Mutmach-Tafel in Bad Aibling: Sich Ängste von der Seele schreiben

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„Angst, zu kurz zu kommen“ und „Angst, die Krankheit nicht zu besiegen“: Das sind nur zwei Sätze, die auf der Mutmach-Tafel stehen. Die Tafel wurde jetzt vor der Alpenland-Klinik an der Rosenheimer Straße in Bad Aibling aufgestellt –und sie kann von allen beschriftet werden.

Bad Aibling –  Das Kunstprojekt ist eine Kooperation von „Mut & Courage“und den Patienten und Therapeuten der Fachklinik Alpenland Bad Aibling.

Erfülltes Miteinander am wichtigsten

Sich den eigenen Ängsten bewusst stellen erfordert Mut: „Diesen Mut muss man kultivieren“, meint Vorsitzende Irene Durukan. Sich zu fragen, worin die Ängste bestehen. Das macht man nicht gern, es kann, so meint sie, aber leichter fallen, wenn man vor der Tafel steht und liest, was andere umtreibt.

Dass die Aktion mit der Corona-Krisezusammen fällt, ist laut Durukan im Grunde Zufall, denn geplant sei sie schon länger gewesen. Dennoch bekomme sie durch Corona erst ihre richtige Tiefe. Die Krise habe für viele Ängste, die man im normalen Alltag gut verdrängen kann, an die Oberfläche gespült. Zwar seien sie mit der zurückkehrenden Normalität schon wieder am Absinken, aber doch noch so präsent, dass man sich gut daran erinnern kann. Damit aber, so Durukan, erinnere man sich vielleicht auch daran, dass man auf dem Höhepunkt der Corona-Krise immer davon sprach, dass sie eigentlich eine Chance sei. Die Chance, etwas im Leben zu ändern. Weg von „immer mehr, immer weiter“, also weg von einer Konsumspirale. Denn die sei nur Ersatz, für das, was wirklich zählt: ein erfülltes Miteinander.

Zu neuem Leben erwecken

Auch dieses Bewusstsein ist etwas, was schon wieder halb vergessen ist, die Tafel aber möchte es zu neuem Leben erwecken. Denn in ihrer zweiten Hälfte bietet sie die Möglichkeit, aufzuschreiben, wo man mehr Mut zu Veränderung zeigen möchte. Die zwei Hälften der Tafel zusammengenommen deshalb im Grunde eine Momentaufnahme des Lebens. Mit dem, wovor man sich fürchtet und mit dem optimistischen Ausblick darauf, wie man es in den Griff bekommen kann. Dass die Tafel dabei nicht nur vor der Alpenland-Klinik steht, sondern auch von ihr mitbetreut wird, ist durchaus ein Zeichen, so Durukan.

Beiträge werden gesammelt

Denn die Menschen, die sich zu einer Therapie in eine Suchtklinik begeben haben, beweisen damit genau die Haltung, die der Verein in Bad Aibling verbreiten möchte: Den Mut, sich den Unzulänglichkeiten und Ängsten der eigenen Existenz zu stellen und den Optimismus, dass auf die Erkenntnis Veränderung erfolgen kann. Wenn die Tafel voll beschrieben ist, werden die Beiträge abgewischt, um Platz für neue zu schaffen. Die Antworten sollen aber täglich fotografiert. Die Bilder teilt der Verein auf der Homepage unter www.muttutgut.org. Vielleicht wird auch ein Bildband daraus entstehen, so Durukan.

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