Lampferdinger Pfarrkirche wird 500 Jahre alt – Blick in die Geschichte des Gotteshauses

Die Lampferdinger Pfarrkirche von innen: Drei Altäre sind etwa 380 Jahre alt, die Deckengemälde 217 Jahre. Einen festen Volksaltar gibt es nicht. Stelzer

Ein Doppeljubiläum feiert Lampferding in diesem Jahr: 900 Jahre Ersterwähnung und 500 Jahre Kirchenbau. In mehreren Folgen blickt Autor Thomas Stelzer auf die Entwicklung des Ortes zurück. Heute geht es um die Geschichte der Kirche.

Von Thomas Stelzer

Lampferding – Das Lampferdinger Gotteshaus wurde laut eines Schriftstückes, das der Schwabener Landrichter Neuchinger ausstellte, um das Jahr 1520 gebaut. Welche Vorgängerbauten allerdings an diesem Platz gestanden haben, kann nur vermutet werden.

Dass es welche gab, ist allerdings als sicher anzunehmen, da bereits die ersten Siedler an dieser Stelle im achten Jahrhundert Christen gewesen sein mussten und deswegen eine Andachts- und Versammlungsstätte brauchten.

Erste Kirchen waren Kapellen aus Holz

Die ersten Kirchen waren eher Kapellen, die aus Holz errichtet waren und nur den wenigen Einheimischen dienten. Sie wurden meist von der Familie des Grundherren auf dessen Grundstück gebaut und auch von einem Geistlichen aus dieser Sippe betreut.

Um das Jahr 1000 entstehen Steinbauten

Als die Bevölkerung wuchs und es daher auch eher möglich wurde, ein aufwendigeres Gotteshaus zu bauen, ging man etwa um das Jahr 1000 in der hiesigen Gegend dazu über, die alten Holzkirchen mit Steinbauten zu ersetzen. So wurde wahrscheinlich auch in Lampferding verfahren.

Erste Erwähnung im Jahr 1315

In oder an den Kirchen in der Region findet man noch öfter Reste dieser „romanischen“ Baukunst. Im Jahr 1315 dann ist das erste Mal ein schriftlicher Nachweis einer Kirche mit Friedhof in Lampferding angefertigt worden. Damals waren Lampferding und Dettendorf Filialen der Pfarrei Emmering und sollten es auch noch weitere 640 Jahre lang bleiben.

Wallfahrt zur Gottesmutter Maria

Irgendwann begann in Lampferding, eine Wallfahrt zur Gottesmutter Maria zu entstehen. Die näheren Umstände dazu sind nicht bekannt. In einer Kaufurkunde von 1491 wird eine „Liebfrauenkirche“ zu Lampferding erwähnt.

Es sollte etwas Neues her

Warum einige Jahre später die Pläne für einen Neubau entstanden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Vielleicht wurde das romanische Kirchlein für die Wallfahrer zu klein, vielleicht war es nach 500 Jahren baufällig geworden, auf alle Fälle war es schon lange nicht mehr modern. Es sollte etwas Neues und Größeres her.

Schulden zeugen vom Kirchenbau

Das Geld dafür war durch die Wallfahrt auch vorhanden. Dem bayerischen Herzog Wilhelm den IV. konnte man schließlich 137 Gulden leihen, die er 1520 teilweise zurückzahlte und somit ein Dokument für den Nachweis des Kirchenbaues lieferte. Denn diese Rückzahlung sollte laut dem Schreiben dafür Verwendung finden. Kurioserweise war dieser Kredit der Kirche für „Kriegszwecke“ des Landesherren bestimmt gewesen.

Saalkirche mit Tonnengewölbe

In Lampferding wurde eine Saalkirche mit Wandpfeilern und einem spitzbogigen Tonnengewölbe errichtet, deren Satteldachturm an die Nordseite gesetzt wurde. Der nach Osten ausgerichtete Ziegelbau erhielt für diese Zeit passende spitzbogige Fenster, die für die Glockenstube am Turm an drei Seiten doppelt ausgeführt wurden. Es war die Zeit der Spätgotik in Bayern.

Bau wird dem Geschmack der Zeit angepasst

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte passte man den Bau immer wieder den aktuellen Bedürfnissen und dem Geschmack der Zeit an. Laut einer „Cronik“ im Lampferdinger Pfarrarchiv wurde „1750 die Kirche um zwölf Fuß verlängert“. Ebenfalls in der Barockzeit baute man die Fenster im Rundbogenstil um.

1803 wird Innenraum verändert

Im Jahr 1803 wurde der Innenraum weitgehend verändert. Warum ausgerechnet im Jahr 1803, in dem in Bayern die Säkularisation – also die umfängliche Verstaatlichung von Kirchenbesitz – stattfand, kann nicht erklärt werden. An der Westseite wurde eine zweite Empore eingezogen.

Ausmalung der gesamten Deckenfläche

Von der Decke schlug man die gotischen Rippen herunter, um Platz für die Ausmalung der gesamten Deckenfläche zu schaffen. Der Tiroler Maler Karl Selb gestaltete den Raum ganz im Zeichen Marias, denn das Patrozinium der Kirche lautet auf „Mariä Himmelfahrt“.

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Er brachte vorn im Chorraum das Gemälde „Maria als Beschützerin und Helferin der Bedrängten“ an und im Langhaus die Szene der „Himmelfahrt Mariens“. Außerdem stellte Selb in den Zwickeln im Chorraum „Mariä Verkündigung“ und „Mariä Heimsuchung“ dar.

Drei Altäre im Stile des frühen Barock

Die drei Altäre in der Lampferdinger Kirche kamen um 1641 in die Kirche und waren im dunklen Stil des Frühbarock gehalten. 1803 gestaltete man sie und die Rokoko-Kanzel im weißen Stil des herrschenden Klassizismus um.

Hochaltar der „Lieben Frau von Lampferding“ geweiht

Der Hochaltar, das Zentrum der Pfarrkirche, birgt das spätgotische Gnadenbild der „Lieben Frau von Lampferding“ und ist ihr geweiht. Am rechten Seitenaltar ist unter anderem die Figur des Heiligen Leonhard aufgestellt, zu dem Jahrhunderte lang gepilgert wurde und Umritte mit Pferdesegnungen stattfanden. Der letzte Leonhardiritt fand 1957 statt. Heute gibt es nur noch wenige Votivbilder, die die Wallfahrten zur Gottesmutter Maria und zum Heiligen Leonhard bezeugen.

Sakristei entstand erst nach dem Krieg

Die Sakristei wurde 1949 auf der Südseite angebaut, auf dem benachbarten Friedhof entstand 1967/68 das Leichenhaus. Das Jahr 1911 war für die Lampferdinger ein besonderes, denn die Kirche bekam vier neue Glocken. Lange konnten sich die Gläubigen nicht daran erfreuen, denn die Weltkriege forderten sie wieder ein.

Friedensglocke auch Sterbeglocke

Seit 1961 hängen aber wieder vier Glocken im Turm, denn damals wurde die große Glocke gestiftet, die als Friedens- und Kriegergedächtnisglocke geweiht wurde. Sie ist auch die Lampferdinger Sterbeglocke. Dies bestimmten ihre Stifter. Die kleinste Glocke ist der Heiligen Barbara, die nächstgrößere dem Heiligen Konrad, die nächste der Heiligen Maria und die größte Glocke dem Heiligen Michael geweiht. Letztere hat ein Gewicht von 1657 Kilogramm.

Vor 80 Jahren die letzte Innenrenovierung

Die letzten Außenrenovierungen fanden 1974 und 2004 statt. Die letzte Innenrenovierung ist noch länger her. Es war kurz vor dem Krieg 1938/39, als die Ausstattung wieder farbig gestaltet wurde.

Renovierungsverein will Verfall stoppen

Da man nach 80 Jahren überall im Innenraum Schäden finden kann, hat sich ein Renovierungsverein gegründet. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Spenden für die Sanierung der Kirche zu sammeln und damit den Verfall der Lampferdinger Pfarrkirche aufzuhalten.

Renovierungsverein will Verfall verhindern

Da momentan keine Veranstaltungen im Rahmen des Lampferdinger Doppeljubiläums stattfinden können, wird um Spenden auf das Konto der Katholischen Kirchenstiftung Lampferding gebeten: IBAN DE 37 7016 9450 000 9020 63, Verwendungszweck „Spende Kircheninnenrenovierung“gebeten. Bitte Namen und Adresse für die Spendenquittung nicht vergessen. Alle im Jubiläumsjahr geplanten Termine finden sich auf der Homepage www.lampferding.de.

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