Bestattungskultur

Letzte Ruhe im Idyll: Bad Feilnbach und der erweiterte Gedenkwald am Auer Friedhof

Der Gedenkwald am Auer Friedhof aus der Vogelperspektive.
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Der Gedenkwald am Auer Friedhof aus der Vogelperspektive.

Sterben, Tod und Trauer: So beständig das Thema Tod die Menschen begleitet, so beständig verändert sich auch die Bestattungskultur. Auch in der Region.

von Konrad Kriechbaumer

Bad Feilnbach – Seit einigen Jahren werden auch in Bad Feilnbach alternative Bestattungsformen vermehrt nachgefragt. Pflegefreie Urnengräber erfüllen viele Bedürfnisse von Trauerenden: Einen Platz zum Trauern zu haben, ohne die Verpflichtungen, die eine klassische Grabstätte mit sich bringt.

Pilotprojekt zieht weite Kreise

Vor gut zehn Jahren startete die Gemeinde Bad Feilnbach zusammen mit der Firma Gedenkwald aus Rosenheim ein Pilotprojekt auf dem Friedhof in Au. Das Ziel: naturnahe Urnenbestattungen unter Bäumen, an Felsen oder auf der Wiese. Ein Angebot, das so gut angenommen wird, dass in diesem Jahr die 6800 Quadratmeter große Erweiterung des Friedhofs in Au eingeweiht und damit das Angebot an alternativen Bestattungsmöglichkeiten nochmals vergrößert wurde.

Naturnahe Bestattungen

Auf rund 4400 Quadratmetern können nun naturnahe Bestattungen angeboten werden. Nach dem Spatenstich dauerte es nur wenige Monate bis der neue Teil des Friedhofs eröffnet werden konnte – aufgrund der Coronapandemie in kleinem, aber sehr würdigen Rahmen.

Dabei lobten Michael Hartl und Stephan Rüttenauer von der Firma „Gedenkwald“ ebenso wie Bürgermeister Anton Wallner die hervorragende, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.

Die Gemeinde als Träger des Friedhofs hatte die Friedhofsexperten mit der Planung, Gestaltung, Umsetzung und Betreuung der Friedhofserweiterung. Daraus entstanden ist ein Gelände mit Wasserläufen, einem Teich, Blumenrabatten und einem großen Pavillon, das mehr an einen Park als an einen klassischen Friedhof erinnert.

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Bereits von Beginn an wurden auch dort die alternativen Bestattungen gut angenommen. Projektleiter Rüttenauer erklärt, warum: „Das Thema Grabpflege ist einer der Hauptgründe, warum sich viele Menschen über alternative Bestattungsformen Gedanken machen. In den Trauer- oder Vorsorgegesprächen hören wir oft, dass die aktuellen Familienstrukturen eine Grabpflege erschweren. Die Kinder ziehe es oft in die Ferne, den Älteren werde die Pflege der Grabstätte mit der Zeit zu anstrengend und zu aufwändig“, so der gelernte Forsttechniker.

Doch: „Im Trauerfall hat jeder Mensch das Bedürfnis nach einem Ort, den er aufsuchen kann, um Abschied zu nehmen oder sich an einen geliebten Menschen zu erinnern. Allerdings wünschen sich auch viele Trauerende, losgelöst zu sein von den Pflichten und Bräuchen, aber auch von den Kosten, die mit einer traditionellen Grabstätte verbunden sind“, erläutert der Friedhofsexperte.

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Die Trauerfeier kann individuell nach den Wünschen der Angehörigen gestaltet werden. „Mit dem gesellschaftlichen Wandel geht auch der Wandel von religiösen Ansichten einher. Immer mehr Trauerfeiern finden in einem weltlichen Rahmen, meist in Begleitung eines Trauerredners statt“, beschreibt Rüttenauer. Dabei würden alteingesessene Traditionen und Riten verändert oder auch weggelassen. Der Grund: „Die Angehörigen suchen einen individuell auf den Verstorbenen zugeschnittenen Rahmen. Der Bestattungsort und -platz soll das Leben des Verstorbenen in bester Weise widerspiegeln.“

Individuelle Kennzeichnung

Im Gedenkwald werden alle Grabstätten mit dem Namen des Verstorbenen individuell gekennzeichnet. „Damit hat der Verstorbene auch über den Tod hinaus einen Namen und ein Gesicht und die Angehörigen einen Platz zum Trauern und Gedenken“, so Rüttenauer. Von einer anonymen Bestattung halten Michael Hartl und Stephan Rüttenauer indes nicht viel: „In vielen Kommunen versteht man unter einer anonymen Bestattung, dass die Beisetzung der Urne meist ohne Angehörige stattfindet, die Kennzeichnung der Grabstätte mit den Daten des Verstorbenen erfolgt in der Regel nicht.“ Nach den Erfahrungen der beiden ist die Bestattung an sich jedoch ein wichtiges Element zur Verarbeitung der Trauer. „Können oder dürfen die Angehörigen bei diesem Ritual nicht zugegen sein, fehlt ihnen ein wichtiger Teil der Trauerarbeit“.

Die Gemeinde und ihre alternativen Bestattungsformen

Die Gemeinde Bad Feilnbach hat die Weichen schon früh gestellt, um auf die Änderungen in der Bestattungskultur zu reagieren. Dies schlägt sich auch in der großen Nachfrage – auch über den Landkreis Rosenheim hinaus – nach den verschiedenen Formen der Bestattung nieder. Im Auer Friedhof gibt es neben den konventionellen Bestattungen seit vielen Jahren bereits das Modell des Gedenkwaldes, in dem Urnen an einzelnen oder an Gemeinschaftsbäumen oder Felssteinen beigesetzt werden können, die mit Namensschildern versehen sind. Die große Nachfrage führte letztlich dazu, dass der Friedhof nun um das neue Gedenkwald-Areal erweitert wurde. In der großen, parkähnlich gestalteten Anlage sind in den verschiedenen Themenfeldern Bestattungen am Wasser ebenso möglich wie in der Wiese (Gartenbestattung), am Felsen, am Rosenstock oder zu Füßen des Kreuzes. Auch ein Kindergrabfeld gibt es.

Nachempfunden ist die Anlage laut Stephan Rüttenauer einer subalpinen Landschaft mit Felsen und der „Quelle“ des Bachlaufs, der über einen „Bergsee“ bis hinunter ins Tal zu einer „Auenlandschaft“ führt.

Am Lippertskirchner Friedhof hingegen bietet die Gemeinde auf der sogenannten Sonnbichlwiese die Möglichkeit der anonymen Bestattung. Dort werden die Grabstätten weder mit Namen noch mit Gedenkzeichen wie Grabmal oder Kreuz gekennzeichnet.

Von Trauerpost bis zum Steinmandl

Die Möglichkeit zur Trauerarbeit ist eine wichtige Komponente im Gedenkwald in Au. Nicht nur, dass die 15 auf 15 Zentimeter großen Namensschilder aus Bronze oder Holz an den Grabstätten (im Kindergräberfeld in Form von Schmetterlingen) individuell gestaltet werden können. An dem filigranen Eisenpavillon im Mittelpunkt der Anlage kann die Urne zum letzten Gruß für die Angehörigen und Freunde aufgebahrt werden.

Es gibt eine Schiefertafel, an der Angehörige etwas schreiben oder zeichnen können. In einen Trauerpostkasten können Briefe eingeworfen werden, die zu Ostern dem Osterfeuer übergeben werden. Auch werden zum Teil Steinmännchen gebaut. Zu Allerheiligen wird Trauerbegleiterin Sabine Eder eine Gedenkfeier für die angemeldeten Gäste halten, vor Weihnachten ist eine kirchliche Lesung mit der evangelischen Pfarrerin Katharina Rigo und musikalischer Gestaltung geplant.

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