„Luftbrücke“ gegen Einsamkeit – Bruckmühler verschicken Briefe an Menschen mit Behinderung

Die Nähmaschinen liefen in diversen SAK-Wohnzimmern heiß – bei Margareta Neuwirth sogar unter „tierischer“ Überwachung.

Der Soziale Arbeitskreis Bruckmühl (SAK) wollte Jubiläum feiern. Seit 30 Jahren kümmert er sich um Menschen mit Behinderung. Doch nun herrscht auch bei den SAKlern totale Flaute. Also ließen sich die Mitglieder etwas einfallen und initiierten eine „Luftbrücke gegen die Einsamkeit“.

Von Torsten Neuwirth

Bruckmühl – Wie in allen Lebensbereichen herrscht auch bei den Bruckmühler BRKlern seit März eine „totale Flaute“ im geselligen Miteinander. Ganz besonders „knabbern“ und hadern die SAK-Mitglieder an den abgesagten Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum, die Anfang April stattfinden sollten. Um dem allumfassenden „Gefühlchaos“ entgegenzuwirken, haben sie nun eine besondere Aktion ins Leben gerufen: eine „Luftbrücke“ gegen die Einsamkeit.

Der Soziale Arbeitskreis Bruckmühl (SAK) kümmert sich seit April 1990 ehrenamtlich um Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung. In all diesen 30 Jahren präsentiert das 20-köpfige Betreuerteam um Leiterin Gabi Sander präsentiert seinen Mitgliedern ein facettenreiches Jahresprogramm mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Aktionen.

Sozialer Kontakt auf Eis gelegt

Dazu zählen allgemeine Treffen, Muttertags-, Faschings- und Weihnachtsfeiern, Sommer- und Herbstfeste, aber auch Sport- und Spaßaktionen sowie Ausflüge. „Sobald der aktuelle Veranstaltungskalender raus ist, geht ein wahrer Run los und die Telefondrähte glühen heiß. Unsere Menschen mit Behinderung wollen aus erster Hand mit News zu den einzelnen Aktionen versorgt werden“, erklärt Gabi Sander.

Doch nun ist das geselligen Miteinander auf Eis gelegt. Nach ihren Aussagen „knabbern“ und hadern die SAK-Mitglieder ganz besonders an den abgesagten Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum Anfang April. Das Sport-Training mit den Fußballern des SV Bruckmühl, der große BRK-Ausflug im Mai, ein Mitgliedertreffen und zwei Lieblingstermine rund um das Bruckmühler Volksfest im Juli fallen ebenfalls ins Wasser.

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Was mit dem legendären Sommerfest bei den Waldheimer Stockschützen Anfang August ist, müssen die weiteren Entwicklungen zeigen. Gleiches gilt für ein SAK-Treffen Mitte September und die große BRK-Schifffahrt auf dem Chiemsee. Die Planungen für letzteres liegen nach Aussage von Sander leider derzeit „im Trockendock“.

Sozialer Kontakt enorm wichtig

„Gerade für Menschen mit Behinderungen ist der soziale Kontakt und das gesellige Miteinander unendlich wichtig. Jeder fiebert den einzelnen Gemeinschaftsaktionen entgegen, die Vorfreude steigt stetig an, und plötzlich steht alles auf Null. Das tut unseren Mitgliedern echt weh, das geht ihnen wirklich ans Herz“, beschreibt die SAK-Chefin die derzeitige Situation. Um diesem „Gefühlchaos“ entgegenzuwirken, hat das SAK-Team die Aktion „Luftbrücke mit Mundschutztüchern“ ins Leben gerufen.

Gesagt, getan: Die Nähmaschinen wurden aus den Kellern und von den Dachböden geholt und liefen dann bei den SAKlerinnen im wahrsten Sinn des Wortes heiß. In sechs Tagen wurden von vier Frauen aus 32 Quadratmetern buntem Stoff und 58 Metern Kordeln mehr als 65 farbenfrohe Mundschutztücher genäht. Doch damit nicht genug: Als i-Tüpfelchen erhielten die Masken bei einer abschließenden „Fließbandaktion im Sander-Garten“ noch durch den jeweiligen Vornamen der SAK-Mitglieder den „individuellen und persönlichen Touch“.

Briefe und Gedichte für den Landkreis

Zusammen mit aufmunternden Gedichtzeilen wurden die aufwendig verzierten Briefcouverts für die „Luftbrückenaktion“ versandt fähig gemacht. Die Zustelladressen decken fast den gesamten Landkreis Rosenheim ab. Die „Luftbrücke“ beginnt im Osten in Prien, geht über den Süden nach Au bei Bad Feilnbach bis in den Westen nach Feldkirchen/Westerham. Das Fazit des engagierten SAK-Teams: „Mit kleinen Geschenken anderen eine große Freude zu bereiten, macht riesigen Spaß.“

Wenige Tage nach dem Start der „Luftbrücke“ hat die SAK-Chefin schon jede Menge Feedback erhalten. „Die Aktion war ein Volltreffer und hat die Menschen mit geistiger und körperlicher Beeinträchtigung gerade in den schweren Corona-Zeiten tief im Herzen berührt. Wir haben so viel Positives und herzliches Feedback erhalten, dies ist wirklich Wahnsinn“, freut sich Sander mit ihrem Team.

Eine Flut an Dankes-Nachrichten

Nach ihrer Darstellung komme eine Dankes-Whats App oder SMS nach der anderen auf diversen I-Phones und Smartphones der Bruckmühler SAKler an. „Die Mitglieder, die mit den modernen Social Medien vertraut sind, senden uns sogar kleine filmische Botschaften zu, während andere wiederum zum Telefon greifen.“

Trotzdem sehnen alle Lockerungen der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen herbei. „Langsam, aber sicher geht es einem an die Nieren. Das normale Leben fehlt einfach“, bringt SAK-Leiterin Gabi Sander die Gefühlslage auf den Punkt.

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