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„Die Stimmung soll besser werden“

Letztes Amtsjahr für Feldkirchens Bürgermeister Hans Schaberl: Das will er noch erreichen

Bürgermeister Hans Schaberl ist noch 15 Monate im Amt. Für die Gemeinde und seinen Nachfolger möchte er noch ein paar Weichen stellen – unter anderem für die Dorfplatzgestaltung und die Kinderbetreuung.
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Bürgermeister Hans Schaberl ist noch 15 Monate im Amt. Für die Gemeinde und seinen Nachfolger möchte er noch ein paar Weichen stellen – unter anderem für die Dorfplatzgestaltung und die Kinderbetreuung.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Feldkirchens Bürgermeister Hans Schaberl darf bei den Neuwahlen im März 2023 nicht noch einmal antreten, daher ist 2022 sein letztes Jahr im Amt. Im Interview verrät er seine Pläne.

Feldkirchen/Westerham – Das Jahr 2022 ist das letzte Amtsjahr für Feldkirchens Bürgermeister Hans Schaberl. Bei den Neuwahlen im März 2023 kann er im Alter von dann 67 Jahren nicht noch einmal antreten. Doch er würde es wieder tun, wäre er bei besserer Gesundheit, auch wenn ihn die beiden Corona-Jahre arg gebeutelt haben. Was er für seine Gemeinde in den verbleibenden 15 Monaten noch erreichen will, erklärt er im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Herr Schaberl, was wünschen Sie sich im neuen Jahr ganz besonders?

Hans Schaberl: Dass die Stimmung in unserer Gemeinde wieder besser wird. Ich bin kein Mensch, der gern streitet. Die letzten Monate haben mir sehr zu schaffen gemacht, seelisch und gesundheitlich zugesetzt.

Wo sehen Sie die Ursachen dafür?

Schaberl: Ich hätte mir gewünscht, dass sich der neue Gemeinderat und die Verwaltung nach den Wahlen im März 2020 hätten besser kennenlernen können. Um Abläufe und Spielregeln zu verstehen, um Verständnis füreinander zu haben. Corona hat verhindert, dass wir zu Klausurtagungen zusammenkommen und Dinge ausführlich erklären konnten.

Hat das für alle spürbare Misstrauen des Gemeinderates nicht auch andere Ursachen?

Hans Schaberl: Ich bin enttäuscht, dass manche Leute meinen, ich hätte etwas vertuschen wollen. Ich habe Gut Irnberg aufgebaut. Das ist mein Lebenswerk und das meiner Frau. Wenn etwas kaputt war, wurde es gerichtet. Immer mit dem Wissen darum, dass Landwirtschaft privilegiert ist. Mit diesem historisch gewachsenen Selbstverständnis sind auch meine Kinder aufgewachsen und haben es verinnerlicht. Die Gesetze sind heute komplizierter. Ich habe einen Fehler gemacht. Der hängt mir nach. Aber ich habe nichts vertuscht. Die Schwarzbauten sind Geschichte. Alle sechs Bauanträge wurden vom Landratsamt genehmigt.

Und der Alleingang am Lindenweg?

Schaberl: Da habe ich nach unserer Geschäftsordnung und dem Baugesetz nichts verkehrt gemacht. Die Aussage der Genehmigungsbehörde, also des Landratsamtes, war ganz klar: Der Bau ist genehmigungsfähig.

Wie konnte es passieren, dass Sie Leistungsphasen für die Planung einer neuen Grundschule ohne Gemeinderatsbeschluss vergeben haben?

Schaberl: Die Bürger haben mir das Vertrauen geschenkt, als ihr Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde zu lenken. Ich bin passionierter Land- und Forstwirt, kenne die Entwicklung der Gemeinde seit meiner Kindheit. Ich habe mich dieser neuen Herausforderung gestellt und dafür auch viele Weiterbildungen besucht.

Trotzdem kann ich mir in dieser kurzen Zeit nicht das Fachwissen aneignen, dass ein Verwaltungsfachangestellter oder Baurechtler hat. Also vertraue ich auf die Verwaltung. Wenn ich den Auftrag erteile, für die Zukunft unserer Grundschule und die Ganztagsbetreuung ab 2026 Lösungsansätze in einem Arbeitspapier darzustellen, verlasse ich mich auf meine Mitarbeiter.

Und wenn mir die Unterschriftenmappe vorgelegt wird, habe ich Vertrauen, dass alles passt. Und so habe ich nicht überschaut, dass ich einen Auftrag für die Leistungsphasen I und II der Honorarordnung für Architekten unterschrieben habe. Wir konnten uns mit den Planern einigen und den Vertrag stornieren. Die Studie hat 25 000 Euro gekostet, war also im Rahmen der Haushaltsbeschlüsse von Gemeinderat und Grundschulverband. Trotzdem bleibt auch an mir noch der Fehler hängen, dass im Schulverband eine freie Vergabe nur bis zu einer Summe von 10 000 Euro erfolgen darf. Diesen Fehler muss ich korrigieren.

Warum haben Sie nicht öffentlich erklärt, dass Sie von der Verwaltung getäuscht wurden?

Schaberl: Ich glaube nicht, dass das eine bewusste Täuschung war. So negativ möchte ich nicht denken. Menschen machen Fehler und sollen auch die Möglichkeit haben, diese aufzuarbeiten. Ich bin kein Mensch, der andere in die Pfanne haut. Als Bürgermeister halte ich für meine Verwaltung den Kopf hin. Das gehört dazu. Aber natürlich darf ich auch nicht zu sehr vertrauen und alles unterschreiben.

Wird dieser Fehler keine Konsequenzen haben? Immerhin prüft die Rechtsaufsichtsbehörde den Vorgang.

Schaberl: Fehler passieren. Vor allem dann, wenn ein Mensch etwas im Alleingang macht. Wir werden Grundschule, Stadtentwicklungskonzept und Städtebauförderung in gute Hände legen. Zudem wollen wir unser Bauamt umstrukturieren. Künftig gilt ein Viele-Augen-Prinzip, müssen Techniker, Planer, Baurechtler und Verwaltungsfachangestellte prüfen, was unterschriftsreif ist. So etwas darf nicht wieder passieren.

Die Abrechnung des Feuerwehranbaus und des Bauhofes lassen aber vermuten, dass auch in der Kämmerei einiges schiefgelaufen ist.

Schaberl: Wir hatten in den vergangenen Jahren viele Wechsel und Vakanzen in der Verwaltung. Uns sind exzellente, erfahrene Leute aus den verschiedensten Gründen weggebrochen. Wir haben das Schiff trotzdem auf Kurs gehalten.

Nach dem Weggang unseres Kämmerers in 2021 lief zugegebenermaßen einiges auf Zuruf. Da sind Fehler passiert. Seit ein paar Monaten haben wir eine neue Kämmerin. Sie arbeitet alles auf, bringt wieder Ordnung in die Geschäfte, legt neue Regeln fest. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich sehe unsere Verwaltung als eine große Familie an, in der man füreinander da ist. Den Mitarbeitern im Rathaus und in allen gemeindlichen Einrichtungen möchte ich für das engagierte Miteinander aufs Herzlichste danken.

Welche Schwerpunktthemen stehen jetzt an? Und welche sind besonders schwierig?

Schaberl: Die Neugestaltung des Dorfplatzes in Feldkirchen. Jeder Mensch wünscht sich ein lebendiges Ortszentrum. Das kann es aber nur dort geben, wo Begegnungen möglich sind. Für mich ist das Ensemble aus Bücherei, Volkshochschule, Bistro und neu gestaltetem Spielplatz eine einmalige Chance für Feldkirchen. Ich hoffe sehr, dass wir die nicht verspielen.

Seit 2012 – also schon weit vor meiner Zeit – hat der Gemeinderat dazu mehrheitliche Beschlüsse gefasst. Das Projekt ist in vielen Schritten entworfen und modifiziert worden. Die Bürger wurden beteiligt, auch wenn heute anderes behauptet wird. Wir binden sie nun erneut ein. Da es aufgrund der Corona-Pandemie nicht anders möglich ist, findet am 10. Februar eine digitale Bürgerversammlung statt. Und ich hoffe, dass der Gemeinderat danach entscheidet, dass wir weitermachen und die Leistungen ausschreiben.

Sie sind noch 15 Monate als Bürgermeister im Amt. Was wollen Sie in der kurzen Zeit noch anschieben?

Schaberl: Es liegt mir am Herzen, dass das Projekt Dorfplatz nicht stirbt. Ich möchte für unsere Kinder vorsorgen. Die Geburtenzahlen in der Gemeinde steigen und der Zuzug aus München ist nicht zu unterschätzen. Ich bin glücklich darüber, wie gut die Planungen für die Kita am Mareisring laufen. Es wäre mir ein Herzenswunsch, dass in diesem Jahr das Kellergeschoss fertig wird. Und auch wenn meine Intention, die Weichen für eine vierzügige Grundschule und die Ganztagsbetreuung zu stellen, im ersten Anlauf schiefgegangen ist, geht es weiter. Vor-Ort-Begehungen von Gemeinderat und Grundschulverband sind geplant. Die Möglichkeiten des Umbaus der Grundschule werden gerade geprüft. Darauf kann mein Nachfolger aufbauen.

Ich hoffe, dass der Landkreis endlich den neuen Wertsoffhof baut. Das Grundstück dafür hat die Gemeinde Feldkirchen-Westerham schon lange gekauft. Für die Sanierung der Aiblinger Straße sollen im Gemeinderat Plan A und B gleichermaßen geprüft werden. Mit dem Hochwasserschutzprojekt im Abschnitt K schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass unser Wohnbauprojekt „Flurnummer 84“ umgesetzt werden und sich Feldkirchen entwickeln kann.

Würden Sie noch einmal als Bürgermeister kandidieren, wenn sie im Februar 2023 nicht schon 67 Jahre alt würden?

Schaberl: Da ich mit unserer Gemeinde seit meiner Geburt eng verbunden bin, würde mein Herz sagen: Ja, auf jeden Fall. Meine Vernunft aber würde mahnen: Das kannst Du Deiner Gesundheit nicht antun. Dafür bist Du viel zu angeschlagen. Da die Option nicht besteht, muss ich mich zum Glück nicht entscheiden.

Was ersehnen Sie in diesem Jahr ganz besonders?

Schaberl: Ich hoffe, dass unsere gemütliche Wiesn und das 100-jährige Gründungsfest der Neuburgler Vagen stattfinden, damit wir uns endlich wieder treffen können. Und ich wünsche mir, dass die Bürger unsere Gemeinde bald wieder nur noch schöne Dinge erzählen können.

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