Maria in Brokat gehüllt: In Basilika Tuntenhausen wird jahrhundertealte Tradition gepflegt

Das Schwierigste beim Einkleiden: Zur Gottesmutter hinaufsteigen.
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Das Schwierigste beim Einkleiden: Zur Gottesmutter hinaufsteigen.

Seit dem 17. Jahrhundert wird die Muttergottes am Hochaltar der Wallfahrtskirche zu Tuntenhausen vor Mariä Himmelfahrt in edle Gewänder gehüllt. 23 davon gibt es insgesamt – einige sind schon mehr als 300 Jahre alt. Doch wie wird die Muttergottes angezogen?

Tuntenhausen – Holzgetäfelt und edel wirkt die Sakristei in der Wallfahrtskirche von Tuntenhausen. Welch großartigen Schatz sie aber enthält, bleibt einem auf den ersten Blick verborgen: die 23 Gewänder zum Bekleiden der Muttergottes.

Bruno Bibinger legt den blauen Schleier um die Muttergottes.

Zu Mariä Himmelfahrt, gleichzeitig Patroziniumstag, war es wieder soweit: Die Muttergottes am Hochaltar der Wallfahrtskirche wurde neu eingekleidet. Die Einkleidung ist abhängig vom liturgischen Kalender und seinen bestimmenden Farben Weiß, Rot, Grün, Blau, Violett und Schwarz.

Zeremonie wird seit 17. Jahrhundert gepflegt

„Seit Mitte des 17. Jahrhunderts wird die gut 1,40 Meter große Figur bekleidet“, heißt es in der Wallfahrtsgeschichte des Bistums. Aber auch ohne Kleid ist die Figur der Muttergottes über dem Hochaltar schön anzuschauen. Die seinerzeitigen Baumeister schufen hier ein wahres Prunkwerk, von dem alle Besucher immer wieder angetan sind.

Zum Patroziniumstag wird letzte Hand angelegt.

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Doch nicht nur die Muttergottes wird eingekleidet, auch das Jesuskind auf ihrem Schoß. „An die 15 Mal im Jahr könnte man die Figur einkleiden“, erklärt der nun scheidende Pfarrer Bruno Bibinger. Für ihn war es an Mariä Himmelfahrt des Jahres 2020 die letzte Einkleidung in Tuntenhausen.

Zusammen mit Sakristan Erika Zimmert und deren Mann Horst, der für das Gerüst zuständig ist, schritt er in die Sakristei zu einem weiteren wertvollen Schatz der Basilika: den Prunkgewändern der Muttergottes und dem Jesuskind. „Einige Gewänder sind schon weit über 300 Jahre alt“, klärt Bibinger auf und zeigt die in Schubläden liegenden Gewänder.

Stolz zeigt Erika Zimmert hier ein Gewand für das Jesuskind.

Behutsame Lagerung wertvoller Kleider

Die wertvollen Brokatkleider sollten tunlichst liegend gelagert werden, um Falten und Verwerfungen zu vermeiden. Sogar eigene Schnittmusterbögen gibt es für die Kleider. Zu sehen ist auch ein über 250 Jahre alter Rauchmantel, der unter anderem für Taufen verwendet wird. Bibinger wählte den Mantel für den Patroziniumstag aus und ging damit zurück zum Hochaltar.

Der Pfarrer zeigt eines der ältesten Gewänder.

Es ging hinauf auf die Leiter, vier Meter hoch, von dort auf ein Gerüst und dann begann das Bekleiden. Mit Argusaugen unten von Erika Zimmert verfolgt. „Der Mantel wirft rechts ein wenig Falten“, meint sie. Bibinger korrigiert. „Jetzt passt es! Nur der Kopf des Jesuskindes verdeckt ein wenig die Muttergottes.“ Wieder muss nachjustiert werden.

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Nach einer guten Stunden ist die Zeremonie beendet und Bibinger steigt schweißgebadet von der Leiter. „Pfarrer ist ein Knochenjob“, meint er lächelnd und bedauert ein wenig, dass die Einkleidungszeremonie seine letzte gewesen sein wird. Die Erinnerungen aber bleiben – und der großartige Schatz an alten Gewändern in der Sakristei der Basilika in Tuntenhausen.

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