Tradition oder Neues?

„So wenig Kitsch wie möglich“ - So feiern Kolbermoorer Weihnachten

Der beleuchtete Baum vor der Alten Rathaus – für einige Kolbermoorer gehört das auch zu den Traditionen. Heuer allerdings ohne Christkindlmarkt. Riediger/re
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Der beleuchtete Baum vor der Alten Rathaus – für einige Kolbermoorer gehört das auch zu den Traditionen. Heuer allerdings ohne Christkindlmarkt. Riediger/re
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Weihnachtsgans, „Stille Nacht“ in Endlosschleife, Lametta am Baum, der Gang zum Festgottesdienst: Kolbermoorer verraten, was bei ihnen am 24. Dezember dazugehört – und was nicht.

Kolbermoor – Weihnachten ist das Fest der Traditionen: Die einen hören „Es wird scho glei dumpa“ in Endlosschleife, die anderen schauen „Der kleine Lord“, bei anderen wiederum darf die Weihnachtsgans auf der Festtafel nicht fehlen. Die Traditionen innerhalb der Familien sind vielfältig – auch in Kolbermoor. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich in der Mangfallstadt umgehört, welche Traditionen die Bürger, die hier leben oder arbeiten, an Weihnachten haben.

Karin Maier (52) Geschäftsführerin des SV-DJK: „Ich bastele jedes Jahr für den 24. Dezember kleine Schiffe aus Tonpapier. Am Heiligabend geht dann die ganze Familie mit Taschenlampen in der Hand zur Mangfall. Dann stellen wir ein Teelicht hinein und setzten die Schiffchen aufs Wasser. Dann wünscht sich jeder etwas. Und obwohl die Kinder groß sind, fragen sie immer: Mama, das machen wir doch heuer auch wieder, oder. Ob die Wünsche sich erfüllt haben? Darüber darf man ja nicht sprechen.“

Krippe aufbauen

Walter Weinzierl (68) Ehrenvorstand der D’Mangfalltaler: „Seit ich ein kleines Kind bin, gibt es am Heiligabend Weißwürste – das haben wir auch so beibehalten. Anschließend gehen wir in die Mette. Obendrein bauen wir jedes Jahr die Krippe auf, die ich mal ersteigert habe. Die Krippenlandschaft ist in etwa so groß, wie ein Tisch. Dort hinein kommen dann die Figuren. Die Krippe bleibt auf jeden Fall bis Heilige Drei König aufgebaut.“

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Tina Knight (verrät ihr Alter nicht), Leiterin des Englisch-Stammtisches in der Bücherei: „Ich bin polnischer Abstammung und obwohl ich in den USA geboren bin, habe ich diese Traditionen bewahrt. Ich lege Weihnachten immer Stroh unter die Tischdecke, das ist das Symbol für die Krippe. Außerdem gibt es die Tradition mit den viereckigen Oblaten, die ich bei der polnischen Gemeinde in Rosenheim kaufe. Jeder, der an dem Tisch sitzt, bricht sich ein Stück von der Oblate ab und sagt seinem Tischnachbarn gute Wünsche. In diesem Jahr sind mein Mann und ich alleine, wegen Corona. In den Jahren davor habe ich immer Gäste eingeladen, die am Heiligabend alleine sind.“

Es gibt Würstl

Peter Kloo (58), Bürgermeister: „So wenig Kitsch wie möglich, also hängt auch kein Lametta am Baum. Wir haben keine Traditionen, wie Gans essen beispielsweise. Bei uns gibt es Würstl. Wichtig ist, dass wir im Kreise der Familie eine schöne Zeit verbringen. Heuer kommen die Enkelkinder, die es heuer zum ersten Mal richtig erleben.“

Dagmar Badura (62), Leiterin des Bürgerhauses: „Ich habe quasi eine neue und eine alte Tradition: Die alte ist, immer ein Drei-Gang-Menü am 24. Dezember zu kochen. Heuer gibt es als Vorspeise Rote Bete-Carpaccio, als Hauptgang Lasagne und zum Nachtisch Bratäpfel. Die neue Tradition ist, dass ich keinen Christbaum habe, seit meine Eltern gestorben sind. Dafür habe ich eine Vase mit Tannenzweigen, die geschmückt sind, aufgestellt.“

Männersache: Christbaum schmücken

Christian Poitsch (59) vom Stadtmarketing Kolbermoor: „In meiner Familie herrscht die Tradition, dass immer die Männer den Christbaum schmücken. Da war ich schon als kleiner Bub dabei, als mein Opa Ludwig den Baum mit Lametta schmückte. Nach dem fest wurde das Lametta dann wieder sorgfältig verstaut und fürs nächste Jahr aufgehoben. Heutzutage ist das ja unvorstellbar – wir in unserer Wegwerfgesellschaft. Obendrein mag ich Lametta gar nicht. Eine weitere Tradition ist der Weihnachtspunsch: Der wird eigens zubereitet – mit selbst gepresstem Orangen- und Zitronensaft. Das Geheimnis: Es kommt auch abgeriebene Schale mit hinein.“

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Katharina Nebauer (73), Vize-Vorsitzende der AWO: „Seit fast 30 Jahren haben wir die Tradition, dass es am Heiligabend Fondue gibt. Das haben wir eingeführt, als die Kinder noch klein waren und man nie Zeit zum Essen hatte. Das haben wir bis heute beibehalten. Außerdem backe ich in der Vorweihnachtszeit immer einen Stollen, das Rezept habe ich von meiner Mutter Katharina bekommen. Das besondere: Er ist mit Quark. Und ich habe heuer drei Stück backen müssen, den auch am Heiligabend wird der Stollen zum Kaffee gegessen.“

Kein Lametta

Anton Hamberger (85), Spinnerei-Kenner: „Eigentlich ist es bei uns eine feste Tradition, dass die Familie in ein Lokal zum Essen geht. Das fällt heuer aus. Meine Frau und ich feiern alleine. Und eine meiner Aufgaben ist es, den Baum zu schmücken. Ich habe dabei mehrere Möglichkeiten, im vorletzten Jahr habe ich neuere Kugeln und Lametta genommen. Das fanden meine Frau und meine Familie allerdings nicht so gut. Somit habe ich heuer Kugeln genommen, die über 60 Jahre alt sind.“

Tina Knight
Dagmar Badura
Anton Hamberger
Peter Kloo
Karin Maier
Christian Poitsch
Katharina Nebauer
Walter Weinzierl

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