Coronavirenschleuder oder nicht?

Lieber Schule mit Maske: Für Heufelder Schüler ist Homeschooling die schlechtere Alternative

Bewegung auch mal ohne Maske. Das ist im Schulsport in der riesigen Dreifachturnhalle in Heufeld erlaubt. Beim Frantic-Spiel versuchen die Kinder der Klasse 3/4d, die Bälle möglichst lange in der Luft zu halten. Und wie es aussieht, gelingt ihnen das auch ganz gut.
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Bewegung auch mal ohne Maske. Das ist im Schulsport in der riesigen Dreifachturnhalle in Heufeld erlaubt. Beim Frantic-Spiel versuchen die Kinder der Klasse 3/4d, die Bälle möglichst lange in der Luft zu halten. Und wie es aussieht, gelingt ihnen das auch ganz gut.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Seit Beginn der Corona-Krise bricht auch die Diskussion über die Schulen nicht ab. Sind sie „Virenschleudern“ oder nicht? Ist es zumutbar, dass die Kinder den ganzen Tag lang Maske tragen? Und wann beginnen denn nun die Weihnachtsferien? Wir haben in Bruckmühl nachgefragt.

Bruckmühl – Schüler, Eltern und Pädagogen der Justus-von-Liebig-Grund- und Mittelschule Heufeld schildern, wie sie mit den Corona-Regeln und -unsicherheiten umgehen.

Jede Woche ein neuer Stundenplan

„Wann auch immer die Ferien beginnen, wichtig ist eine klare Info, damit wir planen können“, sagt Konrektorin Ursula Sontheim. Sie ist die Herrin über die Heufelder Stundenpläne. Einen pro Woche macht sie für die 500 Schüler in 24 Klassen mindestens, manchmal sogar drei. Die Klassen bleiben in festen Gruppen. Evangelische und katholische Religion sowie Ethik werden jetzt im Wechsel unterrichtet. Auch Sportunterricht haben Jungs und Mädchen nicht mehr getrennt, sondern gemeinsam. Nur so reicht die „Personaldecke“ aus, um den Unterricht zu sichern.

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In den nächsten Tagen kommen die ersten Prüfungen hinzu. Wieder eine neue Situation, die mit eigenem Hygienekonzept und vorhandenen Räumen gelöst werden muss. „Zum Glück sind unsere Pädagogen flexibel. Doch sobald auch nur einer krank wird, bricht das System zusammen“, macht Sontheim die angespannte Situation klar. Ihr ist es wichtig, den Eltern Sicherheit zu geben, damit sie ihrer Arbeit nachgehen können. Doch auf viele Fragen, wie die nach einer möglichen Notbetreuung in den verlängerten Ferien, hat auch sie erst eine Antwort, wenn sie die Weisungen des Kultusministeriums bekommt.

In Quarantäne sehnt man sich nach Schule

Max Moser ist Ganztagsschüler. Er trägt seine Maske von 7.30 bis 16 Uhr. Trotzdem findet er Schule allemal besser als Homeschooling oder Quarantäne.

Einer, der gar keine zusätzlichen Ferien will, ist Maximilian Moser. Der Zehnjährige durfte nach zwei Wochen gerade erst wieder in die Schule zurück. Seine 5bG war die dritte Klasse in Heufeld, die wegen eines positiv getesteten Schülers in Quarantäne musste. „Ich durfte überhaupt nicht raus“, erzählt Max. Nur Kater Schimo leistete ihm Gesellschaft. Die Eltern mussten arbeiten. Mit der Oma, die im gleichen Haus wohnt, stand Max nur telefonisch im Kontakt, „denn ich wusste ja nicht, ob ich ansteckend bin“, erklärt er voller Verständnis.

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6 Uhr ging es für ihn raus aus den Federn, ab 8 Uhr an die Schulaufgaben. „Schön war das so allein nicht. In der Schule lernt man tausendmal besser“, sagt er. Und das, obwohl Max ein Ganztagsschüler ist und seine Maske von 7.30 bis 16 Uhr und zusätzlich noch im Schulbus trägt.

Durchzug in Maskenpausen

Wie ihm geht es auch den Schülern von Alexandra Link aus der 7bG. „Sie schlagen sich gut“, ist sie stolz auf ihre Truppe. „Sie sind dankbar, dass sie in die Schule dürfen und fordern ihre Maskenpausen auch selbst ein.“ Dann streifen sich die Schüler ihre Jacken über, es werden Fenster und Türen aufgerissen und die Masken dürfen abgenommen werden. 25 Schüler sitzen in der 7bG. Da ist es eng im Klassenzimmer. Doch eine Alternative gibt es nicht, denn für kleinere Klassen bräuchten die Heufelder doppelt so viele Lehrer und Räume.

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„Die Kinder tragen ihre Masken schon ganz selbstverständlich“, beobachtet Grundschullehrerin Meike Tawfik bei ihren 23 Zweitklässlern. Manchmal müsse sie sie in den Pausen an der frischen Luft sogar daran erinnern, dass sie die Maske abnehmen dürfen.

Leistung verdient Respekt

Ob Homeschooling oder Frontalunterricht mit Maske besser ist, beantworten Lehrer und Schülern eindeutig: Schule natürlich! Denn: „Man unterrichtet ganz anders, wenn man auf die Kinder reagieren kann. Und sie können ihre Fragen direkt stellen“, sagt Rektorin Arabella Quiram: „Und obwohl es auch Kollegen gibt, die Angst davor haben, das Coronavirus mit nach Hause zu besonders gefährdeten Angehörigen zu nehmen, stellen sich alle der Herausforderung und machen einen tollen Job. Das verdient Respekt.“

Und was sagen die Eltern dazu?

Claudia Scholl aus Bruckmühl: „Wir haben fünf Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren, die Kindergarten, Grundschule und Gymnasium besuchen. Ich finde es gut, dass die Kinder auch im Unterricht Maske tragen, denn jeder könnte das Virus mit nach Hause bringen. Die Kinder haben sich daran gewöhnt. Für den Lernerfolg der Kinder ist die Schule wichtig. Unsere Großen sind am Gymnasium in Klassen mit 31 Schülern. Da fände ich Hybridunterricht besser, also A- und B-Gruppen an verschiedenen Wochentagen.

Daniela Moser aus Bruckmühl: Mir ist es sehr wichtig, dass die Kinder so lange wie möglich in die Schule gehen können, sie haben schon so viel versäumt in diesem Jahr. Dass die Ferien verlängert und die Corona-Regeln zu Weihnachten gelockert werden, finde ich nicht gut, denn ich befürchte, dass danach die Zahl der Infizierten wieder in die Höhe schnellt und die Kinder wieder ins Homeschooling müssen.

Stefan Gaube aus Bad Aibling: Ich sehe die Verlängerung der Ferien als problematisch an, vor allem für die Abschlussklassen. Ihnen fehlt dadurch wieder wichtige Vorbereitungszeit für die Prüfungen, und die werden aufgrund der Corona-Krise nicht einfacher. Vielmehr werden ihre Leistungen dann mit denen von Vor-Corona-Absolventen verglichen. Und das ist nicht fair. Für mich sind die Schüler die Leidtragenden dieser Entscheidung.

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