Mangelnde Beweise: Freispruch

Mit einem Freispruch endete eine Verhandlung vor dem Rosenheimer Schöffengericht für einen 43-jährigen Portugiesen. Eine 36-jährige Aiblingerin hatte ihn beschuldigt, von ihm in dessen Wohnung im Mai 2013 anal vergewaltigt worden zu sein.

Das hatte der gelernte Maurer bestritten.

Bad Aibling/Rosenheim - Vor dem Gericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber berichtete der Mann, dass er mit seinem Freund und Kollegen an diesem Abend ein Fußballspiel seiner heimatlichen Vereine Porto gegen Benfica genossen habe. Anschließend seien sie in eine Aiblinger Bar gegangen, wo sie von der Frau angesprochen wurden. Er selbst habe sie kaum verstanden, weil sein Deutsch nur sehr mangelhaft sei. Er bedurfte auch vor Gericht der Hilfe einer Dolmetscherin.

Hauptsächlich sein Freund habe mit ihr gesprochen und gelegentlich für ihn übersetzt. Die Frau habe sich ihnen förmlich aufgedrängt und sich unaufgefordert zu ihnen ins Auto gesetzt, um danach noch ein anderes Lokal aufzusuchen. Sein Freund habe ihr erklärt, er könne sie nicht nach Bad Aibling zurück bringen. Das sei ihr aber egal gewesen.

Nachdem um diese Zeit kein Lokal mehr geöffnet hatte, habe sein Freund erklärt, er würde ihn nun nach Hause, nach Kolbermoor, fahren. Dort wohnte er in einer Betriebsunterkunft seines Arbeitsgebers.

Nebenklage verweigert Details

Die Frau sei mitgefahren, um bei ihm noch "etwas zu trinken". Dann habe sie ihm Sex gegen Bezahlung angeboten. Das sei ihm zu teuer gewesen, deshalb habe er es abgelehnt.

Sie habe mehrere tausend Euro verlangt, ihm ihre Kontonummer auf eine Visitenkarte geschrieben, mit der zu überweisenden Summe. Dann habe sie an seinem Penis bis zum Erguss hantiert und auch sich selber stimuliert. Er sei nicht darauf eingegangen. Schließlich hätte die 36-Jährige die Wohnung ungehindert verlassen.

Erstaunliches hatte die Frau zu berichten, die als Nebenklägerin auftrat. Sie sagte aus, dass sie sich mit dem Angeklagten im Lokal auf Deutsch und Englisch unterhalten habe. Dass sie von beiden Männern aufgefordert worden sei, mitzukommen und in Kolbermoor der Meinung gewesen wäre, mit dem Angeklagten in eine Disco zu gehen. Dass es sich um die Wohnung des Angeklagten gehandelt habe, sei ihr erst beim Betreten der Wohnung bewusst geworden. Dort habe er sie zu Boden gerissen, trotz heftiger Gegenwehr entkleidet und anal vergewaltigt.

Nähere Details über den Ablauf konnte oder wollte sie nicht von sich geben. Auch auf Nachfrage des Richters waren präzisere Angaben von ihr nicht zu bekommen. Strikt behauptete sie, vom Angeklagten eingeschlossen worden zu sein, und Geld habe er ihr als Schweigegeld für sein Fehlverhalten angeboten. Auf die Nachfrage des Richters, ob denn die notierten 50000 Euro nicht in jedem Fall etwas hoch gegriffen seien, erklärte sie, dass es sich dabei wohl um ein Versehen gehandelt habe.

Der Begleiter des Angeklagten berichtete als Zeuge, dass die Nebenklägerin bereits im Lokal, in dem man sich kennengelernt hatte, sehr aufdringlich gewirkt habe. Dass der Angeklagte mit der Frau Deutsch und Englisch gesprochen hätte schloss er aus. Dieser könne kaum deutsch sprechen, ja selbst sein Portugiesisch sei nicht besonders gut. Des Englischen sei er überhaupt nicht mächtig, Er habe die beiden an der Wohnung seines Freundes abgesetzt, über den Fortgang könne er nichts sagen, weil er umgehend nach Hause gefahren sei.

Die rechtsmedizinische Gutachterin des Landeskriminalamtes, Dr. Christina Grove, bestätigte, dass die Nebenklägerin am Morgen danach Abschürfungen, Kratzer und Blutergüsse aufzuweisen hatte, die von einer körperlichen Auseinandersetzung stammen konnten. Sie erklärte, dass diese Verletzungen relativ frisch gewesen seien. Sie engte diese Aussage auf einen Zeitraum von maximal vier Tagen zurück ein. Die Verletzte habe einen Blutalkoholgehalt von 1,8 Promille gehabt.

Die zweite Gutachterin, Dr. Katharina Mariassy, ebenfalls vom LKA in München, war mit der Untersuchung von DNA an Körper und Kleidung des "Tatopfers" befasst.

Suche nach

DNA-Spuren

Sie berichtete, dass sich im Analbereich der Frau nicht die geringsten fremden DNA-Spuren nachweisen ließen. Wohl aber habe man bis zu fünf verschiedene männliche DNA-Spuren in anderen Bereichen gefunden. Die Aufzeichnung des Mitschnittes eines wirren Anrufes, den die Frau während des Aufenthaltes in der Wohnung des Angeklagten getätigt hatte, vermochte auch keine Aufklärung zu bringen.

Der Angeklagte war niemals vorher straffällig geworden. Dennoch hielt ihn der Staatsanwalt für schuldig. Die nachweislich erlittenen Verletzungen machten für ihn die Aussagen der Nebenklägerin glaubhaft. Er beantragte eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten - ohne Bewährung. Der Vertreter der Nebenklage schloss sich den Ausführungen an.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel, hatte eine Vielzahl von Argumenten für die Unschuld seines Mandanten. Zunächst verwies er auf das Hauptargument: In jedem Fall hätten sich - nach der Schilderung der Frau - in ihrem Analbereich DNA-Spuren befinden müssen. Ihre Beschreibung des Geschehens sei nicht nur unvollständig, sondern auch widersprüchlich und damit falsch. Niemand wisse aus welcher Motivation diese Anzeige ergangen sei. Es gebe dazu wohl Hinweise, darauf einzugehen wolle er sich aber ersparen. Jedenfalls sei die Anzeigeerstatterin unglaubwürdig und deshalb sein Mandant frei zu sprechen.

Das Gericht folgte diesem Antrag. Wie der Verteidiger hielt es die Schilderungen der Angeklagten nicht für überzeugend. Zu widersprüchlich und ungenau waren die Angaben. Vor allem seien Beweise nicht erbracht worden, wo sie möglich waren. Insbesondere weckten die fehlenden DNA-Spuren Zweifel. Ein Freispruch sei deshalb zwingend. au

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