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AKTUELLES INTERVIEW

Lust auf weitere zehn Jahre Echelon

Echelon-Hauptveranstalter Patrick Gallenmüller(rechts) war selbst viele Jahre als DJ Pele auf der ganzen Welt unterwegs – hier in Australien, nur wenige Tage nach dem Echelon 2016. Stationen waren Melbourne, Sydney und Perth. Susanne Gallenmüller

Zehn Jahre Echelon: Was als kleines Festival auf dem früheren US-Areal begann, hat sich zum internationalen Treffpunkt von Künstlern der Elektromusik-Szene entwickelt. Stars wie Robin Schulz, Felix Jaehn, Paul Kalkbrenner oder „Alle Farben“ feierten bereits umjubelte Auftritte in Bad Aibling. Ein Blick hinter die Kulissen mit Hauptveranstalter Patrick Gallenmüller.

Herr Gallenmüller, mittlerweile erwarten Sie jährlich über 20000 Besucher zum Echelon-Festival. Erinnern Sie sich noch an die Anfangszeiten?

Bei der Premiere 2009 hatten wir nur eine Bühne, das Echelon fand an nur einem Tag – einem Sonntag – statt. Wir hatten um die 2500 Besucher. Wir hatten drei Headliner am Start, plus drei DJs aus der Region. Da habe ich noch selber aufgelegt. Im zweiten Jahr haben wir die Fliegerhalle mit dazu genommen und hatten zwei Bühnen. Seither findet das Echelon immer samstags statt. Mittlerweile treten rund 60 Künstler auf fünf Bühnen auf. Im Jahr 2015 kam das „Warm-up“ am Freitag dazu, damit unsere bis zu 3000 Camper auch schon am Vorabend ein Programm haben.

Wie kam die Idee zu dem Festival überhaupt zustande?

Mit 15, 16 Jahren habe ich angefangen aufzulegen und wollte eigentlich immer schon gerne selber mal eine Veranstaltung starten. Ich bin in Bad Aibling aufgewachsen und kannte das frühere US-Camp in erster Linie nur vom Vorbeifahren. Außer bei den Ami-Festen im Juli ist man da ja nie reingekommen. Mittlerweile sind die Amerikaner weg. Das Areal wird viel genutzt und ich dachte mir, der Platz mit Teerfläche und Fliegerhalle, die Lage, die Infrastruktur, die Kulisse mit den Bergen und den Radomen – das gibt viel her, was sich für so eine Veranstaltung eignet. 2009 habe ich dann bei der Stadt Bad Aibling angefragt und so nahm alles seinen Lauf.

Und das gleich mit einem echten Publikumsmagneten auf der Bühne...

Ja, neben Andre Galluzzi und Moobootica hatten wir das Glück, dass Paul Kalkbrenner, der gerade seinen Riesendurchbruch als DJ hatte, bei uns auftrat. Das Wetter hat auch super mitgemacht, die Gäste hatten viel Spaß. Wir haben das Potenzial, weiter zu wachsen, schon im ersten Jahr erkannt.

Seither hatten Sie viele große Namen auf den Bühnen. Robin Schulz, Felix Jaehn, Solomun oder heuer Carl Cox sind Stars der Elektromusik-Szene, die in den angesagtesten Clubs rund um den Globus spielen, teilweise nur einen einzigen Auftritt in Deutschland haben. Wie bekommen Sie die Zusagen von diesen DJs?

Da kommen mir meine Kontakte entgegen. Ich habe selbst schon viel veröffentlicht und produziert, war als DJ Pele auf der ganzen Welt unterwegs und war bei derselben Bookerin wie zum Beispiel Sven Väth. So entstand über die Jahre ein großes Netzwerk mit den Agenturen und DJs.

Aber manche Künstler haben, wie Sie sagen, bis zu 150 Auftritte im Jahr weltweit. Da wird es doch sicher schnell eng im Terminkalender?

Ja, wir konkurrieren mittlerweile mit der ganzen Welt. Der Festivalmarkt ist explodiert, das ist schon oft ein Kampf mit Ellbogen. Wir beobachten natürlich den Markt intensiv. Selber habe ich mein DJ-Dasein schweren Herzens stark zurückgeschraubt, kümmere mich um die Künstlerbuchungen und bin deswegen viel unterwegs. Im Herbst im DJ-Mekka Ibiza und im Oktober in Amsterdam bei „Dance Event“, einer Art Messe über die ganze Stadt verteilt. Dort trifft man wirklich alle.

Ist es Ihnen so gelungen, auch Ihre persönlichen „Wunschkandidaten“ nach Bad Aibling zu holen?

Eigentlich alle – bis auf einen. Aber den Namen nenne ich noch nicht, vielleicht klappt’s ja im nächsten Jahr. Die Vorbereitungen laufen jedenfalls schon. Dieses Mal freue ich mich, dass Carl Cox zu uns kommt. Ihn versuche ich schon seit sechs Jahren zu bekommen. Er lebt in Melbourne und wird heuer seinen einzigen Auftritt in Deutschland bei uns haben. Das ist schon ein Ritterschlag. Er ist ein Künstler der ersten Stunde in der Elektromusik-Szene, etwa vergleichbar bedeutend wie Mick Jagger für die Rockmusik. Auch Solomun, der im vergangenen Jahr bei uns auftrat, ist eine Riesenhausnummer, der etablierteste Undergroundkünstler in der Branche.

Wie erleben Sie diese Stars privat?

Ich habe die Erfahrung gemacht: Je erfolgreicher sie sind, desto entspannter sind sie. Robin Schulz zum Beispiel ist ein supersmarter, sympathischer Typ, der trotz seines Erfolgs am Boden geblieben ist. Paul Kalkbrenner ist weltweit unterwegs, hat ein internationales Management und spielt mittlerweile in derselben Liga wie Robbie Williams. Bei seinem zweiten Echelon-Auftritt 2010 kam er – der Berliner – mit einem FC-Bayern-Bus angefahren, den er sich ausgeliehen hatte und als eigene Künstlerbackstage nutzte. Zum „Zehnjährigen“ kommt er nun zum dritten Mal nach Bad Aibling. Er tritt von 15 bis 17 Uhr auf, danach fliegt er mit dem Helikopter nach München und von dort mit dem Privatflugzeug zum nächsten Auftritt in London.

Viele der Künstler reisen mittlerweile mit großem eigenen Tross an. Um sie gilt es sich genauso zu kümmern wie um die Shuttles für die Besucher, die Gastronomie, die Auflagen, den Auf- und Abbau. Wie steuern Sie das Echelon logistisch?

Wir haben einen festen Produktionsleiter, einen festen Technischen Leiter, mein Vater kümmert sich um die Gastronomie und ich mich um die Künstlerbuchungen. Meine Frau kümmert sich um die Finanzen und die Verträge – da steckt eine Unmenge an Bürokratie dahinter. Beim Auf- und Abbau haben wir eine Kerncrew von circa 15 Leuten. Dazu kommen natürlich noch eine Menge Subunternehmer für Technik, Strom, Gerüstbau. Auch für den Shuttle haben wir heuer aufgrund des Schienenersatzverkehrs eine neue Lösung: Die Busse zum Festival fahren bereits ab dem Bahnhof Rosenheim nach Mietraching.

Gerade in den ersten Jahren gab es Beschwerden über Lärm nicht nur von Anliegern, sondern auch aus Nachbarorten. Wie sieht die Situation hier aus?

Mittlerweile haben wir Erfahrung mit der Anordnung der Bühnen und der Lautsprecher und führen auch Lärmmessungen durch, sodass sich die Beschwerden in Grenzen halten. Für den einen Tag ist, glaube ich, die Toleranz schon da. Und für die Anwohner, die gerne selbst zum Festival kommen, haben wir seit einigen Jahren auch Anwohnertickets zu stark vergünstigten Preisen.

Sie selbst sind seit Donnerstag vor Ort und bringen auf dem Gelände weite Strecken hinter sich. Wie sieht es in dieser Phase mit Schlaf aus?

Schlaf wird von Tag zu Tag weniger, je näher das Echelon rückt. Zwei bis drei Tage vorher sind es vielleicht vier bis fünf Stunden. Am Freitag und Samstag selbst nicht mehr als zwei bis drei Stunden. Und wenn ich auf meine Schrittzähler vom letzten Jahr blicke: Da habe ich einen kleinen Marathon zurückgelegt. Ich laufe hier nonstop von Bühne zu Bühne um den Künstlern Hallo zu sagen und mir alles anzusehen. Da kommt eine Menge zusammen.

Sie sind vier bis fünf Monate pro Jahr unterwegs, organisieren mit Ihren Geschäftspartnern auch das Ikarus-Festival in Memmingen, das „Isle of Summer“ und das Contact-Indoor-Festival in München. Wie kommt man da noch zur Ruhe?

Am besten beim Joggen mit dem Hund. Zum Auflegen komme ich maximal noch zwei bis dreimal pro Jahr. Aber ich mache auch gerne privat noch Musik zu Hause.

Also Kraft tanken bei den Hobbys für die nächsten zehn Jahre Echelon?

Ich habe auf alle Fälle Lust auf die nächsten zehn Jahre.

Interview Eva Lagler

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