Müssen Wohnmobilisten auch zahlen?

Der aktuelle Hinweiszum Kurbeitrag am Wohnmobilstellplatz an der Heubergstraße.
+
Der aktuelle Hinweiszum Kurbeitrag am Wohnmobilstellplatz an der Heubergstraße.

von Silvia Mischi. Bad Aibling.

– Das Prädikat „Bad“ soll eigentlich für immer mit Aibling verbunden sein. Für die nächsten zehn Jahre soll dies eine Wiederanerkennung des Zertifikats erfüllen. Dafür müssen zahlreiche Kriterien wie Badearzt, Gaststätten, Angebote sowie Luftwerte erfüllt werden. Startschuss für die dazu erforderlichen Messungen soll am 15. Juni sein. Kostenpunkt des Verfahrens: rund 10 000 Euro. „Das ist aber gut in unsere Haupteinnahmequelle, den Tourismus, investiert“, betonte Kurdirektor Thomas Jahn.

Kurgebiet wird erweitert

Nach dem Hauptausschuss (wir berichteten) stellte er nun dem Stadtrat das Prozedere im Detail auch vor. Das aktuelle Kurgebiet von Bad Aibling erstreckt sich bis dato auf das Zentrum, Harthausen, das B&O-Gelände und Zell. „Nur dort wird ein Kurbeitrag erhoben“, so Jahn. Aber: Hier gibt es ein Ungleichgewicht. Denn dadurch können nicht alle Gäste in den Genuss von Vergünstigungen durch eine Kur- und Gästekarte kommen. Und: Es gebe auch Kooperationen mit den Gemeinden Prien und Bad Feilnbach sowie dem Chiemsee-Alpenland-Tourismusverband, was alles bei den „Nicht-Kurbeitragszahlern hintenüber falle“. Ein Beispiel hierfür ist der jeweilige öffentliche Nahverkehr wie der Moorexpress innerhalb der jeweiligen Kurkarte – auch bei den Kooperationen.

Halbe Million Euro Kurbeitrag pro Jahr

In etwa eine halbe Million Euro nimmt die Aib-Kur jährlich an Kurbeitrag ein. Doch es könnte mehr sein. Die sogenannten Wohnmobilisten scheiden die Geister im Gremium und den zuständigen Betrieben, die Aib-Kur- und die Stadtwerke. Wohnmobil-Stellplätze und deren Nutzer an der Heubergstraße würden, wie Jahn auf Nachfrage von Richard Lechner (SPD) erklärte, ebenfalls ins zahlungspflichtige Raster fallen. Aber: Hier hapere es an den Abrechnungen. Und an den Auslegungen. Während Jahn analog zu einem Kollegen in Bad Königshofen ein Automatenmodell mit Kontrollgängen als Lösung des Problems sieht, braucht es für Stadtwerkeleiter Fritz Walter Keilhauer eine politische Entscheidung in diesem Fall samt konkretem Umsetzungsvorschlag.

Denn: Laut einer Übereinkunft mit der Aib-Kur wurden Hinweisschilder über die Pflicht zur Anmeldung und Entrichtung des Kurbeitrags angebracht. Die Anmeldung hat dabei im Haus des Gastes zu erfolgen.

Die Überwachung soll laut damaliger Absprache dann durch die Aib-Kur erfolgen. Keilhauer weiter: „Bei dem Wohnmobilstellplatz handelt es sich weder um Wohnraum, der zur Beherbergung überlassen wird, noch um einen Campingplatz. Dadurch entfällt aus Sicht der Stadtwerke die Beitragspflicht.“

Keilhauer verwies in seiner Stellungnahme auf Lechners Anfrage zudem darauf, dass Wohnmobilisten zu jeder Tag- und Nachtzeit anreisen könnten. Es gebe keine Rezeption zur An- und Abmeldung und der Aufenthalt sei auf wenige Nächte befristet. „Außerdem verfügen sie über ein geschlossenes Abwassersystem und eine Bordtoilette“, so Keilhauer. Jahn wiederum will auch diese Gäste an den Vorteilen der Kurkarte profitieren lassen. „Schließlich lassen gerade diese Besucher durch Einkäufe und Restaurantbesuch Geld in der Stadt“, so der Kurdirektor. Jetzt gelte es Lösungen zu erarbeiten und den Stadtrat entscheiden zu lassen.

Unterschiedliche Ansichten

Bereits fix ist indes, dass das Kurgebiet der Stadt erweitert wird – auf das gesamte Stadtareal. Dies sei schon seit Längerem ein Wunsch Jahns, doch wollte man die turnusgemäße Wiederanerkennung des Bad-Titels abwarten und dann im Parallelverfahren vorgehen. Die Zeit drängt bereits für die Verantwortlichen, denn schließlich soll die Rezertifizierung pünktlich zu „75 Jahre Moorbad“ und „125 Jahre Moorheilbad“ im kommenden Jahr abgeschlossen sein.

Dafür müssen bis Ende Mai/Anfang Juni alle Unterlagen zusammengestellt sein. Mitte Juni beginnen dann bereits die sechsmonatigen Messungen bis Ende Dezember. Die entsprechenden Gutachten zur Wiederanerkennung durch die Regierung von Oberbayern sollten dann Januar/Februar erstellt und im ersten Quartal 2020 der „Bad“-Titel wieder fix sein.

Einstimmig brachte der Stadtrat den Auftrag, die beiden Verfahren „Kurgebietserweiterung“ und „Wiederanerkennung des Bad-Titels“, auf den Weg. Denn eines bekräftigten sie – wie auch schon Jahn gegenüber unserer Zeitung: „Aibling ohne das ,Bad‘ ist unvorstellbar.“ Der Titel sei eine Qualitätsauszeichnung für die Gäste.

Deshalb umfasst die Rezertifizierung auch zahlreiche Aufgaben, Gutachten und Auflagen. Dazu gehören unter anderem chemische und physikalisch-chemische Kontrollanalysen sowie ein medizinisch-balneologisches Gutachten über die therapeutische Eignung des Heilmittels. Ebenfalls nachzuweisen sind dem Kurdirektor zufolge mindestens ein kassenarztrechtlich zugelassener Kur-/Badearzt, psychologische Begleitung, Gaststätten und Beherbergungsbetriebe sowie Unterhaltung, Betreuung und Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung der Kurgäste.

Kommentare