Ab aufs Feld: Maxlrainer Jungbrauer helfen in der Krise

Unerwarteter Einblick in den Hopfenanbau: Andreas Höhensteiger (rechts) aus Mietraching bei seinem Einsatz auf den Feldern von Hopfenbauer Toni Wittmann in der Hallertau. Wolfgang Schumann
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Unerwarteter Einblick in den Hopfenanbau: Andreas Höhensteiger (rechts) aus Mietraching bei seinem Einsatz auf den Feldern von Hopfenbauer Toni Wittmann in der Hallertau. 

Es ist ein echter Knochenjob, den die Jungbrauer Lukas Stecker und Andreas Höhensteiger derzeit leisten. Ihren Arbeitsplatz in der Schlossbrauerei haben sie mit einem Hopfenfeld in der Hallertau getauscht. Denn dort fehlen aufgrund der Corona-Krise Arbeiter, die beim Hopfenanleiten helfen.

Von Wolfgang Schuhmann

und Eva Lagler

Maxlrain/Holledau – Seit mehreren Jahren bezieht die Schlossbrauerei Maxlrain ihren Hopfen exklusiv von ihrem Hopfenpflanzer Toni Wittmann in der Hallertau. Die Zusammenarbeit ist sehr eng, schließlich ist der Hopfen ein entscheidendes Qualitätsmerkmal für die Maxlrainer Biere.

Doch auch bei den Landwirten hat die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen, denn durch die geschlossenen Grenzen stehen die qualifizierten Arbeiter aus dem benachbarten Ausland plötzlich nicht mehr zur Verfügung. 15 Arbeiter braucht Toni Wittmann, um jetzt die noch kleinen Hopfenpflanzen anzuleiten, das heißt an den Drahtseilen anzubinden. „Zehn meiner bewährten Helfer konnten kurzfristig nicht kommen. Vor allem aus Angst, sich mit Corona anzustecken, oder nach der Rückkehr erstmal in Zwangsquarantäne zu kommen“, sagt Wittmann.

Mit Feuereifer bei der Sache

Nachdem der Maxlrainer Braumeister Josef Kronast von der misslichen Lage erfahren hatte, sprach er mit seinen Jungbrauern Lukas Stecker aus Aschau und Andreas Höhensteiger aus Mietraching, ob diese nicht Toni Wittmann für zwei Wochen auf dem Feld unterstützen könnten.

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„Wir sind voneinander abhängig und Partner. Wir benötigen den guten Hopfen von Toni Wittmann und sind froh, dass wir mit ihm einen Landwirt haben, der uns die von uns gewünschte Qualität liefern kann. Da ist es doch selbstverständlich, dass wir versuchen, zu helfen,“ sagt Josef Kronast. Dr. Erich Prinz von Lobkowicz habe sofort sein Okay gegeben und auch die beiden jungen Männer waren gleich dabei und packten ihre Sachen.

Lukas Stecker aus Aschau.

Muskelkater stellt sich schon am zweiten Tag ein

Auf seinem Hof hat Wittmann für seine Arbeiter extra ein Nebenhaus gebaut und schöne Zimmer eingerichtet, so dass sich diese auch wohlfühlen und abends von der anstrengenden Arbeit erholen können.

Denn eines haben Stecker und Höhensteiger schon in den ersten Tagen festgestellt: „Das ist ein echter Knochenjob.“ Zwar ist auch die Arbeit in der Brauerei körperlich anstrengend – aber etwas ganz anderes, als draußen auf dem Feld und überwiegend am Boden sitzend. „Am zweiten Tag hat sich schon der Muskelkater bemerkbar gemacht“, sagen sie.

Schon eher in die Hallertau als geplant

Eigentlich wollte die Schlossbrauerei Azubis, die Brauer und Mälzer lernen, ab heuer erstmals im Sommer in die Hallertau schicken – zur Hopfenernte. Braumeister Kronast selbst ist mindestens ein- oder zweimal im Jahr bei Wittmann und war auch schon bei der Ernte dabei. Von daher weiß er: „Das ist schon ein echtes Erlebnis, wenn man den Hopfen frisch geerntet schmecken, riechen und fühlen kann.“

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Dass die Maxlrainer Jungbrauer nun schon im Frühjahr zu Wittmann kommen, habe man nicht ahnen können, „Aber vielleicht klappt es ja auch, dass die beiden Ende Juli/Anfang August wieder in die Hallertau fahren und dort dann die Früchte ihrer Arbeit in den Händen halten können“, so Kronast. Wenn Stecker und Höhensteiger am Wochenende zurückkehren, fahren zwei weitere Jungbrauer aus Maxlrain für eine Woche zum Helfen in die Hallertau.

„Aktion dürfte einmalig sein“

Wittmann ist dankbar für die Hilfe: „Ich habe mich sehr gefreut, dass mich die Brauerei unterstützt. Es dürfte einmalig sein, dass eine Brauerei zwei Burschen ihrer Braumannschaft für die Feldarbeit schickt.“

Er ist Optimist, muss aber doch eingestehen: „Das Anleiten des Hopfens ist gar nicht so einfach und sehr anstrengend. Wir fangen morgens um 7 Uhr an. Die ersten zwei oder drei Tage geht das so richtig ins Kreuz und man bekommt einen elendigen Muskelkater. Aber danach gewöhnt sich der Körper daran. Die meisten Helfer auf meinem Feld sind Neulinge und die schaffen am Anfang maximal 50 Prozent im Vergleich zu geübten Kräften. Das heißt, es wird dieses Jahr länger dauern und natürlich damit auch deutlich teurer werden. Für ein Feld wie dieses mit 1,3 Hektar brauchen wir jetzt zwei bis drei Tage, normalerweise geht das in einem Tag.“

Mit den Abstandsregeln ist alles anders

Und wie geht das mit der Abstandsregelung wegen Corona? „Das Corona-Thema kommt erschwerend hinzu. Das ist zwar auf dem Feld kein Thema, weil die Arbeiter sowieso drei Meter Abstand zueinander haben. Normalerweise ist aber das Mittagessen eine gesellige und schöne Zeit. Mit den Abstandsregeln ist alles anders. Ein Nachbar von mir hat einen Partyservice, der uns täglich beliefert. Gegessen wird dann mit Abstand und in Schichten“, so Wittmann

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Das Anleiten der noch kleinen Hopfenpflanzen an die zehn Meter langen Drähte ist der entscheidende Arbeitsschritt für deren Entwicklung. Ende April/Anfang Mai sprießt der Hopfen aus dem Boden. Jede Pflanze hat etwa 50 Triebe. Von diesen werden die drei Kräftigsten und Längsten herausgesucht und am Draht festgebunden. Die übrigen Triebe werden abgeschnitten.

Nach zehn Tagen muss man kontrollieren, ob die Triebe noch fest an den Drähten sind, denn jetzt kann es sehr schnell mit dem Wachstum gehen. „Je nach Wetter wachsen die Triebe in drei Tagen bis zu 20 Zentimeter in die Höhe. Da müssen wir genau kontrollieren, ob die Pflanzen noch an den Seilen sind.“

„Der Hopfen braucht viel Wasser“

„Wie die Ernte wird, können wir jetzt noch nicht absehen. Für Hopfen ist Wärme entscheidend, wie beim Spargel. Aber der Hopfen braucht auch Wasser. Da die Sommer immer trockener werden, habe ich schon vor zehn Jahren eine künstliche Bewässerung angelegt. Sonst hätte ich die letzten Jahre ein großes Problem gehabt,“ erklärt Wittmann. Der Johannistag am 23. Juni gilt nach einer alten Bauernregel als entscheidend, um den Ernteerfolg beurteilen zu können. „Juchhe!“ schreit dann der Hopfen „droben“, sollte er die Gerüsthöhe von zehn Metern erreicht haben.

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