Kampf gegen Corona: Litzldorfer Schafwollspinnerei näht Schutzmasken rund um die Uhr

Unter besonderen Schutzmaßnahmenfertigen Mitarbeiterinnen der Schafwollspinnerei Höfer – hier Annelies Millauer (links) und Martina Hermannsdorfer – derzeit einige tausend Staubschutzmasken für medizinische Einsatzgebiete. Höfer
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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  • Peter Strim
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In der Litzldorfer Schafwollspinnerei Höfer stehen die Nähmaschinen nicht mehr still: Rund um die Uhr stellen die Näherinnen dort jetzt ausnahmslos Schutzmasken aus heimischen Rohstoffen her. Die ersten 1000 Exemplare hat Firmenchef Matthias Höfer verschenkt.

Litzldorf – Matthias Höfer hat nicht lange gefackelt, als im Zuge der Corona-Pandemie klar wurde, dass es an Schutzausrüstungen mangelt. Er hat den Betrieb in seiner Schafwollspinnerei in Litzldorf komplett umgestellt: Wo sonst Teppiche, Janker, Socken und Decken produziert werden, werden nun rund um die Uhr Staubschutzmasken hergestellt, und nichts anderes mehr. Aus drei Millimeter dickem, hochwertigem Schafwollfilz – der Rohstoff kommt von Tieren aus der Region – genäht mit Baumwollstoff unterlegt und Gummiband versehen, reichen sie von der Nasenpartie bis unters Kinn und schließen dicht ab. Ziel ist es, so Höfer, Tröpfchenübertragung damit zu vermeiden.

Tag und Nacht am Prototyp gearbeitet

Tag und Nacht saß Matthias Höfer (35) mit Nadel und Faden in seiner Spinnerei und hat den Prototyp entwickelt, geschlafen hat er kaum. Dann ging es los. „Wir haben weitere Nähmaschinen angeschafft und stellen im Moment rund 150 bis 180 Masken pro Tag her“, sagt der Litzldorfer.

Bei einer österreichischen Firma ließ er eine Stanzform anfertigen, damit die Modelle nicht mit der Schere ausgeschnitten werden müssen. Denn trotz moderner Hilfsmittel ist der Prozess „unbandig aufwendig“, wie Seniorchef Hans Höfer bestätigt.

1000 Masken für dringenden Bedarf verschenkt

Die ersten 1000 Masken hat Matthias Höfer verschenkt: Sie wurden in ein Sammellager des THW gebracht und unmittelbar an medizinischen Einrichtungen mit dringendem Bedarf weitergeleitet. Und auch jetzt werden ihm die Masken, egal wo er hinkommt, regelrecht aus den Händen gerissen.

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Zehn Näherinnen sind aktuell in der Produktion beschäftigt, etliche auch von zuhause aus. „So können wir unsere Leute weiterbeschäftigen, das ist uns auch sehr wichtig“, betont Höfer.

Aus reiner naturbelassener Schafwollelassen sich diese Staubschutzmasken auch nach mehrmaligen Waschen und Auskochen bei 100 Grad Celsius stets wiederverwenden.

„Die Staubschutzmaske lässt sich in der Waschmaschine mit Wollwaschprogramm waschen. Zur Desinfektion ist sie bei 100 Grad Celsius auskochbar. Möglich ist auch eine Behandlung mit Dampf zur Herstellung der Keimfreiheit. Damit ist diese persönliche Schutzausrüstung jederzeit und mehrmals wiederverwendbar“, so Höfer.

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Seit sich die Produktion herumgesprochen hat, können sich die Höfers vor Aufträgen kaum noch retten. „Alle legen sich bei uns mordsmäßig ins Zeug“, sagen sie und versuchen, die Kapazitäten auszubauen.

Eines sei ihnen dabei wichtig: „Uns geht es in keinster Weise darum, in der Krise einen großen Profit zu machen. Wir wollen – wenn die Krise vorbei ist – sagen können, dass wir unseren Beitrag zur Hilfe geleistet haben. Vor allem aber ist es uns auch weiterhin wichtig, besonders Bedürftigen auch weiterhin Masken kostenlos zukommen zu lassen.“

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