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„Unsere Grüne Glasfaser“ verspricht Unglaubliches

Kostenloser Highspeed-Glasfaseranschluss für alle Bürger in Tuntenhausen - Wo ist der Haken?

Egal ob grün, blau oder weiß – Hauptsache kostenlos: In der Gemeinde Tuntenhausen besteht jetzt für alle Bürger die Möglichkeit, bis zum Jahresende einen kostenlosen Glasfaserkabel-Anschluss zu erhalten. Einzige Bedingung: ein Zweijahresvertrag mit O2 Telefónica.
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Egal ob grün, blau oder weiß – Hauptsache kostenlos: In der Gemeinde Tuntenhausen besteht jetzt für alle Bürger die Möglichkeit, bis zum Jahresende einen kostenlosen Glasfaserkabel-Anschluss zu erhalten. Einzige Bedingung: ein Zweijahresvertrag mit O2 Telefónica.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Die Telekom hat Konkurrenz bekommen – auch auf dem flachen Land. War sie bisher das einzige Telekommunikationsunternehmen, das bereit war, den Breitbandausbau in der Gemeinde Tuntenhausen voranzutreiben, ist nun ein Mitbewerber aufgetaucht: „Unsere Grüne Glasfaser“. Das Unternehmen verspricht einen schnellen und kostenlosen Ausbau des Glasfaserkabel-Netzes bis Ende des Jahres.

Tuntenhausen – Jeder Bürger der Gemeinde Tuntenhausen kann bis zum Jahresende ans Glasfasernetz angeschlossen werden, wenn er es denn möchte. Mit einem auf zwei Jahre begrenzten O2-Vertrag ist der Anschluss ans schnelle Internet sogar kostenlos. „Unsere Grüne Glasfaser“ – ein Joint Venture der Allianz und der Telefónica Group – würde diesen Ausbau in der Gemeinde auf eigene Kosten übernehmen. Unter der Bedingung, dass die Gemeinde das ausdrücklich wünscht.

Bisher war nur die Telekom aktiv

Es klingt viel zu schön, um wahr zu sein. In den vergangenen zehn Jahren hat die Gemeinde etwa 800 000 Euro in die Hand nehmen müssen, damit überhaupt ein Unternehmen den Breitbandausbau auf dem flachen Land vorantreibt. Meist war es nur die Telekom, die dazu bereit war. Immer aber unter der Bedigung, dass die Kommunen mithelfen, damit das Unterfangen wirtschaftlich bleibt: In der Gemeinde Tuntenhausen im Jahr 2011 in Hohenthann und 2015 mit den Hauptleitungen für die großen Ortschaften. Zuletzt im Dezember vergangenen Jahres mit dem „Höfeprogramm“, mit dem auch abgelegene Weiler – insgesamt etwa 250 Häuser – angeschlossen werden können. Realisiert wird Letzteres erst 2025 – aufgrund des hohen Auftragsvolumens der Telekom.

Ungewöhnliches Angebot wird geprüft

Nun kommt plötzlich „Unsere Grüne Glasfaser“ und will alles schnell, unbürokratisch und noch dazu kostenlos machen. Und das ausgerechnet dort, wo es besonders teuer ist: „Unser Fokus liegt auf ländlichen Regionen. Auf diesem Weg wollen wir zur Gigabit-Gesellschaft, zum Wirtschaftswachstum und zur Gleichstellung der digitalen Infrastruktur in ganz Deutschland beitragen“, heißt es auf der Internet-Seite von UGG. Und gleiches versicherten auch Julia Tenbücken und Sandra Stiehl, die beiden Vertreterinnen des Unternehmens, die sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Tuntenhausen vorstellten. Muss es da nicht einen Haken geben?

Genau den suchen Bürgermeister Georg Weigl (CSU/FWG) und die Gemeindeverwaltung schon seit November, denn da fanden die ersten Gespräche mit UGG statt. Seitdem haben die Tuntenhausener das Unternehmen durchleuchtet – und das ganz besonders gründlich, denn als einstiger Banker weiß Georg Weigl genau, wohin er schauen muss, um Bonität und Seriösität eines Investors einzuschätzen.

Nun präsentierte er dem Gemeinderat das Ergebnis: „Wir haben keinen Haken gefunden.“ Ein Blick hinter die Kulisse: Die UGG hat sich im vergangenen Jahr gegründet. Ihr Sitz ist in Ismaning. Zum Joint Venture gehören Telefónica und Allianz. Telefónica ist einer der größten Telekommunikationsanbietern Europas. Allein in Deutschland hat O2 Telefónica rund 46 Millionen Mobilfunk- und 2,3 Millionen Breitbandanschlüsse.

Die Allianz wiederum kennt jeder im Zusammenhang mit Versicherungs- und Vorsorgeleistungen. „Die Allianz legt die Beiträge ihrer Versicherungsnehmer gewinnbringend an, investiert in Sachanlagen. Es ist ein seriöser Geldgeber“, schätzt Weigl ein und betont: „Wir müssen uns keine Gedanken machen.“

Interessant ist auch die Geschwindigkeit des Ausbaus, die Julia Tenbrücken prophezeite: Nach dem positiven Signal der Gemeinde beginne die Kundenakquise. Die Planung dauere zwei bis drei Monate, die Umsetzung sechs bis zwölf Monate. Dann werde das Netz aktiv geschalten. Schon Ende des Jahres könnten die Menschen in der Gemeinde Tuntenhausen also mit schnellem Internet arbeiten.

Doch wozu braucht die UGG das positive Feedback oder besser gesagt eine Absichtserklärung des Gemeinderates, dass er hinter dem Projekt steht? Weil das Unternehmen die fachliche Beratung und Unterstützung der Gemeinde braucht. Jede Straße, in der Kabel verlegt werden sollen, muss planerisch begutachtet werden. Zudem werden im Gemeindebereich mindestens zwei „Points of Presence“ (PoP) gebraucht. Das sind Verteilerstationen mit einer Gebäudegröße von etwa drei mal sechs Metern, für die jeweils ein etwa 30 bis 40 Quadratemeter großes gemeindliches Grundstück erforderlich ist.

Die Akquise soll zudem mit einer von der Gemeinde unterstützten Auftakt-Informationsveranstaltung beginnen. Dann werden den Kunden die Fakten noch einmal genau präsentiert. Im Gemeinderat wurden sie bereits kurz erläutert. Demnach bekomme jeder, der einen 24-monatigen Vertrag mit O2 abschließt, seinen Anschluss komplett kostenlos, so Tenbücken. Wer einen anderen Anbieter möchte, zahle ab der Grundstücksgrenze: 636,65 Euro für die ersten zehn Meter und weitere 178,50 Euro pro fortlaufendem Meter.

Die Gemeinderäte fragten in der öffentlichen Sitzung viele Details kritisch nach. Die UGG-Vertreterinnen versicherten, dass der Gemeinde keinerlei finanzielle Verpflichtungen entstünden. Zudem stehe das Glasfasernetz allen Internetdienstanbietern zu Verfügung. Die O2-Tarife, die für zwei Jahre bei einem kostenlosen Kabelanschluss anfallen würden, seien vergleichbar mit den Tarifen anderer Anbieter.

Bürgermeister Georg Weigl informierte darüber, dass die Gemeinde sich vom Bayerischen Gemeindetag beraten lasse und Verträge entwerfe, die jegliche vertraglichen Bindungen oder Verpflichtungen mit der UGG aussschließen.

Verträge mit UGG werden vorbereitet

Wichtig sei es aber auch, die Rechtssicherheit herzustellen, dass die Gemeinde dem Unternehmen keinen Wettbewerbsvorteil verschaffe. Die einzige Belastung für die Gemeinde sei nach Auffassung von Bürgermeister Weigl die fachliche Begleitung des Glasfaserausbaus durch das Bauamt. Denn jede Straße müsse dafür unter die Lupe genommen werden.

Ausgebaut werde mit dem „Trenching-Verfahren“, erläuterte Sandra Stiehl. Kabel und Leerrohre würden vollständig erdverlegt – vom Point of Presence bis zum Haus der Kunden. Meist würden nur kleine Gräben ausgehoben und noch am selben Tag wieder geschlossen. Der Ausbau erfolge ohne öffentliche Mittel.

„Höfeprogramm“ wird bis 2025 realisiert

Einig waren sich die Gemeinderäte darüber, dass schnelles Internet wichtig sei und die Gemeinde unverzüglich handeln müsse, um das Angebot der UGG nutzen zu können. Deshalb wurde der Breitbandausbau für die noch nicht versorgten Bereiche im Gemeindegebiet einstimmig begrüßt. Jetzt geht es an die konkrete Formulierung der Verträge.

Der bereits geplante und geförderte Breitbandausbau im Gemeindegebiet ist davon nicht betroffen. Das „Höfeprogramm“ wird wie geplant von der Telekom durchgeführt. Voraussichtlich im Jahr 2025.

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