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Bruckmühl strukturiert Ausbildung um

„Krisensicher und gut bezahlt“: Verwaltungen suchen händeringend Fachkräfte

Ausbildungsleiterin Christina Breier (vorn) erklärt Auszubildender Juliane Mayroth digital und mit Detailskizzen auf Papier einen Bebauungsplan.
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Ausbildungsleiterin Christina Breier (vorn) erklärt Auszubildender Juliane Mayroth digital und mit Detailskizzen auf Papier einen Bebauungsplan.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Der Fachkräftemangel treibt auch den Bürgermeistern im Mangfalltal Sorgenfalten auf die Stirn. Was die Gemeinden tun, um ihre offenen Stellen mit ausgebildeten Verwaltungsfachangestellten zu besetzen.

Bruckmühl – Akten, Gesetze, Paragraphen? Die Arbeit eines Verwaltungsfachangestellten stellen sich die meisten als trockenen Schreibtisch-Job vor. Doch so ist es ganz und gar nicht, denn der Blickwinkel zählt und aus der richtigen Perspektive betrachtet, kann man als Verwaltungsfachangestellter seine Heimat gestalten und die Gemeinde für die Menschen voranbringen. „Natürlich gehören je nach Fachgebiet auch die Arbeit im Büro, Akten, Bebauungspläne oder Finanzen dazu, aber in unserer Ausbildung steckt viel mehr“, betont Christina Breier.

Mit 22 Jahren schon Ausbildungschefin

Sie hat im Jahr 2018 ihre Ausbildung abgeschlossen, ist ein „Eigengewächs“ des Bruckmühler Rathauses und qualifiziert sich im dualen Studium gerade zur Verwaltungsfachwirtin. Sie weiß, worauf es in einer spannenden Ausbildung ankommt. Seit Juli ist die 22-Jährige die neue Ausbildungsleiterin des Marktes Bruckmühl und hat auch dafür eine entsprechende Zusatzprüfung abgelegt. Zusammen mit Bürgermeister Richard Richter, Personalchef Rainer Weidner, Bernadette Schmid und Katharina Stahuber ist sie gerade dabei, die Ausbildungsstruktur zu modernisieren und noch lebendiger zu gestalten.

Ab September zwei Azubis pro Jahr

Die Ersten, die in den Genuss der neuen Ausrichtung kommen, sind die beiden Auszubildenden, die im September ihren dualen Unterricht mit Berufsschule und bayerischer Verwaltungsschule sowie praktischer Arbeit in den verschiedenen Fachbereichen im Rathaus antreten. Coronabedingt hat die Ausbildung ein Jahr pausiert. 2021 wurde kein Azubi aufgenommen. Dafür geht es heuer mit einem „Doppelpack“ in die Vollen gegen den Fachkräftemangel, denn der macht den Verwaltungen aktuell enorm zu schaffen.

„Wir setzen jetzt auf die eigene Ausbildung unserer künftigen Kollegen“, erklärt Weidner. Und genau hier setzt die neue Ausbildungsoffensive an: „Die Azubis sollen sich noch mehr als Teil des Teams fühlen und nicht nur mitlaufen, sondern selbst aktiv Projekte betreuen und erarbeiten“, erklärt Breier: „Natürlich bedarf es dabei immer der Unterstützung der jeweiligen Fachbereiche, aber hier sind wir gut aufgestellt und haben ein engagiertes Kollegenteam.“

Berufliche Karrieren gibt es nicht nur in der Verwaltung selbst, sondern auch in Kindereinrichtungen, Bauhof, Wasserwerk und Klärwerk. Sei es Kinderpflegerin, Erzieherin, Landschaftsgärtner, Fachkraft für Abwassertechnik, Straßenwärter oder Fachkraft für Wasserversorgungstechnik – die Palette ist breit. Gerade in diesen Berufen gibt es großen Bedarf.

Natürlich müssen sich die Abteilungen auf den Nachwuchs einstellen, Betreuung und Aufgaben um- oder neustrukturieren. „Das mag am Anfang etwas aufwendiger sein, erleichtert aber im zweiten Schritt das selbstständige Arbeiten der Azubis enorm“, betont Breier. Das klassische Kopieren ist als angestaubtes Image einer Verwaltung in einigen Köpfen vielleicht noch vorhanden. Deshalb stellen sich die Verwaltungen auch auf Ausbildungsmessen vor. „Dort ist der Ansturm bei uns immer groß, aber man merkt auch, dass die Jugendlichen oft gar nicht wissen, dass hinter den Rathausmauern eine Verwaltung sitzt, und was die überhaupt macht“, so die Erfahrungen von Bernadette Schmid und Christina Breier.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Mehrere Wochen am Block heißt es Schulbankdrücken an der Schule am Ammersee oder in den Berufsschulen in München und Traunstein. Dann geht es wieder in die Praxis nach Bruckmühl, um das Erlernte anzuwenden.

Seit diesem Jahr steht auch Baurecht im Lehrplan. „Auch hier wird noch mehr auf Praxisorientierung gesetzt“, betont Weidner. Rechtskenntnisse und -anwendung verlangen den Azubis einiges ab. „Aber keine Sorge, wir helfen, wo wir können auch bei der Prüfungsvorbereitung“, beruhigt Breier: „Außerdem fällt bei uns keiner durch. Wir bereiten die Azubis gut auf die Prüfungen vor. Jeder gute Lehrling wird übernommen.“

Auch die finanziellen Rahmenbedingungen sind wichtig: In der dualen Ausbildung gibt es 1068,26 Euro im ersten Ausbildungsjahr, 1118,20 Euro im zweiten und 1164,02 Euro im letzten Ausbildungsjahr. Danach werden die Mitarbeiter nach Tarif vergütet, bekommen ein sicheres Einkommen und eine Altersvorsorge des Öffentlichen Dienstes. „Auch das hat sich bei den Jugendlichen als wichtiges Argument herauskristallisiert. Sie setzen auf Sicherheit und Stabilität“, sagt Breier.

Karriereleiter geht weiter

Zudem muss auch dann noch nicht Schluss sein. Man kann beispielsweise seinen Fachwirt draufsatteln. Doch was sagen die Azubis selbst? „Die Arbeit in der Verwaltung ist ganz und gar nicht langweilig“, betont Auszubildende Juliana Mayroth. Ihr gefällt, dass man in der Verwaltung die Gemeinde gestaltet. „Ich arbeite quasi vor der Haustür und kann mich in meiner Gemeinde einbringen“, so Mayroth. Auch lerne man viel über die Heimat. Sie selbst kommt aus Kirchdorf, setzte sich nun aber ganz anders mit den 46 Ortsteilen und Straßen auseinander. „Kein Tag ist gleich. Es ist ein lebendiges Arbeitsumfeld, umfangreich und rührig zugleich“, unterstreicht Mayroth. Auch die Bürger und deren Belange gehören zum Alltag: „Es ist ein schönes Gefühl, helfen zu können.“ Um sich zu orientieren, schnupperte sie in einem Praktikum in der neunten Klasse in den Beruf hinein.

Jetzt für Ausbildung ab 2023 bewerben

„Bruckmühl ist die schönste Gemeinde im Landkreis Rosenheim. Sie ist fortschrittlich und hat mit 65 Mitarbeitern auch eine große Verwaltung“, betont Breier. Sie blickt schon weit voraus, denn bis zum 31. Juli läuft die Bewerbungsphase für eine Ausbildung beim Markt Bruckmühl ab September 2023. Voraussetzung ist ein Schulabschluss. Nach einem Eignungstest werden die Bewerber im Idealfall zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Verwaltungen im Mangfalltal haben Stellen frei

Bad Feilnbach sucht händeringend eine/n Mitarbeiter/in für Öffentlichkeitsarbeit. Die auf 20 Wochenstunden bemessene Stelle ist noch immer vakant. Ein neuer Bauamtsleiter wurde inzwischen gefunden: Am 1. Juni nimmt Alexander Beer seine Tätigkeit auf. Bildete die Gemeinde bislang alle zwei Jahre aus, intensiviert sie nun ihre Bemühungen um eigenen Nachwuchs. Im September beginnen zwei Azubis ihre Ausbildung in der Gemeinde Bad Feilnbach – als Verwaltungsfachangestellte/r und Kauffrau/-mann für Tourismus und Freizeit.

In Feldkirchen-Westerham werden aktuell zwei Mitarbeiter für das Einwohnermeldeamt und den Sitzungsregistrierdienst gesucht. Ob im Bauamt die vakante Stelle für Hochbau neu besetzt wird, entscheidet der Gemeinderat. Für den eigenen Nachwuchs sorgt die Gemeinde Feldkirchen-Westerham mit der Ausbildung eines Verwaltungsfachangestellten pro Jahr. „Gegenwärtig bemühen wir uns um die Zulassung von Bauhof und Wasserwerk als Ausbildungsbetriebe, damit wir auch in diesen Bereichen ausbilden können“, informiert Johanna Reitmeyer vom Personalamt. In den Kindereinrichtungen der Gemeinde sind immer mehrere Praktikanten beschäftigt.

„Es geht wahrscheinlich wirklich nur noch über Ausbildung“, betont Bürgermeister Georg Weigl. In den Verwaltungen sei der Fachkräftemangel genauso groß wie in der Wirtschaft. Deshalb wird in Tuntenhausen kontinuierlich ausgebildet und pro Jahr ein Azubi eingestellt. Im September startet eine junge Frau aus der eigenen Gemeinde dort ihre Ausbildung. Tuntenhausen sucht derzeit einen Tiefbautechniker fürs Bauamt – nach der ersten Ausschreibung bislang ohne Erfolg.

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