GEBURTSSTATION AN ROMED-KLINIK BAD AIBLING

Im Kreißsaal gehen heute die Lichter aus

Um Mitternacht endet heute die letzte Hebammenschicht an der Romed-Klinik.  dpa
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Um Mitternacht endet heute die letzte Hebammenschicht an der Romed-Klinik. dpa

Die letzten Stunden in der Geburtsstation an der Romed-Klinik Bad Aibling sind angebrochen: Heute um Mitternacht gehen die Lichter im dortigen Kreißsaalbereich aus. Ein Baby wird heute auf alle Fälle noch per Kaiserschnitt das Licht die Welt erblicken. Über die Anzahl weiterer Geburten entscheiden die Natur – und die Uhr.

Bad Aibling– Zwischen Samstagabend und dem heutigen Montag waren im Aiblinger Krankenhaus insgesamt noch 14 Frauen zur Entbindung angemeldet. Aufnahmestopp ist allerdings heute um 7 Uhr. Wenn absehbar ist, dass die Geburt nicht mehr am heutigen Tag beendet werden kann, werden die werdenden Mütter in ein anderes Krankenhaus ausweichen müssen: „Wir haben alle, deren Entbindungstermin in diesen Zeitraum fällt, gebeten, sich auch parallel in einem anderen Haus anzumelden“, schildert Simone Donhauser, Sprecherin der Hebammen an der Romed-Klinik, im Gespräch mit unserer Zeitung die Lage.

Nach knapp 18 Jahren endet heute um 8 Uhr auch für sie eine lange Ära am Krankenhaus Bad Aibling. „Wenn ich heute die Station, in der ich vieles mit aufgebaut habe, verlasse, ist da viel Wehmut dabei. Es ist ein Stück weit wie ein eigenes Kind, das man zurücklässt“, bedauert die Hebamme, die nun ans Krankenhaus Agatharied wechseln wird.

Die beiden letzten Schichten am heutigen Montag werden zwei der zuletzt noch fünf auf der Station tätigen Kolleginnen übernehmen, bevor die Geburtshilfe geschlossen wird. Bis vergangenen Samstagabend kamen dort heuer 375 Kinder zur Welt. Im Vergleichszeitraum 2016 waren es 501 und 2015 448 Babys.

Wie bei der Pressekonferenz Anfang des Monats im Rosenheimer Landratsamt verkündet, werden die Räumlichkeiten im Kreißsaalbereich der Klinik zwischenzeitlich keiner anderen Nutzung zugeführt, sondern vorerst nur abgesperrt. Doch ob es – wie von vielen Bürgern, dem Aiblinger Stadtrat und einigen Hebammen gewünscht – tatsächlich eine Zukunft für die Geburtsstation in Bad Aibling gibt, ist mehr als ungewiss.

Zwar teilte die Klinikleitung mit, dass die momentane Schließung – zwischenzeitlich auch „vorübergehende Stilllegung“ genannt – nicht das endgültige Aus für die Geburtshilfe in der Mangfallstadt bedeuten muss. Dies hängt jedoch von vielen Faktoren ab, die schwer zu beeinflussen sind.

Zusammen mit den in Bad Aibling bislang in der Geburtshilfe tätigen Belegärzten suche man nach Lösungen, die nachhaltig tragfähig sind und langfristig eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherstellen. Dazu seien jedoch mehr Gynäkologen, Kinderärzte und Hebammen erforderlich.

Die Verantwortlichen räumen ein, dass sich qualifiziertes Personal nur finden lassen wird, wenn zukunftsweisende, erfolgversprechende Perspektiven geboten werden. Wie diese aussehen könnten und welche Modelle in Frage kommen, bleibt aktuell ebenso unbeantwortet wie die Frage, was bis zum geplanten „runden Tisch“ im November alles unternommen werden soll, um eventuell Lösungen zu finden.

Bemühungen blieben ohne Ergebnis

Die Klinik verweist auf ergebnislos gebliebene Bemühungen in den vergangenen Jahren, mit regelmäßigen Anzeigen in in- und ausländischen Medien sowie der Einschaltung eines Personalvermittlers, junge Ärzte für die Geburtshilfe zu finden.

Die sinkende Zahl der Ärzte in der Geburtshilfe zählt – neben dem steigenden Arbeitsaufwand und den immer größeren administrativen Anforderungen – auch zu den Problemen, die Ines Ferstera von der Hebammenpraxis in der Romed-Klinik Bad Aibling für den Hebammenmangel ausmacht.

Gerade für junge Kolleginnen spiele der Sicherheitsfaktor eine große Rolle für die Arbeit im Kreißsaal, beispielsweise durch einen festangestellten Arzt in der Geburtshilfe. „Es ist immer gut, noch eine dritte oder eine vierte Hand zu haben und im Notfall auf fachliche Unterstützung zurückgreifen zu können. Gerade wenn noch berufliche Erfahrung fehlt.“

Für andere Kolleginnen wiederum ist gerade die Arbeit in einer „sehr hebammengeleiteten Abteilung“ wie in Bad Aibling das Schöne an ihrem Beruf, wie Simone Donhauser bekräftigt. Für sie wird das Arbeiten in Agatharied, wo festangestellte Ärzte tätig sind, sicher erst einmal eine Umstellung sein.

Doch die drastische Entwicklung – innerhalb eines halben Jahres seien in Bad Aibling aus den unterschiedlichsten Gründen sechs Kolleginnen gegangen – gibt neue oder andere Wege vor. Kolleginnen aus jüngster „Aiblinger Zeit“ sind, wie berichtet, entweder weggezogen, selbst schwanger oder in Elternzeit. Zwei werden künftig in der Vor- und Nachsorge tätig sein und zweite weitere Hebammen unter anderem weiterhin Hausgeburten anbieten.

Hebammenpraxis bleibt bestehen

Nichts ändern wird sich in der Hebammenpraxis im Aiblinger Krankenhaus. Ines Ferstera und ihre beiden Kolleginnen werden weiterhin in der Vor- und Nachsorge tätig sein. Wobei ihr und einer weiteren Kollegin ein Fortbestand der Geburtsstation sehr am Herzen liege.

„Ich glaube daran, dass es machbar ist – wenn sich Strukturen ändern und alle an einem Strang ziehen“, betont Festera. Dazu gehören in ihren Augen neben den politischen Aspekten vor allem auch der betriebswirtschaftliche und der personaltechnische Sektor. „Ich bin bereit, am runden Tisch, der im November stattfinden soll, Konzepte mitzuentwickeln. Aber nachhaltig müssen sie auf alle Fälle sein.“

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