Jubiläum in Lampferding

Nach 900 Jahren: Andreas Winkler bewahrt den Freinger-Hof vor dem Verfall

Der Freinger hat sein Gesicht bewahrt, weil alle Fenster und Türen an den historischen Stellen geblieben sind und auch das neue Dach die alte Form behalten hat.
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Der Freinger hat sein Gesicht bewahrt, weil alle Fenster und Türen an den historischen Stellen geblieben sind und auch das neue Dach die alte Form behalten hat.

Ein Doppeljubiläum begeht Lampferding in diesem Jahr: 900 Jahre Ersterwähnung und 500 Jahre Kirchenbau. In mehreren Folgen blickt Autor Thomas Stelzer auf die Entwicklung des Ortes zurück. Heute geht es um die Auferstehung eines der ältesten Höfe: des Freinger.

Von Thomas Stelzer

Lampferding – Als einen geschichtlichen Glücksfall für den ganzen Ort Lampferding kann man sicherlich die Tatsache bezeichnen, dass es vor über zwölf Jahren einen jungen Menschen gab, der einen uralten Bauernhof im Ortskern von Grund auf renovierte. Andreas Winkler aus Ostermünchen war es, der im Jahr 2008 das Grundstück samt Hof erwarb und sich für eine Renovierung mit möglichst viel Eigenleistung entschied. „Ich dachte erst nicht, dass ich das so weit schaffe, weil das Haus schon sehr kaputt war“, erzählt der 38-jährige von den Anfängen. Und tatsächlich: Das Haus war schon 32 Jahre lang nicht mehr bewohnt worden, und das sah man ihm auch an.

Das Mammutprojekt eines Ostermünchener

Andreas Winkler musste erst die Außen- und Innenmauern unterfangen, also ein Betonfundament unter jede Wand setzten, um Stabilität und dauerhafte Trockenheit der Mauern für die Zukunft zu gewährleisten. Dann wurde der gesamte Putz abgeschlagen. Dabei kam es zu allerlei unvermuteten Entdeckungen am Mauerwerk.

Der neue „Freinger“ Andi Winkler ist glücklich in Lampferding und froh, den größten Teil seines Riesenprojektes schon geschafft zu haben.

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Im Obergeschoss zum Beispiel fand sich zwischen zwei Zimmern eine Mauer aus dicken Holzbalken. „Die Balken waren pechschwarz und mit kleinen Löchern übersät, wohl deswegen, damit der Putz besser hält. Anscheinend zog an dieser Wand der Rauch der Feuerstelle der darunter liegenden Küche ab“, so die Annahme des Hausbesitzers. Zudem muss es wohl noch eine Vormauerung zu den Innenräumen gegeben haben, die sich durch den heißen Rauch erwärmen und so die Schlafräume ein wenig temperieren konnten. Im Erdgeschoss kamen an dieser Innenmauer ebenfalls schwarze Stellen zum Vorschein. Hier muss einst die Kochstelle mit offenen Feuer gewesen sein. Eine sichtbar zugemauerte Nische bestätigte diese Annahme.

Historisches „Rauchkuchl“ entdeckt

Auch im Dachbereich waren viele Balken von Rauch geschwärzt, da kein Kamin vorhanden war. Man kann diese Kochsituation in allen hiesigen Bauernhäusern annehmen. Erst im 19. Jahrhundert sorgten durchgehende steinerne Kamine für den Rauchabzug in Häusern sorgen. Doch das alte „Rauchkuchl“ im Freinger blieb unter dem Putz erhalten und kam nun wieder zum Vorschein.

Bis auf die Stube auf der Nordseite des Gebäudes war es auch notwendig, die alten Decken zu erneuern. Ein paar alte Balken blieben im Haus und zieren jetzt die gemütlichen Räume. Alle Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom und Heizung mussten neu installiert und auch das Dach erneuert werden. Auch hier warteten wieder einige Überraschungen auf den Bauherren.

Historischen Charme erhalten

„Besonders in diesem Gebäudeteil merkte man deutlich, dass im Laufe der Jahrhunderte der ursprüngliche Baustoff Holz immer wieder mit Ziegeln ersetzt wurde“, so Winkler. Über den Fenstern im Obergeschoss waren hinterm Putz stellenweise Balken „versteckt“, die einem Ringanker weichen mussten. Darauf konnten dann ein paar Ziegelreihen und ein modernes Isolierdach gebaut werden. Die neuen Fenster des Hauses passen gut zum Gebäude. Sie wurden in Form, Größe und Lage passend zu den alten Fenstern gestaltet. Das macht den Charme des neuen Freinger aus.

Bayerisches Fernsehen sucht Erdstall

Beim Entfernen der alten Böden des Hauses bemerkte Winkler im Flur und im Stallbereich noch einen älteren Bodenaufbau unter dem oberen Bodenbelag. Als 2009 der kleine Keller unter der Stube auf der Südseite hergerichtet werden sollte, musste tief gegraben werden, bis fester Boden erreicht war. Außerdem kam es dem neuen „Freinger“ so vor, als ob ein Gang nach außen führe. Zur Untersuchung kam eine Gruppe von Hobbyforschern nach Lampferding, die sich auf die „Erdstallforschung“ spezialisiert hatte. Mit dabei war ein Team des Bayerischen Fernsehens. Sie drehten hier den Teil einer Folge der Serie „Freizeit“ mit Max Schmidt. Allerdings kam bei den Forschungen heraus, dass es hier leider keinen Erdstall gibt.

Für die Serie „Freizeit“ mit Max Schmidt (links) suchte ein Drehteam des Bayerischen Fernsehens unter dem Freinger nach einem verborgenen Erdstall.

Beim Umbau des Freinger Anwesens wurden auch Stall und Tenne den neuen Anforderungen angepasst . Hier wurden Lager und Werkstatt eingerichtet. Vorher mussten aber alte Einbauten wie Futtertisch und Hochsilo weichen.

Drei Jahre und noch kein Ende in Sicht

Drei Jahre lang hat Andreas Winkler den Freinger-Hof herrichten müssen, bis er 2011 endlich einziehen konnte. Seitdem nutzte er jede freie Zeit, um weiter am Gebäude zu arbeiten. Die letzte größeren Maßnahmen waren Außenisolierung und das Verputzen des Wohnteils des Freinger.

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Andi Winkler, der für den Ort mit seinen Bemühungen ein kleines Schmuckstück geschaffen hat, ist froh, jetzt so weit gekommen zu sein: „Ich bereue es nicht, dieses große Projekt angepackt zu haben. Ich bin glücklich hier und froh, so gute Nachbarn zu haben.“

Wegen der Corona-Pandemie können keine Feierlichkeiten zum Lampferdinger Doppeljubiläum stattfinden. Aktuelle Informationen finden Interessenten auch auf der Lampferdinger Homepage www.lampferding.de.

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