INTERVIEW MIT KURDIREKTOR THOMAS JAHN

Kuren als Pflichtleistung? „Eine Riesenchance“ für Bad Aibling

Eine der Kuren bei Rheumapatienten ist Behandlung in der Kältekammer.
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Eine der Kuren bei Rheumapatienten ist Behandlung in der Kältekammer.

Bad Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn über die Forderung, Kuren zur Pflichtleistung zu machen. Was das bedeutet, verrät er hier.

Bad Aibling – Der Bundestag soll Kuren schnell zur Pflichtleistung machen: Das fordert der Bayerische Heilbäder-Verband. Das Kabinett hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf im Dezember verabschiedet. Der Verband fordert nun, dass er „unverzüglich in die parlamentarische Beratung“ komme und „vom Deutschen Bundestag verabschiedet wird“. Bad Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn, der auch Vorstandsmitglied beim Bayerischen Heilbäder-Verband ist, erklärt im Interview, welche Vorteile die Umsetzung hätte – für die Bürger und für die Stadt.

Herr Jahn, wie beurteilen Sie die Entwicklung hinsichtlich des Gesetzentwurfs?

Thomas Jahn Bad Aiblings Kurdirektor

Thomas Jahn: Das ist ein sehr positives Signal.

Sollten die Kuren wieder zur Pflichtleistung werden, inwieweit gibt es den Einrichtungen in Bad Aibling einen Aufschwung?

Jahn: Es ist eine Riesenchance. Die Stadt Bad Aibling hat ihre Tradition nie aus den Augen verloren – und daher haben wir heute noch ein exzellentes Angebot. Dennoch gab es bei uns zwischen 1995 und 2000 brutale Schließungen. Ein Beispiel: Von ehemals 17 Moorbadeeinrichtungen sind heute nur noch drei übrig geblieben. Dennoch: Mit über 130 Gesundheitsdienstleistern in der Stadt bieten wir ein große Breite und Tiefe in diesem Themenfeld und freuen uns sehr, dass sich nun diese Konsequenz auszahlt.

Wie wichtig wäre die Umsetzung generell für die Stadt?

Jahn: Kommen vermehrt Kurgäste hat das natürlich auch positive Effekte auf den Einzelhandel und die Gastronomie.

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Wird denn die Kur von Anschluss-Behandlungen und Reha verdrängt?

Jahn: Nein, alles hat seinen eigenen Stellenwert. Diese Dinge werden häufig als Nachsorge nach einem direkten Störfall angewandt. Bei der Kur geht es ja aber auch darum, einen Operationstermin zu verzögern und präventiv zu wirken.

Ich habe mal gelesen, dass nirgendwo so viele Operationen durchgeführt werden, wie in Deutschland.

Jahn: Ja, das stimmt. Das Geld für Präventionsmaßnahmen ist da, aber die Kassen geben es lieber für Operationen aus.

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Bad Aibling investiert weiter – in ein Moorbadehaus zum Beispiel. Wie geht es da voran?

Jahn:Der Standort am Hotel Schmelmer Hof ist gesichert. Familie Lindinger als Eigentümer des Hauses, die Stadt, der Freistaat und ein Betreiber arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung. Nächste Woche findet ein weiteres Gespräch mit den Architekten statt und wir hoffen, dass wir alle Planungen und Genehmigungen heuer abschließen und bekommen. Dann könnte der Baubeginn 2022 sein und die Eröffnung 2023.

Was steht noch an?

Jahn:Unser Kurmittelhaus Egger bekommt ebenfalls Fördermittel und wird saniert und modernisiert. Dieses Projekt ist schon sehr weit fortgeschritten und die Bauarbeiten sollen im Februar beginnen. Hier bekommen wir ein hochmodernes Angebot, das viele Bereiche abdeckt – mit mindestens vier Moorwannen.

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