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Was Jugendliche jetzt brauchen

Leiterin des Bad Aiblinger Jugendzentrums über die Corona-Pandemie: „Wir waren hilflos“

Vorbereitung des Mittelalterlagers: Bad Aiblinger Jugendzentrum-Leiterin Mira Struckmeier (oranges T-Shirt) ist umringt von Jugendlichen, mit denen sie das Ferienprogramm für den Sommer plant.
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Vorbereitung des Mittelalterlagers: Bad Aiblinger Jugendzentrum-Leiterin Mira Struckmeier (oranges T-Shirt) ist umringt von Jugendlichen, mit denen sie das Ferienprogramm für den Sommer plant.
  • VonPaula Trautmann
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Bad Aibling – Mira Struckmeier (53) leitet das Bad Aiblinger Jugendzentrum (JUZ) seit 2005. Ein Gespräch über die Schwierigkeiten während der Corona-Pandemie, was Jugendliche jetzt brauchen, welche Angebote es für sie gibt und warum das JUZ bis September auf Sparflamme ist.

Frau Struckmeier, Sie wollten einen neuen Namen für das JUZ. Was ist daraus geworden?

Mira Struckmeier: Wir hatten im Januar 2020 den Trägerwechsel vom Fokus-Familiennetzwerk zum Bayerischen Roten Kreuz. Damit sollte es in eine neue Richtung gehen und einen neuen Namen geben. Den wollten wir mit den Jugendlichen suchen. Dann kam Corona. Wir haben die Namensuche auf Eis gelegt. So lange bis wir eine Stammbesuchergruppe haben, die sich mit dem Haus identifiziert. Die muss erst wieder aufgebaut werden. Es gibt also andere Themen, die uns gerade beschäftigen.

Welche Themen sind das?

Struckmeier: Es gibt eine Zielgruppe, die in der Coronazeit wesentlich mehr abgehängt wurde als zuvor. Wo es vorher schon schwierig war, ist es noch schwieriger geworden. Die Schere klafft immer weiter auseinander. Wir sind momentan am Überlegen, wie wir an diese Jugendlichen rankommen. Die enge Kooperation mit Schulen steht im Fokus, um die Hemmschwelle abzubauen. Dadurch wollen wir an die Gruppen kommen, die den Weg zu uns ins Haus normal nicht finden würden. Besonders in den sechsten und siebten Klassen ist der Bedarf sehr groß.

Wie geht es den Jugendlichen in Bad Aibling denn?

Mira Struckmeier ist die Leiterin des Jugendzentrums Bad Aibling.

Struckmeier: Nicht gut. Es war eine schlimme und schwierige Zeit. Sie wurden nicht gehört, verstehen die Welt und die Regelungen nicht mehr. Dass man bei uns im Haus eine Maske aufsetzen muss und woanders nicht, macht es nicht einfacher. Wir brauchen aber nicht über Corona-Regeln diskutieren. Es gibt Bestimmungen und an die müssen wir uns halten, ob sie Sinn machen oder nicht. Das ist schon eine Herausforderung und macht das Haus nicht attraktiver.

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Wie war die Arbeit während des Lockdowns?

Struckmeier: Es war unglaublich schwer, Kontakt mit den Jugendlichen zu halten. Die außerschulische Jugendbildung war so lange geschlossen. Für eine Beratungssituation online müssten erst Strukturen geschaffen werden. Aber so hat das wenig funktioniert. Man ist mit dem ein oder anderen mal spazieren gegangen, wenn das erlaubt war. Die meiste Zeit durften wir auch das nicht. Das war schon frustrierend. Du weißt, der Bedarf ist da, aber dir sind die Hände gebunden.

Wie läuft es jetzt?

Struckmeier: Im Moment haben wir flexible Öffnungszeiten und gehen raus. Wer setzt sich bei schönem Wetter schon mit Maske ins Jugendzentrum? Das sind wenige. Wir müssen den Kontakt aber wieder aufbauen. Einige Kolleginnen haben während des Lockdowns angefangen. Wenn die Jugendlichen das Gesicht und die Person nicht kennen, ist es schwierig, sie online zu beraten. Wir waren hilflos. Sollte es im Herbst wieder einen Lockdown geben, müssen sie die Gesichter kennen.

Beeinflusst die Pandemie Ihre Arbeit in Zukunft?

Struckmeier: Die Jugendarbeit wird sich dauerhaft verändern müssen. Da können wir uns alle an die Nase fassen. Wir haben in der Digitalisierung in den vergangenen Jahren viel zu wenig gemacht. Das brauchten wir nicht. Die Häuser waren immer voll und wir hatten gut zu tun. Niemand hat mit einer Pandemie gerechnet. Das hat sich bitterböse gerächt.

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Gab es dennoch Online-Angebote?

Struckmeier: Wir hatten Kleinkunsttage und regelmäßigen Austausch auf der Plattform Discord. Normalerweise findet einmal im Jahr die Sportveranstaltung „Jump and Run“ statt. Das haben wir versucht zu übertragen, indem jeder Kurzfilme einstellen konnte. Aber was verkaufe ich als Erfolg? Wenn ich 20 Jugendliche erreiche, die online sowieso schon ganz fit sind, ist das schön. Aber ich habe den fachlichen Anspruch, die Jugendlichen zu erreichen, die total hinten runtergerutscht sind. Die waren nicht erreichbar. Das war unbefriedigend. Es hat mich zerrissen, dass wir den Bedarf nicht abdecken konnten.

Wie ist die Situation jetzt?

Struckmeier: Bis September sind wir auf Sparflamme. Dann kommt ein neuer Kollege und es wird wieder viel im Bereich Sport möglich. Darauf freue ich mich, weil alle Forschungsergebnisse besagen, dass der Bedarf dafür sehr groß ist. Im Moment gibt es ein Streetdance-Angebot. Auf die Nachfrage der Jugendlichen haben wir das Mittelalterlager dieses Jahr wieder ins Ferienprogramm aufgenommen. Es findet vom 16. bis 20. August statt. Wir planen Sportangebote im Bereich Tricking und Parkour und haben ein Mädchencafé. Da können sich die Mädchen mit ihren Themen beschäftigen. Die Jungs erzählen mir oft, das sei ungerecht. Aber im JUZ sind meistens sehr viele Jungs. Wir hoffen, dass sich im Herbst mehr bewegt, als im vergangenen Jahr. Was die Jugendlichen jetzt brauchen, ist Freunde treffen, live, vor Ort und in Farbe.

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