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Investitionen aus eineinhalb Jahren

1,1 Millionen Euro für neue digitale Welt in Staatlicher Berufsschule Bad Aibling

Benedikt Pfob zeigt die Nutzung der neuen Tafel. Links Stefan Olbert, rechts Otto Lederer, der das Ganze mit Interesse verfolgt.
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Benedikt Pfob zeigt die Nutzung der neuen Tafel. Links Stefan Olbert, rechts Otto Lederer, der das Ganze mit Interesse verfolgt.
  • VonWerner Stache
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  • Silvia Mischi
    Silvia Mischi
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Rund 1,1 Millionen Euro flossen in die digitale Infrastruktur der Staatlichen Berufsschule Bad Aibling in den vergangenen eineinhalb Jahren. Grund genug für Landrat Otto Lederer sich die dortige digitale Welt einmal anzuschauen. Schulleiter Jürgen Ersing hieß die Delegation aus Rosenheim am Kompetenzzentrum für Metall- und Bautechnik des Landkreises willkommen.

Bad Aibling – Er betrachte die Unterstützung durch den Landkreis als „eine Riesenwertschätzung“, wie er sagte. Damit zolle man Respekt gegenüber der dualen Ausbildung, aber auch gegenüber den ganzen Firmen im Landkreis.

Mit dieser Investition wurde so einiges angeschafft: 330 neue PCs und Monitore und die Einführung von I-Pad-Klassen. 2020 kam eine flächendeckende WLAN-Infrastruktur hinzu und als Highlight nun 34 neue Digital-Tafeln. „Danke dass sie die berufliche Bildung so toll unterstützen“, meinte Ersing. Für ihn ist der Landkreis Rosenheim bei den Schulinvestitionen stark. „In Oberbayern investieren viele Landkreise erheblich weniger, an die Investitionen im Landkreis Rosenheim kommen nur ganz wenige heran“ so der Leiter.

Neuordnung der Bildungsstätten erfolgreich

Lederer freuten diese Worte: „Wir versuchen seitens des Landkreises das Thema berufliche Bildung ernst zu nehmen und haben deshalb auch vor über zehn Jahren die Neuordnung innerhalb der Berufsschulen im Landkreis in die Wege geleitet.“ Stefan Olbert, Studiendirektor und Beauftragter des Qualitätsmanagements an Berufsschulen in Bayern, leitet das örtliche Team, mit der Schulabteilung im Landratsamt mit Bernhard Tölg an der Spitze.

Auch der stellvertretende Schulleiter, Florian Dietz, stellte das gemeinsame „Anschieben“ heraus. Für Lederer ist die Vernetzung ein ganz entscheidender Faktor. „Wenn das Hand in Hand geht, sind die Gelder gut investiert“, meinte er. Nur Geld auf den Markt werfen und zu glauben, dass damit alles passt, bringe nichts. Doch für Lederer ist die Berufsschule nicht nur bei der Digitalisierung innovativ, auch in anderen Sektoren, wie zuletzt bei der Inklusion. „Digitalisierung ist wichtig, aber ihr habt auch ein Auge auf sozial schwächere, die man auch mitnehmen muss“, meinte der Landrat. Kein Talent dürfe in seinen Augen verloren gehen.

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Wie fortschrittlich die Aiblinger Berufsschule ist, machte Lederer auch daran fest, dass mittlerweile schon Delegationen aus Asien und den USA nach Bad Aibling kamen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Für Ersing ist das aber unabdingbar, denn in seinen Augen werden die Ansprüche, die von Industrie und Handwerk auf die Ausbildung zukommen, immer größer. „Ein Maurer muss heute auch die Statik einer Decke berechnen können, das hat früher in der Ausbildung ein Meister gemacht“ verdeutlichte der Schulleiter die enormen Anforderungen.“ Lederer nannte dazu ein gutes Beispiel: „Ich habe kürzlich mit einem Zimmerer geredet, der einen Gesellen hat, der die Maschine, die der Zimmerer im nächsten Jahr kaufen wird, schon bedienen kann.“ Wie die Entwicklung weitergehen wird, zeigte Ersing auf: „Wir haben heuer das stärkste Jahr in dualen Ausbildungsverträgen, trotz Corona, weil unsere Handwerksbetriebe über die Maßen ausgebildet haben.“

Nahtlose Nutzung unterschiedlichster Quellen

Anschließend ging es dann aber live in einen Unterrichtsraum der Berufsschule. Dort konnten Lederer und Tölg dann mit eigenen Augen die Investition betrachten, insbesondere die Digitalen Tafeln. Sie erlauben, wie Stefan Olbert zeigte, eine nahtlose Nutzung unterschiedlichster Quellen auf einer Oberfläche. Die Rechner seien wichtiger Bestandteil unserer integrierten Fachräume zur Bedienung verschiedenster Maschinen sowie zur Planung, Vorbereitung und Umsetzung von Unterrichtsprojekten. „Wir nutzen die PCs auch zu Recherchezwecken, zum Erlernen von Standardsoftware wie der Office Programme, zur Medienbildung oder für unsere Austauschplattform als Cloudlösung.“

Die Tafeln erlauben eine nahtlose Nutzung verschiedener Quellen auf einer Oberfläche. Neben einer Nutzung als digitale Tafel mit verschiedenen Stiften, Linealen kann über das Display auch der Lehrer-PC gesteuert werden. Damit ist auch jede beliebige Software direkt am Display steuerbar, wodurch die Präsenz der Lehrkraft gegenüber einer Bedienung am PC steigt. Schüler können interaktiv mit der gewohnten Arbeitsumgebung auch an der Tafel arbeiten, gleichzeitig ist die gesamte Klasse ins Unterrichtsgeschehen eingebunden.

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Erstellte Inhalte können gespeichert und zur Wiederholung jederzeit aufgerufen werden, die Bedienung ist intuitiv und fällt auch den Schülern leicht, sie ähnelt anderen touchfähigen Endgeräten. Auch fachspezifische Apps werden je nach beruflicher Abteilung auf den Displays genutzt. In den Lockdown-Phasen konnten viele Schüler von Leih-Tablets profitieren. Ein großer Vorteil in dieser Zeit war, dass wir schon seit über zehn Jahren auf schuleigene Lehrerlaptops setzen.

Schüler können so interaktiv mit der gewohnten Arbeitsumgebung auch an der Tafel arbeiten, und gleichzeitig auch die gesamte Klasse ins Unterrichtsgeschehen einbinden.

Mehrwert durch die neuen Geräte

Kaum mehr ein Betrieb, der nicht auch auf die Möglichkeiten der Fernwartung einer Heizungsanlage setzt. Komplexe Hybridsysteme mehrerer Energiequellen zur Wärmeerzeugung werden intelligent gesteuert und können auf dem Tablet oder dem Smartphone überwacht werden. Aber auch Gewerke im Baubereich tauschen Pläne in der Regel digital aus, CNC-gesteuerte Dreh- und Fräsmaschinen erlauben dem Feinwerkmechaniker, präzisere Teile zu fertigen, et cetera.

Nicht jeder Betrieb kann sich die Investitionen in einen großen Maschinenpark leisten, aber viel Betriebe tun sich zusammen und ein Betrieb nimmt von umliegenden Firmen Aufträge beispielsweise zum Wasserstrahlschneiden an, um die Kapazitäten auszunutzen.

Dennoch: Das traditionelle Handwerk ist neben aller Chancen, die die digitalisierte Berufswelt mit sich bringt, gefragt. Die Auszubildenden aus den Bereichen Maurer und Zimmerer oder auch im Metallbau benötigen zur Ausübung Ihres Berufs weiterhin großes handwerkliches Geschick, müssen anpacken können, zum Teil schwindelfrei sein und mit Handwerkzeugen sicher umgehen können. Aber auch hier bringt der Einsatz digitaler Unterrichtsgeräte, wie Tablets zur Erstellung von Lernvideos im Deutschunterricht, einen Mehrwert.

Staatliche Berufschule Bad Aibling: „Handwerk hat goldenen Boden“

Die Staatliche Berufschule Bad Aibling gibt es seit 149 Jahren. Die massiven Investitionen in den vergangenen Jahren (Umbau) in Bad Aibling sind zugleich ein Bekenntnis zu dem Standort. Schulleiter Jürgen Ersing erläutert im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen die Entwicklung der Bildungsstätte.

Wie sehen Sie die Berufszweige in Bad Aibling vertreten und passt das alle zusammen?

Jürgen Ersing

Jürgen Ersing: Ja, Handwerk hat goldenen Boden und der Mittelstand im Landkreis – genauso auch im industriellen Bereich - braucht weiterhin dringend Fachkräfte. Da passt auch unsere Kooperation mit der Hochschule in den Bereichen Holztechnik und Maschinenbau gut ins Bild.

Wie ist die Aiblinger Bildungsstätte aufgestellt? Was ist top, was fehlt?

Jürgen Ersing: Frühe Unterstützung durch den Landkreis ermöglicht seit vielen Jahre einen hohen technischen Standard, der aber auch gehalten werden will. Die Fördermöglichkeiten durch Bund und Freistaat haben in Sachen Digitalisierung noch einmal einen richtigen Schub gegeben. Diese Mittel verursachen jedoch auch beim Sachaufwandsträger hohen Verwaltungsaufwand und hohes Engagement, ohne das die BS Aibling heute nicht so ausgestattet wäre, wie es aktuell der Fall ist.

Top sind die Schüler, die die Möglichkeiten hier zu schätzen wissen und pfleglich und respektvoll damit umgehen, was auch für unsere Ausbildungsbetriebe spricht. Top sind die Lehrer, die sich den ständig neuen Herausforderungen des technischen Wandels stellen. Top sind die Kommunikation und die Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der erkannt hat, dass es hier komplett andere Anforderungen an die Ausstattung zur Abbildung der beruflichen Wirklichkeit gibt als an anderen Schultypen.

Für uns ist es überlebenswichtig, in vielen Bereichen nicht einer anderswo oft wirtschaftlichen Vereinheitlichung beispielsweise der Serverlandschaft zum Opfer zu fallen, denn Stillstand in solchen sensiblen Bereichen ist für uns häufig gleichbedeutend mit Stillstand des Unterrichts. Die Pflege der digitalen Infrastruktur wird künftig auch mehr Bedarf an IT-Service nach sich ziehen. Hier spüren nicht nur wir, dass es schwierig ist, ausreichend Spezialisten zur Verfügung zu haben.

Wie viele Lehrer und Schüler sind an der Berufsschule?

Jürgen Ersing: 50 Lehrer inklusive der pädagogischen Kräfte der Kooperationspartner und rund 1100 Schüler.

Was ist das Besondere daran?

Jürgen Ersing: Der hohe Grad der Digitalisierung spiegelt die Entwicklungen in vielen Betrieben wider. Stichwort Industrie 4.0: Schülergerechte Projekte in diesem Bereich sind zwar gegenüber einem Fertigungsbetrieb didaktisch reduziert, um einen verständlichen Einstieg in das komplexe Thema zu ermöglichen, benötigen sie jedoch prinzipiell die gleiche digitale Infrastruktur. Diese stellen wir in Kooperation mit Ausbildungsbetrieben und Herstellern zur Verfügung.

Aber auch im Handwerk wird kaum mehr von Hand gezeichnet, sondern mit branchenspezifischer Software konstruiert. Aus den Konstruktionen werden mittels Schnittstellen Maschinenprogramme erstellt und abgearbeitet. Dieser Prozess kann nur in vernetzten Fachräumen umgesetzt werden. Auch allgemeinbildend bereichern der Einsatz von Lern-Apps, die nahtlose Integration von Onlinerecherchemöglichkeiten, digitalen Sprachtrainern oder Geometrieprogrammen den Unterricht von der BIK-Klasse bis zur BS+.

Wer kommt in den Genuss der neuen EDV?

Jürgen Ersing: Prinzipiell alle Schüler sowie alle Lehrkräfte aufgrund der flächendeckend umgesetzten Infrastruktur. Lediglich die Hardwareanforderungen wurden je nach Erfordernissen im Sinne der Wirtschaftlichkeit bei der Konfiguration der Räume berücksichtigt. Aber auch in der Verwaltung bis hin zu den Konferenzräumen haben die Investitionsschübe während der Pandemie unter anderem Onlinesitzungen in vernünftiger Qualität ermöglicht.

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