Mutmacher in der Krise – Bruckmühler Pädagogen melden sich aus dem Homeoffice

Mit einer ganz besonderen Aktionmachen die Pädagogen der Justus-von-Liebig-Schule ihren Schülern Mut in einer ungewöhnlichen Lebens- und Lernsituation. Naase

Auf eine ganz besondere Idee kamen jetzt die Pädagogen der Justus-von-Liebig-Grund- und Mittelschule in Heufeld. Sie stellten aus vielen Selfies aus dem Homeoffice eine Collage zusammen, mit der sie ihre Schüler grüßen und aufmuntern wollen. Die Botschaft lautet: „Ihr macht das super! Bleibt gesund!“

Bruckmühl – Man vermisst immer das, was man gerade nicht hat, sagt eine Lebensweisheit. Und so scheint es auch den Pädagogen der Justus-von-Liebig-Schule in Heufeld zu gehen. Sie kamen auf die Idee, ihren Schülern aus dem Homeoffice liebe Grüße zu senden und das ausnahmsweise mal nicht in Form von Hausaufgaben. Daraus ist ein ganz besonderes Plakat entstanden: „Jetzt ist es fertig, alle haben geholfen, jeder hat ein Wort bekommen und damit ein Selfie zu Hause gemacht. Und das Ergebnis ist so schön geworden“, schwärmt Rektorin Arabella Quiram.

Das ist wirklich eine coole Idee

Auch Giuliano Bessel aus der sechsten Klasse hat sich riesig gefreut über diese Idee. „Das ist einfach cool“, meint er. Seine Lehrerin Helga Büch (zweite Reihe von unten, Dritte von rechts) hat sich zur Aufheiterung ihrer Schüler ein „Einhorn“ aufgesetzt.

Weniger reden, mehr schreiben

„Es ist schon ein bisschen blöd, dass man sie nicht hat und reden kann. Wir müssen jetzt einfach mehr schreiben“, sagt Giuliano. Das Gute am Home-Unterricht sei das Ausschlafen am Morgen. Doch von 9 bis 15 Uhr ist der 13-Jährige am Schreibtisch. Die Aufgaben oder auch Links zu informativen Videos kommen per E-Mail bei ihm an. „Manches kann ich direkt am Computer machen, vieles drucke ich aber auch aus“, erklärt der Sechstklässler. Sein großer Bruder Geronimo (15) und die Eltern helfen ihm, wenn er Fragen hat. Manchmal telefoniert er auch mit seinen Freunden. „Meist schaffe ich es aber allein“, ist er stolz.

Beruf und Familie fließen ineinander

„Es ist schon ungewöhnlich und auch weitaus mehr Arbeit als sonst“, berichtet Simone Gartner (zweite Reihe von unten, Fünfte von links). Sie ist jetzt dreifache Lehrerin, denn Beruf und Familie fließen ineinander. Während ihre beiden Kinder Antonia (11) und Korbinian (9) in ihren Zimmern arbeiten, sitzt die Mutter am Küchentisch und telefoniert mit ihren Schülern.

Mitten in den Prüfungsvorbereitungen

Sie führt ihre neunte Klasse gerade zum qualifizierten Mittelschulabschluss. Die Prüfungen wurden verschoben, finden vom 6. bis 8. Juli statt. „Eigentlich wären wir jetzt in Nizza auf Klassenfahrt. Darauf mussten meine 17 Schüler leider verzichten.“

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Doch das Gute daran: „Wir hatten unseren Stoff schon vor der Schulschließung geschafft und können uns jetzt ganz den Prüfungsvorbereitungen widmen.“ Dabei nutzen die Pädagogen der Justus-von-Liebig-Schule ihren eigenen „Schulmanager“. Über dieses Programm können Dateien und Nachrichten versenden. Die Schüler drucken sich die Arbeitsaufgaben aus, machen ein Foto vom Ergebnis und senden es zurück.

Wiedersehen per FaceTime

Zudem hat Simone Gartner Videos gedreht, in denen sie beispielsweise Rechenwege erläutert. Mit den Schülern ist sie bis in den Abend hinein im Kontakt – meist per Telefon oder FaceTime. Und meldet sich ein Schüler mal nicht bei ihr, fragt sie nach, wie es ihm geht.

Mut machen in der Isolation

„Es ist wichtig, ihnen in dieser Isolation Mut zu machen“, weiß sie, denn „ihnen fällt die Decke auf den Kopf“ und einige seien gerade auch sehr verunsichert. „Sollte das Coronavirus uns weiterhin ins Homeoffice verbannen, werde ich in den Osterferien ein virtuelles Klassenzimmer einrichten, damit wir uns endlich wiedersehen.“ Einige Pädagogen der Heufelder Schule praktizieren das bereits.

In Heufeld geht alles Hand in Hand

Ganz verwaist ist das Schulhaus in Heufeld nicht. Rektorin Arabella Quiram hält hier gemeinsam mit ein paar wenigen Kollegen die Stellung. Sie beginnt jetzt schon morgens um 7 Uhr mit der Arbeit, denn 7.15 Uhr kommt der achtjährige Maximilian in die Notfallbetreuung.

Dankbar für Menschlichkeit

Mama Eugenie Stieglitz arbeitet als Metzgereifachverkäuferin. „Ich bin froh, dass ich weiter arbeiten darf, denn als alleinerziehende Mutter von drei Kindern kann ich es mir gar nicht leisten, unbezahlt Urlaub zu nehmen.“

Helfen, damit es alle schaffen

Ihre beiden großen Kinder – 16 und 13 Jahre alt – sind daheim. Der Kleine geht in die Schule. „Ich bin sehr dankbar für diese große Menschlichkeit, für die Unterstützung von Lehrern und Kollegen“, sagt sie. Es geht alles Hand in Hand. Auf Arbeit hat man Verständnis dafür, dass sie zehn Minuten später kommt. In der Schule ist der Kleine gut behütet. „Ohne diese Hilfe würde ich es nicht schaffen.“

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