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„Umdenken ist gefragt“

Kritik am „Mama-Taxi“: Warum das Verkehrschaos vor der Heufelder Schule nicht abklingt

Schulweghelfer-Chefin Bianca Martin ist frustriert, weil sich niemand auf den Schulweghelfer-Aufruf gemeldet hat.
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Schulweghelfer-Chefin Bianca Martin ist frustriert, weil sich niemand auf den Schulweghelfer-Aufruf gemeldet hat.
  • VonJohann Baumann
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Seit Wochen blockieren Bauarbeiten die Zufahrt zu einer Bruckmühler Schule und sorgen für ein Verkehrschaos. Mittlerweile versuchen Schulweghelfer, die Kinder sicher über die Straße zu bringen. Warum die Lage weiterhin kritisch bleibt und wieso ein Gutachten Sorge bereitet.

Bruckmühl – „ Verkehrschaos vor der Heufelder Schule “ lautete eine Schlagzeile noch vor ein paar Wochen. Die Lage ist deshalb besonders verschärft, weil durch die Bauarbeiten die Zufahrt zur Schule über die Bruckmühler Straße geschlossen ist und der gesamte Verkehr des Kindergartens und der Schule ausschließlich über die schmale Oskar-Maria-Graf-Straße erfolgt, hieß es weiter. Und jetzt?

Von Schulweghelfern geleitet

Inzwischen werden die Schüler, die zu Fuß oder mit dem Roller der Oskar-Maria-Graf-Straße entlangkommen, bereits in der Karl-Stiehler-Straße von den Schulweghelfern geleitet, damit sie den sicheren Weg über das verkehrsberuhigte Wohngebiet nehmen.

Ein Besuch morgens um 7.30 Uhr an der Ecke Oskar-Maria-Graf-/Karl-Stiehler-Straße zeigt: Es regnet in Strömen, Schüler kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad und eine Kolonne von Eltern-Taxis ist ebenfalls auf der schmalen Oskar-Maria-Graf-Straße unterwegs, immer wieder „verdichtet“ von Schulbussen. Schulweghelfer-Chefin Bianca Martin steht mit ihrer Kelle da, hält die Autos auf und geleitet die Schulranzen-Passanten in die Karl-Stiehler-Straße.

Bei Dunkelheit – die Straßenlaternen sind ausgeschaltet – werden die Schulkinder von der Oskar-Maria-Graf-Straße in die verkehrsarme Karl-Stiehler-Straße.

Dort ist um diese noch dunkle Zeit keine Straßenbeleuchtung an, was die Situation erschwert. Bianca Martin macht ihren Dienst alleine und ist frustriert. „Wir brauchen dringend neue Schulweghelfer, da von den derzeit zwölf Personen in nächster Zeit zehn aufhören“, berichtet sie.

Mehr Schulweghelfer? „Leider sind keine Eltern dazugekommen“

Auf die verschiedenen Aufrufe sei keine Resonanz erfolgt. „Leider sind keine Eltern dazugekommen, nicht über den Zeitungsartikel, nicht durch die E-Mail der Schule an sie, nicht durch meine eigene Werbung über Facebook Bürgerforum Bruckmühl und so weiter“, klagt sie und kritisiert: „Ein Auto, ein Kind. Es gibt nicht einmal Fahrgemeinschaften in der unmittelbaren Nachbarschaft.“

An Regentagen wie diesen rollen nach ihrer Schätzung bis zu 200 „Eltern-Taxis“ an. „Dabei macht der gemeinsame Schulweg zu Fuß viel Spaß, ich erinnere mich noch sehr gern daran“, bekennt sie und stellt fest: „Wir haben unterwegs viel geratscht, heute sitzen die Kinder im „Eltern -Taxi“ und starren auf ihr Handy,“

Auch Schulleiterin Arabella Quiram appelliert – wie auch die Polizei – dringend an die Eltern, auf das Bringen und Abholen der Schulkinder mit dem Auto zu verzichten. „Jeder soll sich überlegen, ob er das Kind in die Schule fahren muss oder zumindest eine Fahrgemeinschaft bildet“, erklärt sie gegenüber den OVB-Heimatzeitungen und ergänzt: „Jeder kann einen Beitrag leisten, dass die Situation besser wird, umdenken ist gefragt.“

In der Oskar-Maria-Graf-Straße reiht sich jeden Morgen Auto an Auto in Richtung Justus-von-Liebig-Schule.

Zwar brächten inzwischen ein paar mehr Eltern ihre Kinder zur Pettenkoferstraße, aber: „Die Situation ist nach wie vor kritisch“, so die besorgte Rektorin. Für einen von den Schulkindern selbstständig zurückgelegten Schulweg spricht sich übrigens mit großer Deutlichkeit eine Untersuchung der Verkehrswacht München mit Unterstützung des bayerischen Innenministeriums aus.

Höheres Risiko durchs „Mama-Taxi“

Das Ergebnis: „Kinder, die ihren Schulweg nicht selbstständig zurücklegen, sondern von den Eltern mit dem Auto gefahren werden, haben ein viel höheres Risiko, in ihrer Freizeit Opfer von Unfällen zu werden.“ Gegenstand der Studie waren 200 Freizeitunfälle von Sechs- bis Zehnjährigen aus dem Großraum München, die von den Kindern selbst verschuldet waren.

Die Auswertung ergab: Gerade einmal elf Prozent der Kinder, die in ihrer Freizeit im Straßenverkehr verunglückten, legen ihren Schulweg zu Fuß oder mit dem ÖPNV zurück. Kinder, die täglich das „Mama-Taxi“ in Anspruch nehmen, stellen hingegen 65 Prozent und damit zwei Drittel der Verunglückten. Die Studie sagt ferner aus: „Der tägliche Schulweg ist eines der zentralen Lernfelder für Kinder. Die Erfahrungen, die sie dort machen, sind wertvoller als die im Mama-Taxi“.

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