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Noch lange nicht komplett genesen

Nach Corona-Infektion: Adelheit Bonnetsmüller kann ihre „neuen Freiheiten“ nicht nutzen

Sie gelten als „Genesene“ – Adelheid, Barbara und Florian Bonnetsmüller aus Bach in der Gemeinde Tuntenhausen. Doch ihre damit „gewonnenen“ Freiheiten kann Adelheid nicht genießen.
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Sie gelten als „Genesene“ – Adelheid, Barbara und Florian Bonnetsmüller aus Bach in der Gemeinde Tuntenhausen. Doch ihre damit „gewonnenen“ Freiheiten kann Adelheid nicht genießen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Wer von Corona genesen ist, darf wieder (fast) uneingeschränkt leben – mehr Menschen treffen, reisen, Geschäfte, Kinos, Theater und bald auch Restaurants besuchen. Die Familie Bonnetsmüller aus Bach in der Gemeinde Tuntenhausen gehört dazu. Nach ihrer Corona-Infektion gelten sie als „Genesene“. Doch wirklich genesen sind sie noch lange nicht.

Tuntenhausen – Es war im Januar, als sich das Corona-Virus wie ein Lauffeuer in der Familie verbreitete. Florian (40) und Adelheid (42) steckten sich an. Auch ihre gerade erst elf Monate alte Tochter Barbara.

Was bleibt, ist eine ungekannte Schwäche

„Wir hatten eigentlich alle Symptome, die wir vom Hörensagen kannten“, erzählen sie: Fieber, Schnupfen, Husten, Halschmerzen, Kopfweh und Gliederschmerzen. „Man fühlt sich richtig fies krank“, beschreiben die beiden Schönauer Trachtler ihre Erkrankung. Und Adelheid ergänzt: „Ich war noch nie so schlapp.“

Am schlimmsten aber war es für die Eltern, ihre Tochter krank zu erleben. Es war das erste Mal, dass die Kleine apathisch mit Fieber darniederlag.

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„Wir hatten riesige Angst, haben uns Sorgen gemacht, ob sie die Infektion verkraftet, und dass Spätfolgen wie der dauerhafte Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns oder Herzrhythmusstörungen zurückbleiben könnten.“ Doch Vater und Tochter erholen sich gut, auch wenn Florian sich bis heute schlapp fühlt. Nur der Zustand seiner Frau verbessert sich nicht.

Covid-Langzeitfolgen: Lunge ist geschädigt

Im Gegenteil: Ihr geht es immer schlechter, auch wenn das Virus längst nicht mehr in ihrem Körper ist. Die 42-Jährige leidet unter Kurzatmigkeit. Schließlich schauen die Lungenärzte bei einer Kernspintomographie genauer hin. Das Ergebnis erhält die 42-Jährige am 24. Februar, dem ersten Geburtstag ihrer Tochter. Die Diagnose erschüttert sie: Das Corona-Virus hat Spuren hinterlassen, ihre Lunge geschädigt.

Bei ihr wird eine partielle Lungenembolie nachgewiesen. Ursache ihrer Atemnot sind Blutgerinnsel, die Teile ihrer Lungenarterien verstopft haben. Noch am gleichen Tag beantragten die Ärzte eine Reha für Adelheid.

Ehemann sorgt für Entlastung

Florian, der inzwischen wieder nach München zur Arbeit muss, will die zusätzlichen Krankheitstage nutzen, um seine Frau zu entlasten. Pro Elternteil gibt es seit diesem Jahr 30 statt der bisherigen 20 Tage. Doch die stehen ihm nicht zu, erfährt er von seiner Krankenkasse, da Barbara noch keine Kindereinrichtung besucht.

„Dass auch Menschen in Elternzeit am Virus erkranken können, hat der Gesetzgeber scheinbar vergessen“, so Bonnetsmüller. Zum Glück hatte er für März seinen Part der Elternzeit beantragt. So kann er seine Frau entlasten.

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Seit der Erkrankung sind inzwischen 16 Wochen vergangen. Die Chancen der 42-Jährigen, wieder richtig gesund zu werden, stehen nach Aussagen ihrer Ärzte gut. Doch dafür muss sie Blutverdünner einnehmen, damit sich die Thromben in ihrer Lunge auflösen. Trotzdem hat sich ihr Zustand nicht verbessert. „Ich habe eher das Gefühl, dass es mit dem Atmen immer schwieriger wird“, beschreibt sie.

Sogar Spaziergänge strengen an

Ihre scheinbar neu gewonnene Freiheit als „Genesene“ kann sie nicht genießen. Schon kleine Spaziergänge strengen sie an, verursachen stechende Schmerzen in der Brust. An die einst geliebten Bergwanderungen ist noch lange nicht wieder zu denken. Die 42-Jährige kann nicht einmal zum Einkaufen gehen, denn: „Ich halte es höchstens zwei Minuten unter der Maske aus, danach bekomme ich Atemnot und Panik.“

Ihr Bewegungsradius begrenzt sich auf die Dinge, die ohne Maske möglich sind: Haus und Garten, Spaziergänge im Rotter Forst, Besuche bei Freunden.

Hoffnung auf Reha

Sie ist noch immer so schwach, dass sie allein die Betreuung von Barbara erschöpft. Die 42-Jährige wird immer ungeduldiger, denn „ich möchte endlich wieder richtig gesund und so fit wie vor der Virus-Infektion sein.“ Sie setzt große Hoffnungen in die Reha. Am Mittwoch sollte es eigentlich losgehen. Doch kurz zuvor wird sie abgesagt. Der Grund: Das Sonderprogramm für Corona-Genesene startet erst im Juli.

„Das wären nochmal acht Wochen, in denen es nicht besser, sondern eher schlimmer wird“, macht die 42-Jährige klar, dass sie schnelle Hilfe braucht. Auch ihr Mann ist in Sorge, denn: „Sie kämpft sich durch, aber ich sehe, wie schwach sie ist, und höre, wie schwer ihr das Atmen fällt.“

Genesungsprozess braucht viel Geduld

Adelheid ist entschlossen, bei ihrer Rentenversicherung weiter für eine schnellere Reha zu kämpfen, sie möchte „endlich wieder besser atmen können“. Doch sie weiß von ihren Ärzten auch eines: „Wer an einer Corona-Infektion erkrankt war, erholt sich nicht so schnell. Das dauert lange und erfordert viel Geduld.“

Ende Juli ist bei Familie Bonnetsmüller die vom Robert-Koch-Institut vermutete sechsmonatige Immunität gegen das Corona-Virus vorbei. Dann gelten sie nicht mehr als „genesen“. Dann wollen sie sich schnellstmöglich impfen lassen, um geschützt zu sein.

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