Kolbermoorer Start-up in Corona-Zeiten: „Masken mit Chic“ aus der Region

„Corona-Masken müssen nicht scheußlich sein“, meint Heidrun Keim. Auf ihrer Internet-Plattform covima.de will sie Anbietern von „Masken mit Chic“ eine Präsentationsmöglichkeit bieten. Thomae

Wo gibt‘s in der Region online Masken, mit denen man sich auch sehen lassen kann? Weil sie im Netz nicht fündig wurde, gründete die Kolbermoorerin Heidrun Keim kurzerhand eine eigene Plattform.

Von Johannes Thomae

Kolbermoor – Freitagnachmittag vor drei Wochen. Es besteht noch keine Maskenpflicht, aber ein Maskengebot, und Heidrun Keim hat die ihre zu Hause vergessen. Kein Problem denkt sie, ein Blick ins Internet wird’s richten und zeigen, wo in Kolbermoor oder Rosenheim Masken zu kaufen sind. Doch Fehlanzeige: „Ich fand etliche Hinweise“, so erzählt sie, „wie ich mir eine Maske hätte nähen können, aber so gut wie keinen, wo man tatsächlich auf die Schnelle hätte eine herbekommen können“.

Unternehmerin mit Leib und Seele

Nun ist Heidrun Keim in der Geschäftsführung einer Unternehmensberatung mit einer Niederlassung in Kolbermoor und dabei selbst Unternehmerin mit Leib und Seele – vor ihrem geistigen Auge entstand quasi im Nu das Bild einer Online-Plattform, auf der Maskenanbieter und Maskenkäufer einander finden könnten.

Das Ende des Einzelkämpfertums

„Mir ging es dabei von Anfang an nicht um die scheußlichen ‚Wegwerf-Binden‘, ich dachte gleich an bunte, schön gestaltete Masken, mit denen man sich auch tatsächlich sehen lassen kann.“ Erste Recherchen im Kundenumfeld ihrer Firma zeigten, dass es tatsächlich schon zu diesem Zeitpunkt vor drei Wochen etliche Firmen gab, die Masken in ihr Herstellungsprogramm mit aufgenommen hatten, oder es tun wollten. Darunter Hersteller für medizinische Ausrüstung wie die Firma Decomed aus Bernau ebenso wie Bekleidungshersteller, zum Beispiel Trachten Jäger aus Miesbach oder die Chiemgau-Factory. Alle aber bezüglich des Vertriebes „Einzelkämpfer“: Was fehlte war die Verbindung zwischen Kunden und Herstellern.

Vertrieb. Zwischenlagerung und Versand in einer Hand

„Dieses Bindeglied übernehmen wir“, beschloss Heidrun Keim, „und damit die Sache rund und für Kunden wie Anbieter möglichst einfach wird, auch gleich den Vertrieb, sprich Zwischenlagerung und Versand“.

Mit rund 60 Herstellern ist sie derzeit im Gespräch. Und nun ist die Plattform unter Covima.de im Netz und ein Großteil der Anbieter, die Interesse zeigten, sind schon jetzt auf den Seiten zu finden. Die Richtlinien dabei sind für Heidrun Keim klar: „Wir stellen weder Wegwerfprodukte noch Masken für medizinischen Einsatz vor, auch keine Masken, die nicht in Deutschland hergestellt worden sind. Unser Schwerpunkt liegt auf regionalem Ursprung und auf ‚Alltagsmasken‘, die aber so bunt und vielfältig sind, dass sich für jeden Geschmack, jeden Kleidungsstil und jede Gelegenheit etwas findet.“

„Nicht wie ein Wesen vom anderen Stern“

Denn sie ist überzeugt davon, dass Corona und damit die Masken die Menschen noch einige Zeit begleiten werden. Was hinsichtlich der Masken nicht schlimm ist, wie sie meint, „denn schöne und mit Ideen gestaltete Masken müssen einen nicht verunstalten und wie ein Wesen von einem anderen Stern aussehen lassen, sondern könnten am Ende sogar zu einem Modeartikel werden“.

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Wichtig ist ihr deshalb, dass auf ihrer Plattform die Masken nicht nur in größeren Einheiten, sondern auch einzeln bezogen werden können. Erst das ermöglicht dem Kunden, sich wirklich gezielt die Masken seiner Wahl auszusuchen und vor allem: Es schafft auch den Herstellern von Klein- und Kleinstserien einen Markt. „Genau diese, die kleinen Firmen, die einzelnen Selbstständigen, haben oft die pfiffigsten Gestaltungs-Ideen“, so die Überzeugung von Heidrun Keim. „Deshalb ist bei uns jeder – ob größeres Unternehmen, Kolbermoorer Verein oder Einmann-Betrieb – herzlich willkommen. Wichtig ist uns nur eine wirklich gute Qualität.“

Business-Pläne gehören für sie zum Alltag

Für die Anbieter sind die entstehenden Kosten überschaubar, zu einer monatlichen Grundpauschale von 69 Euro verbleiben pro verkaufter Maske 15 Prozent des Verkaufspreises bei Covima. Dafür werden die Zwischenlagerung der Masken, Versand, Rechnungsstellung und Zahlungsabwicklung übernommen. Als Unternehmensberaterin, die sonst mit großen Firmen wie Airbus zu tun hat, ist Heidrun Keim natürlich die Aufstellung von sogenannten Business-Plänen gewohnt.

Neue Chancen aufdecken

Die Frage, ob sich die Idee von Covima für die eigene Firma XC Consults rechnen wird, sei aber zunächst zweitrangig: „Uns ging es da vor allem um die Idee an sich: Neue Chancen aufzudecken und dafür dann Anbieter mit Kunden zusammenzubringen ist ja unser Kerngeschäft – und die Maskenplattform ein geradezu idealtypisches Beispiel dafür. Weshalb sie auch schon weiter in die Zukunft denkt: „Wenn es so anläuft, wie wir hoffen, dann sollen auf unseren Seiten in Zukunft auch alle wichtigen Informationen rund um Corona zu finden sein, Covima ist dann nicht nur ein online-shop, sondern eine Plattfom mit echtem Mehrfachnutzen.“

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