Lippertskirchen hält mit „Leonhardi light“ an Tradition fest

Auch in diesen schwierigen Zeit mit Corona und „Lockdown light“ erweisen diese Reiter mit ihren Süddeutschen Kaltblutpferden dem Heiligen Leonhard der Tradition verbunden die Ehre.  Strim
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Auch in diesen schwierigen Zeit mit Corona und „Lockdown light“ erweisen diese Reiter mit ihren Süddeutschen Kaltblutpferden dem Heiligen Leonhard der Tradition verbunden die Ehre. Strim

Auch wenn das Bild auf de Köglwiese an Leonhardi heuer ganz anders als gewohnt war – Corona konnte die Tradition in Lippertskirchen nicht stoppen. Ein besonderer festlicher Akt stand dabei auf dem Programm.

Von Peter Strim

Bad Feilnbach– Der Spruch auf der Standarte der Lippertskirchener Leonhardifahrt „Vor Unglück – Seuche und Gefahr, Sankt Leonhard – das Vieh bewahr!“ hat in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung für den geschichtsträchtigen Wallfahrtsort in der Gemeinde Bad Feilnbach erlangt.

Durch Corona und den behördlich angeordneten „Lockdown light“ mussten zwar die offiziellen Feierlichkeiten mit Wallfahrtsgottesdienst auf der Kög-wiese und die große Umfahrt zu Ehren des legendären Diakons und Abts aus Noblat bei Limoges sowie das gesellige Beisammensein bei einer Nachfeier mit Ehrungen im Bad Feilnbacher Heimgartensaal abgesagt werden. Allerdings gibt es auch in diesen schwierigen und herausfordernden Zeiten eine fest eingeschworene Glaubensgemeinschaft, die zu ihren gelebten Traditionen steht.

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Diese feierte, wie aus einer Überlieferung hervorgeht, zum 280. Male den Schutzheiligen von Ross, Reiter, Fuhrleuten, Rossknechten, Gefangenen und Wöchnerinnen – allerdings erstmals als „Leonhardi light“.

Unter Einhaltung der geltenden Abstands-, Masken- und weiteren Hygieneregeln fand ein Wortgottesdienst mit Verzicht auf Begleitung der Musikkapelle Bad Feilnbach vor dem Leichenhaus am gemeindlichen Friedhof in Lippertskirchen statt. Bei bestem Herbstwetter nahmen dort die Abordnungen der örtlichen Fahnenvereine Aufstellung. Treu dem guten Brauch gesellten sich einige wenige Rosserer mit ihren Pferden – Süddeutsches Kaltblut, Haflinger und Ponys – mit ausreichend Abstand zu der Glaubensgemeinschaft.

Bedeutender Programmpunkt am Schluss der Messfeier war die offizielle Übergabe der Leonhardistandarte an die Kirchenstiftung der Pfarrei Herz Jesu Bad Feilnbach.

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Wie Rupert Lienert, Archivar der Pfarrei, in der von ihm verfassten Broschüre „Die Leonhardifahrt in Lippertskirchen“ festgehalten hat, hatte der „Feichtn-bauer“ Josef Schlemer aus dem Bad Feilnbacher Ortsteil „Bichl“ 1926 die „Lippertskirchener Standarte“ auf eigene Kosten anfertigen lassen. 1927 trug der Stifter das Prunkstück erstmals als Vorreiter. Die Zierde der Lippertskirchener Leonhardifahrer ist ein quadratisches Banner mit kunstvoll aufgemalten Bildern des Heiligen Leonhard auf der einen und der Wallfahrtskirche „Maria Morgenstern“ und stilisiertem Wappen der „Diepertskirchner“ auf der Rückseite.

Die Vorreiter mit der Standarte

Die Standarte mit Banner und Schwenkel befand sich bis zuletzt gesichert verwahrt bei Alois Kolb in Bichl. Ab 1947 wurden mit der Wiederaufnahme der Leonhardifahrten vertrauensvolle Vorreiter zum Tragen der Standarte gewählt. Dazu gehörten Michael Millauer, Georg Stadler, Alois Kolb senior, Georg Vogt, Klaus Bernrieder, Martin Rauscher, Engelbert Dialler senior, Lenz Müllauer und seit 1986 bis zum heutigen Tage Engelbert Dialler junior.

Prunkstück 2018 renoviert

In die Jahre gekommen, bedurfte das Prunkstück einer gründlichen Renovierung, für die 2018 der damalige Kirchenpfleger der Pfarrei Herz Jesu, Erwin Hanger, die Fahnenstickerei Jaeschke in Engelsberg beauftragte. Frischen Glanz erhielten ebenso Banner und Schwengel; auch der Flaggenstock wurde erneuert. Die Kosten der gelungenen Arbeit beliefen sich auf insgesamt 1771 Euro.

Die Standarte ist nun offiziell Eigentum der Kirchenstiftung. Sie soll in der Ludwigstube im Heimgarten in einem Schrank ihren festen Platz finden und ausschließlich zum „Lehards“ herausgeholt werden – und, so wie alle hoffen, vielleicht im kommenden Jahr ohne Pandemie wieder eine große Umfahrt anführen.

Seit 1926 befand sich die Standarte im Haus der Feichtnbauer zu Bichl, hier Alois Kolb (links)
Der Leonhardiausschuss mit Michael Kriechbaumer (links), Pfarrer Ernst Kögler (Zwei von links), Lenz Müllauer (Zweiter rechts) und Kaspar Kirchberger (rechts) übernimmt für die Kirchenstiftung Herz Jesu Bad Feilnbach die Leonhardistandarte von Alois Kolb (Mitte).

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