und ein früherer Mitarbeiter aufgrund von Spuren am Holzstück. Beide bestritten vor Gericht, an dem Einbruch beteiligt gewesen zu sein. Rechtsanwalt Hans Sachse erklärte für seinen Mandanten, einen 44-Jährigen aus Bad Aibling, dass dieser nach wie vor dort im Hause wohne und schon deshalb keine Notwendigkeit habe, dort einzudringen. Sein Taschentuch habe er wohl dort im Keller verloren. Immer wieder stelle er dort sein Fahrrad ab, deshalb sei es durchaus möglich, dass der oder die Täter das Taschentuch dort gefunden und verwendet hätten.

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Auch der zweite Angeklagte – ein 42-Jähriger – hatte bis 2020 dort gearbeitet, ist aber nun wieder in seinem erlernten Beruf tätig. Er hatte allerdings Mühe zu erklären, woher zwei Armbanduhren und ein Parfüm stammten, die bei einer Durchsuchung seiner Wohnung gefunden wurden. Darüber hinaus fand sich dort auch verbotene Munition, was einen Verstoß gegen das Waffengesetz darstellte. Angeblich stammten diese Beutestücke aus Ebay-Käufen, deren Herkunft er aber weder benennen noch belegen konnte. Dazu wurde eine der Armbanduhren von ihrem Besitzer zweifelsfrei als seine, damals aus dem Spind gestohlene, Uhr identifiziert.

Seit 20 Jahren lebt der zweite Angeklagte, ein gebürtiger Slowake, in Deutschland, und war seither bereits mehrmals als Dieb überführt und bestraft worden.

Die Staatsanwältin beantragte, den 44-Jährigen freizusprechen, weil sich der Verdacht gegen diesen nicht erhärtet habe. Anders bei dem 42-Jährigen. Dass der die aufgefundene Beute bei Ebay ersteigert habe, hielt sie für eine reine Schutzbehauptung. Auch die aufgefundenen DNA-Spuren seien bei ihm, im Gegensatz zu dem anderen Angeklagten, ein deutlicher Hinweis auf dessen Täterschaft. Sie beantragte auch wegen seiner einschlägigen Vorstrafen gegen ihn eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten, die sie auch nicht zur Bewährung ausgesetzt wissen wollte.

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Rechtsanwalt Sachse stimmte der Staatsanwältin bei dem Freispruch zu. Rechtsanwalt David Schietinger war der Ansicht, dass seinem Mandanten lediglich der Besitz von verbotener Munition nachzuweisen sei, die sein Mandant ohnehin einräume. Dessen Erklärung vom Ebay-Erwerb von einem möglichen Hehler sei nicht zu widerlegen. In diesem Fall sei sein Mandant ebenfalls freizusprechen. Die Strafe wegen der aufgefundenen Munition stellte er in das Ermessen des Gerichtes.

Neun Monate Haft auf Bewährung

Der vorsitzende Richter Martin Neidhart sprach den ersten Angeklagten frei. Der 42-Jährige dagegen wurde des Einbruchsdiebstahls schuldig befunden. Zu groß war die Beweislast und zu fadenscheinig schienen ihm dessen Erklärungen. Eine Gesamtstrafe von neun Monaten Haft war ihm für Tat und Schuld angemessen. Bei einem Bußgeld von 2000 Euro setzte er die Strafe auf drei Jahre zur Bewährung aus.

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