Lampferding feiert gleich 1400 Jahre

Die 500 Jahre alte Kirche Mariä Himmelfahrt bildet das Zentrum der Kuratie Lampferding. Sie ist das Wahrzeichen des Dorfes.

Ein einmaliges Doppeljubiläum feiert Lampferding in diesem Jahr: 900 Jahre Ersterwähnung und 500 Jahre Kirchenbau. In mehreren Folgen blickt unser Autor Thomas Stelzer auf die bewegte Geschichte des Ortes zurück. Er war es übrigens auch, der das Jubiläum entdeckte.

Von Thomas Stelzer

Lampferding – „Es ist drei Jahre her, dass ich in meinen Unterlagen auf das Außergewöhnliche stieß: In meinem Heimatort Lampferding könnte 2020 ein Doppel-Jubiläum gefeiert werden“, erinnert sich Thomas Stelzer. Also wandte er sich an die Kirchenverwaltung, den Pfarrgemeinderat und die Feuerwehr, denn alle zusammen waren nun gefragt, das Doppel-Jubiläum gemeinsam vorzubereiten. Man beschloss, so ein besonderes Ereignis auch besonders zu feiern, zumal es in Lampferding noch nie ein Dorf- oder Kirchenjubiläumsfest gab.

Ersterwähnung im Jahr 1120

Doch woher kommt dieser kleine Ort? Lampferding wurde vor zirka 900 Jahren das erste Mal in einer Schenkungsurkunde des Bistums Freising erwähnt. In „Lantfridingen“, wie um das Jahr 1120 der Ortsname geschrieben wurde, gab es einen Hof, der von einem Adeligen („nobilis“) an das Hochstift Freising geschenkt wurde. In diesem Jahr war es das erste Mal notwendig, dass ein Rechtsvorgang aufgeschrieben werden musste. Diese Urkunde ist im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München verwahrt.

Alter wird auf 1250 Jahre geschätzt

Lampferding ist aber eigentlich viel älter als „nur“ 900 Jahre. Der Ortsname mit seiner Endung auf -ing (-ingen) und einige stimmige Beziehungen von Personennamen aus dem achten Jahrhundert aus der Gegend lassen auf ein Alter von etwa 1250 Jahren schließen. Der Gründer von Lantfridingen war nämlich ein Mann namens Lantfrid. Der Ortsname entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte fort und machte einige Wandlungen mit. Diese sind aber für die Zeit und für die Gegend üblich. 1408 wird noch Landfriding geschrieben und ab 1416 dann Lämpferding.

500 Jahre Kirche schriftlich fixiert

Mit dem Kirchenjubiläum „500 Jahre Kirchenbau“ verhält es sich ähnlich wie mit dem Ortsjubelfest. In Lampferding gibt es natürlich schon viel länger ein Gotteshaus, wahrscheinlich schon seit der Ortsgründung, denn in dieser Zeit waren schon alle Christen in der Gegend. Der erste schriftliche Nachweis über ein Gotteshaus ist vor 705 Jahren in Freising 1315 angefertigt worden. Damals war Lampferding mit Dettendorf eine Filiale der Pfarrei Emmering. Das Jubiläum „500 Jahre Kirchenbau“ bedeutet, dass im Jahr 1520 ein Schriftstück angefertigt wurde, in dem das erste Mal von einem Kirchenbau im Dorf die Rede ist. Es stammt vom damaligen Landrichter Neuchinger aus Schwaben, der einen Teil eines Kredites, den die Lampferdinger Kirchenverwaltung an den Herzog gab, zurückzahlte. Er gab dabei an, dass diese Summe zum Kirchenbau hergenommen werden sollte. Mit Schwaben ist der heutige Ort Markt Schwaben gemeint, zu dessen Landgericht Lampferding gehörte.+++

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Da Lampferding zu der Zeit bereits Ziel von Wallfahrern war, die zu „Unserer lieben Frau von Lampferding“ kamen, ist anzunehmen, dass das alte Kirchlein einfach zu klein wurde und deshalb ein größerer Kirchen-Neubau notwendig war.

Ort gewinnt an Bedeutung

Lampferding gewann an Bedeutung, wurde 1808 zur Steuergemeinde und zehn Jahre später zur politischen Gemeinde. Diese lag am südlichsten Ende des Landkreises Ebersberg und umfasste rund um Lampferding noch die Orte Dettendorf, Kronau, Angelsbruck, Ried, Eisenbartling, Eggarten, Knogl, Schlafthal, Karlsried, Schweizerberg und Bichl.

Den Bahnhof der neuen Zugstrecke München-Rosenheim in den 1860er-Jahren bekamen die Gemeindeorte Lampferding und Tattenhausen – wie zuerst geplant – zwar nicht, dafür wurde in Lampferding aber ein Schulhaus gebaut und 1877 eröffnet.

Feuerwehr ist 138 Jahre alt

1882 gründete sich die Feuerwehr und 1911 der „Spar- und Darlehenskassenverein eGmuH“. In der wirtschaftlich schlechten Zeit zwischen den Weltkriegen, die auch viele Lampferdinger Männer das Leben kosteten, wurde 1926 ein Expositurhaus gebaut und vom ersten exponierten Kooperator bezogen.

Nach dem Krieg mussten viele Heimatvertriebene in den kleinen Bauernhäusern aufgenommen werden, was für beide Seiten nicht einfach war. 1976 erlebte das kleine Oberbayerische Dorf Lampferding, was der „Kalte Krieg“ für Auswirkungen haben kann. Am Aschbachberg, quasi am Dorfrand, wurden zehn Hektar Wiesen von den Grundbesitzern enteignet und eine Raketenabwehrstellung gebaut.

HAWK-Basis der Amerikaner

Die NATO stationierte dort eine Einheit des amerikanischen Flugabwehrsystems HAWK. Diese Anlage war der Grund für den Bau der Mangfallkaserne 1978 bis 1980 in Bad Aibling.

Das Ende der Gemeinde Lampferding kam dann mit der Gebietsreform 1978 und die unausweichliche Auflösung der Schule 1980. Das letzte Stück Eigenständigkeit verlor dann der Ort 2002 mit der ersatzlosen Schließung der Raiffeisenbank. Die Raketenstellung wurde auch aufgegeben und stand zum Verkauf.

Die Abwasserkanalisierung für den Ort kam 2004 und zwei Jahre später folgte der Ausbau der Kreisstraße mit Gehsteig auf ganzer Länge. Das Jahr 2007 barg ein Auf und Ab der Gefühle.

Hilfswerk statt Afrika-Park

Erst wurde der viel diskutierte geplante Afrika-Park auf dem ehemaligen Militärgelände abgelehnt und stattdessen das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk Deutschland angesiedelt. Dann mussten die Lampferdinger von ihrem letzter Pfarrer Manfred Schmidt für immer Abschied nehmen.

Anlass zum Feiern hatte dann aber die Feuerwehr, die mit einem großen Fest ihr 125-jähriges Gründungsjubiläum beging. Hierzu kam die Rock- und Pop-Band EAV ins Lampferdinger Festzelt.

Gefeiert wird mit vielen kleinen Events

Heuer nun kann die Dorfgemeinschaft ein einmaliges Doppel-Jubiläum feiern, das mit mehreren kleinen Veranstaltungen über das Jahr verteilt begangen werden soll. Der Hauptfesttag soll dann am Sonntag, 2. August, mit einem Festgottesdienst in der 500 Jahre alten Kirche Mariä Himmelfahrt stattfinden.

Den Auftakt der Feierlichkeiten macht am Montag, 3. Februar, eine Ortsversammlung im Feuerwehrhaus. Sie beginnt nach dem Abendgottesdienst. Alle Interessierten sind eingeladen, sich über das Jubiläum und die geplante Kirchenrenovierung informieren zu lassen. Alle Termine können auf der Lampferdinger Homepage eingesehen werden.

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