1,1 Millionen Euro für Moschee – Wie Bruckmühler Familien ihr Herzensprojekt finanzieren

Im Frühjahr soll die Bruckmühler Moschee fertig sein: Darum bemühen sich Vedat Dogan, Ahmet Ördek und Hayati Kaderci (von links) gemeinsam mit 110 türkischstämmigen Bruckmühler Familien.
+
Im Frühjahr soll die Bruckmühler Moschee fertig sein: Darum bemühen sich Vedat Dogan, Ahmet Ördek und Hayati Kaderci (von links) gemeinsam mit 110 türkischstämmigen Bruckmühler Familien.

Das Gebetshaus der muslimischen Gemeinde im Markt Bruckmühl nimmt Gestalt an. Es wird die neue religiöse Heimat für etwa 600 türkischstämmige Bruckmühler sein. Schon im Frühjahr 2021 soll die Moschee eröffnet werden. Die Baukosten betragen 1,1 Millionen Euro.

Bruckmühl – Es ist das größte Projekt, das der Verein türkischer Arbeitnehmer Bruckmühl seit seiner Gründung im Jahr 1977 realisiert. Und es ist das erste Projekt, das die religiöse Ausrichtung des Vereins repräsentiert.

Interessenvertretung der Arbeitnehmer

Sein Name klingt „gewerkschaftlich“. Und tatsächlich wurde der Verein von 43 Jahren vor allem zur Interessenvertreter der türkischen Arbeitnehmer gegründet, die in die Region kamen. „Unsere Väter halfen ihren Landsmännern mit dem Verein dabei, sprachliche Barrieren zu überwinden oder sich mit Ämtern und Gesetzen zurechtzufinden. Damals waren gegenseitige Unterstützung und Integration besonders wichtig“, berichtet Hayati Kaderci (49) vom Vorstand. Heute ist der Verein Teil der Bruckmühler Gesellschaft und nach wie vor ein wichtiges integratives Element.

Das könnte Sie auch interessieren: Bruckmühler Moschee: Muslimische Gemeinde investiert 1,1 Millionen Euro

Die Mitglieder legen großen Wert auf Unabhängigkeit von türkischen Dachverbänden und Vereinen. Das ist in der Satzung verankert. Und auch Politik soll außen vor und die Privatsache jedes Einzelnen bleiben. „Über Politik kann man unterschiedlicher Meinung sein, und das würde das Zusammenleben in unserer kleinen Gemeinde erschweren“, betont Vorsitzender Vedat Dogan: „Deshalb sind im Verein politische Äußerungen nicht erlaubt, denn hier soll sich jeder auf sein Gebet konzentrieren und seinen Glauben in Ruhe praktizieren können.“

Ab dem Frühjahr wird das den Bruckmühler Muslimen erstmals in ihrer eigenen Moschee am Krankenhausweg möglich sein.

Circa 1,1 Millionen Euro müssen sie bis dahin aufbringen. Staatliche Förderungen gibt es nicht, weder von deutscher, noch von türkischer Seite. „Dafür spenden Menschen aus ganz Deutschland – Deutsche und Türken. Und jeder, der spendet, weiß, dass er etwas Gutes tut“, ist Ahmet Ördek (47) dankbar. Er ist der Moscheebeauftragte des Vereins. 440 000 Euro sind in den vergangenen vier Jahren schon zusammengekommen.

Jede Familie finanziert die Moschee mit

Den Rest übernehmen die türkischstämmigen Familien aus Bruckmühl. Zehn Jahre lang wird jede Familie dafür etwa 80 Euro im Monat abgeben. „Das ist machbar“, schätzt Dogan ein, „zumal die Arbeitslosenquote in unserer Gemeinschaft gleich Null ist.“ Der Vereinsvorstand bürgt gegenüber der Bank. „Das ist für uns eine Herzenssache“, erklärt Ördek, „denn wir möchten unseren Glauben hier leben zu können.“

Lesen Sie auch: „Wir wollen Frieden für alle“

Die Angst der Menschen vor radikalen islamischen Einflüssen, können die Vorstandsmitglieder des türkischen Arbeitnehmervereins verstehen. „Uns geht es ganz genauso“, betonen sie. „Aber in unserer kleinen, überschaubaren Gemeinschaft kennt jeder jeden. Unsere Bindung ist sehr eng. Und wir gehen sehr achtsam miteinander um.“

Nächstes Zuckerfest wird wieder gefeiert

Bildung sei dem Verein sehr wichtig. „Schon die Kinder müssen wissen, dass es Gesetze gibt, an die man sich halten muss“, sagt Dogan. Und Ördek betont: „In ihren Basiselementen sind sich alle Religionen ähnlich. Das Schöne in Europa ist die Vielfalt, die wir erleben dürfen – sei es als Christ, Jude oder Muslim.“ Deshalb beteiligt sich der Verein schon seit Jahren an interreligiösen Friedensgebeten. Und deshalb wird auch die Moschee allen Gläubigen offenstehen.

Nachdem in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise auch das Zuckerfest der Muslime nur ganz privat gefeiert werden konnte, freuen sie sich schon auf das nächste Jahr. Dann können sie das Ende des Rhamadan wieder gemeinsam mit ihren Bruckmühler Freunden feiern. Und dann dürfen auch die Kinder – ähnlich wie die Sternsinger – wieder von Haus zu Haus ziehen.

Kommentare