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Mit Flüchtlingen in Quarantäne

Warum Corona die Hilfsbereitschaft in Bad Aibling nicht stoppen kann

Astrid Freiberger (ganz rechts) mit vier der fünf geflüchteten Ukrainer, die bei ihr untergekommen sind.
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Astrid Freiberger (ganz rechts) mit vier der fünf geflüchteten Ukrainer, die bei ihr untergekommen sind.

Astrid Freiberger aus Bad Aibling lebt seit Anfang März mit fünf Flüchtlingen unter einem Dach. Wie das Zusammenleben in Quarantäne funktioniert und welche entscheidende Rolle eine 35-jährige Krankenschwester spielt.

Bad Aibling – Was tun, wenn Ukraine-Flüchtlinge positiv auf das Corona-Virus getestet werden? Dieser Frage musste kürzlich auch die Bad Aiblingerin Astrid Freiberger nachgehen. Die 57-Jährige hat seit Anfang März fünf Geflüchtete aus der Ukraine bei sich zuhause aufgenommen, unter ihnen zwei Frauen und drei Kinder. „Ich war ohnehin am Überlegen, meine Einliegerwohnung zu vermieten“, sagt Freiberger. Als sie dann von Flüchtlingen erfuhr, die nach Deutschland kommen, hatte sich ihr ursprünglicher Plan in Luft aufgelöst. „Mir war sofort klar: Die Wohnung will ich Ukrainern zur Verfügung stellen.“

Über Ralf Müller von der Bad Aiblinger Initiative #JetztHelfen fand sich dann sofort eine Gruppe aus der Ukraine, die dringend Unterschlupf benötigte. „Er rief an und meinte, dass eine Krankenschwester aus der Schön Klinik Verwandte habe, die unterwegs nach Deutschland sind“, so Freiberger. Dann ging alles ganz schnell und nun leben fünf Menschen aus der Ukraine bei der Erzieherin. Und Freiberger macht deutlich: „Ich stelle mich natürlich darauf ein, dass das jetzt erstmal eine ganze Weile so bleiben wird.“

Etwas Englisch und Google-Übersetzer

Da sie ausreichend Wohnraum zur Verfügung habe, könnten nun beide Familien – eine Mutter mit einer 19-jährigen Tochter und einem 6-jährigen Sohn sowie eine Mutter mit einer 14-jährigen Tochter – unter einem Dach leben und sogar etwas Privatsphäre erleben. „Die beiden Familien kochen sehr viel, netterweise auch für mich“, sagt Freiberger über das gut funktionierende Zusammenleben. Die Verständigung laufe über „ein bisschen englisch“ und über den Google-Übersetzer. Doch nach der kurzen Kennenlernphase kam ein erschwerender Faktor hinzu.

Katharina Mälloukia mit ihren Töchtern Sabrina (links) und Melissa.

„Unglücklicherweise bin ich nach wenigen Tagen positiv auf Corona getestet worden“, berichtet die Erzieherin. Auch eine der ukrainischen Mütter sowie ihre Tochter seien infiziert. Mit allen sei Freiberger umgehend zur Teststation gegangen. Nun sind alle in Quarantäne und man versuche sich so gut es geht zu isolieren, damit die noch gesunden Ukrainer auch gesund bleiben.

„Wichtigeres im Kopf, als sich testen zu lassen.“

Für Freiberger ist deshalb klar : „In diesen Momenten geht es ums Helfen und man hat natürlich wichtigeres im Kopf, als sich testen zu lassen.“ Dennoch halte sie es für generell sinnvoll, wenn ankommende Flüchtlinge zunächst getestet werden, bevor sie in einer Unterkunft untergebracht werden. Wenngleich natürlich unklar sei, woher das Virus in ihrem Fall komme.

Doch trotz der Corona-Erschwernisse ist Freiberger glücklich, ihre Hilfe angeboten zu haben. „Ich habe mich nach der ersten Nacht richtig gut gefühlt“, sagt die 57-Jährige. Ihr erster Gedanke nach Ausbruch des Krieges: Was kann ich tun? Und ihre Gäste hätten ohnehin Schreckliches erlebt. Sie seien zu Fuß zur polnischen Grenze gekommen, ihr Wohnraum wurde zerbombt. Ihr einziger Vorteil sei die Verwandtschaft in Deutschland.

Ukrainische Cousine lebt in Bad Aibling

Katharina Mälloukia, Cousine einer der fünf bei Freiberger untergekommenen Ukrainern, lebt seit vier Jahren in mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bad Aibling. Die Krankenschwester ist seit Beginn des Krieges permanent damit beschäftigt, Verwandte und Freunde irgendwie aus dem Kriegsgebiet zu lotsen. „Meine Cousine hat mich aus der Ukraine aus anfangs angerufen und gefragt, wohin sie fliehen soll“, erzählt die 35-Jährige betroffen. Über die Initiative #jetztHelfen habe sie Unterstützung erfahren. Seitdem konnten mit ihrer Hilfe zahlreiche Familien untergebracht werden, etwa in Bruckmühl oder Bad Aibling. „Meine beste Freundin ist auch noch unterwegs“, sagt Mälloukia.

Als sie selbst im Sommer 2021 letztmals ihre Heimat besuchte, sei noch alles in Ordnung gewesen. „Es gab Bars, Restaurants, alles war schön in meinem Heimatland.“ Was in der Ukraine derzeit passiert, „tut mir sehr weh, ich kann es kaum glauben“, so die zweifache Mutter. Die Lage von Deutschland aus mitzuverfolgen, sei für Mälloukia eine „schlimme Situation“. Deshalb setze sie sich dafür ein, zu helfen. Dabei bremse auch Corona die Hilfsbereitschaft nicht. Denn ihre Familie habe sich ebenfalls infiziert und müss nun aus der Quarantäne heraus organisieren.

Wie kann man ukrainische Flüchtlinge beim Thema Corona unterstützen?

Wie sollte man grundsätzlich mit aufgenommenen Flüchtlingen umgehen, wenn der Verdacht auf Corona besteht? Diese Frage stellt sich womöglich zahlreichen Helfern, die Ukraine-Flüchtlingen Wohnraum anbieten. Und klar ist: Auch unter den Geflüchteten sind Tests ein sinnvolles Mittel. Laut Bundesgesundheitsministerium haben auch Geflüchtete einen Anspruch auf einen PoC-Antigen-Test. Für eine Bürgertestung ist ein amtlicher Lichtbildausweis zum Nachweis der Identität vorzulegen. Ein Problem ist, dass insbesondere Kinder aus den Kriegsgebieten häufig keine Ausweisdokumente besitzen.

Angesichts der aktuellen Situation gebietet sich ein pragmatischer Umgang mit den Nachweisanforderungen, schreibt das Ministerium. Eine „unbürokratische Handhabung“ bei Vorlage eines Nachweises, der die Identitätsfeststellung der zu testenden Person zulässt (etwa Führerschein oder ein Dokument auf dem Handy) werde empfohlen.

Nach derzeitiger Rechtslage werden als Impfnachweis grundsätzlich nur Impfungen mit in der EU-zugelassenen Impfstoffen anerkannt. Personen, die im Ausland bereits mit nicht in der EU zugelassenen Covid-19-Impfstoffen geimpft wurden, benötigen gemäß aktueller Rechtslage und unter Berücksichtigung der altersent­sprechenden Impfempfehlungen eine erneute Impfserie mit einem von der EU zugelassenen Impfstoff, um den Impf-Status zu erlangen.