Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Seine Leidenschaft ist das Kugelstoßen

Mit 91 Jahren ist der Bad Aiblinger Sepp Riedl doppelter Deutscher Meister

Sepp Riedl steht in seiner Altersklasse M90 bei so gut wie jedem Wettkampf auf dem Stockerl.
+
Sepp Riedl steht in seiner Altersklasse M90 bei so gut wie jedem Wettkampf auf dem Stockerl.

Der Vorstand des TuS Bad Aibling, Karin Kunze, Klaus Peter Blume und Alexander Westphal, konnte vor Kurzem einen angenehmen Termin wahrnehmen. In Thann besuchten sie, mit einem selbst drapierten Vitalkorb als Präsent gewappnet, Sepp Riedl, den derzeit einzigen deutschen Meister im Verein.

Bad Aibling – Genau genommen ist Riedl sogar doppelter deutscher Meister, und zwar im Diskuswerfen und im Kugelstoßen. In den überregionalen Zeitungen liest man leider nicht so viel von dieser Glanztat. Denn seine Erfolge erzielt er in der Altersgruppe M90, wo die Konkurrenz eher dünn gesät ist. Zu fürchten bräuchte er sie sowieso nicht, denn der rüstige 91-Jährige war sein Leben lang als Leichtathlet aktiv und in allen Altersklassen ein überaus erfolgreicher Werfer.

Die Vorstandsmitglieder erfuhren bei ihrem Besuch, bei dem sie von Ehefrau Martha mit selbst gemachtem Zwetschgendatschi und Schmalznudeln versorgt wurden, viele Anekdoten von Riedl.

Riedl war überregional bekannt

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fachwelt überregional auf den „kraftstrotzenden Bauernbub“ (Zitat aus einer Zeitung von damals) aufmerksam. Er kam in mehreren deutschen Jugendmeisterschaften ganz weit nach vorne: Deutscher Jugendmeister 1948 im Kugelstoßen und Diskuswurf und 1949 im Kugelstoßen. Man verglich ihn bereits mit dem Kugelstoßolympiasieger von 1936 Hans Woellke. Doch die Fahrten zu den Turnieren waren abenteuerlich. Da die Fahrkarte nach Stuttgart über achtzig Mark teuer war, erbat man bei Zuschauern in Bad Aibling Spenden und es kam mehr als genug zusammen. Neben Talent half dem jungen Riedl das regelmäßige Training auf dem heimischen Hof. Durch Stallarbeit bestens aufgewärmt, erzielte er vermutlich die eine oder andere wurftechnische Topleistung im Hinterhof, ohne sie je zu messen. Einmal, so erzählte Riedl mit verschmitztem Lächeln, habe ihn bei einem überregionalen Wettbewerb ein Sportler aus München unter seine Fittiche genommen; dieser empfahl ausführliches Warmlaufen „damit nix reißt“. Riedl war nach dieser, für ihn ungewöhnlichen Vorbereitung, so erschöpft, dass er im Wettkampf fast unterging. Nachträglich vermutet er in dem freundlichen Hauptstädter einen Fan der Konkurrenz.

Weitere Artikel und Nachrichten aus Bad Aibling, Bad Feilnbach, Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham und Tuntenhausen finden Sie hier.

Später hatte er immer weniger Zeit für die Leichtathletik. Sieben Kinder und ein Hof wollten versorgt sein und das passte nicht mehr mit Auftritten in den Stadien überall in der Republik zusammen. Seine Leidenschaft in seiner knapp bemessenen Freizeit galt nun dem Singen. Im bekannten Rosenheimer Ackermann-Chor schaffte Riedl es mit seiner Baritonstimme sogar zum Solisten, der Höhepunkt dieser Zeit war ein Auftritt in New York.

Erst im höheren Alter packte er die Wurfgeräte wieder aus: Bei regionalen und überregionalen Sportfesten steht er seitdem in seiner Altersklasse eigentlich immer auf dem Stockerl – so wie zuletzt in Erding bei der Deutschen.

re/AN

Mehr zum Thema

Kommentare