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Klinik-Projekt: Sorge um Dorfidylle

Ein moderner Kontrast zum Schloss Altenburg am anderen Ende des Parks - so könnte die psychosomatische Klinik aussehen, wenn es nach den Plänen des Architekten Stefan Mauritz geht. Grafik mauritz design gmbh
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Ein moderner Kontrast zum Schloss Altenburg am anderen Ende des Parks - so könnte die psychosomatische Klinik aussehen, wenn es nach den Plänen des Architekten Stefan Mauritz geht.

Feldkirchen-Westerham - Ein Schönheitschirurg als Schlossherr und eine psychosomatische Klinik anstelle des ehemaligen Gartenhauses - das ist die Vision von Professor Dr. Werner Mang.

Das geplante Großprojekt in Altenburg/Aschbach stößt bei den Bürgern einerseits auf Interesse, andererseits erhitzt es auch die Gemüter. Bei der eigens einberufenen Bürgerversammlung zum Thema "Klinik auf dem Areal Schloss Altenburg" kamen die Sorgen nun auf den Tisch: Probleme sahen die Bürger hinsichtlich der Größe des Projekts und des vermehrten Verkehrsaufkommens.

"Wir haben hier immer noch absoluten Dorfcharakter", stellte ein Besucher heraus, "nach Altenburg passt so eine große Klinik einfach nicht". Ein anderer ergänzte: "Das Gebäude ist zu groß für uns. Dabei sollte sich doch gerade ein Schönheitschirurg wie Professor Dr. Mang mit Proportionen auskennen."

Gerade dieser ländliche Charakter sei der Entscheidungsgrund für den Kauf des rund 26.000 Quadratmeter großen Grundstückes gewesen, betonte Architekt Stefan Mauritz vor den knapp 100 Versammlungsteilnehmern. Er stellte zudem die derzeitigen Pläne Mangs vor - "die sich aber noch im Anfangsstadium befinden".

Demnach soll die geplante Klinik, ein Gebäude von 77 Metern Länge und 25 Metern Breite, im rückwärtigen Bereich des Schlossparks entstehen. Gebäudehöhe: zehn Meter. Fünf Stockwerke sind vorgesehen, wobei zwei davon unter der Erde liegen. Ein Platz der Ruhe und Erholung für 150 Patienten in 80 Zimmern. Zudem soll eine Tiefgarage entstehen. Für viele der Bürger ein zu mächtiges Projekt.

Am geplanten Klinikstandort war früher die Gärtnerei angesiedelt. Der Baumbestand sei durch den Neubau jedoch nur wenig betroffen, erklärte Mauritz. Allerdings erstreckte sich die Gärtnerei lediglich über eine Fläche von unter 300 Quadratmetern, die Grundfläche des Neubaus wäre mehr als sechsmal so groß.

Auf großes Interesse stieß die Bürgerversammlung zum Thema Klinikneubau "Schloss Altenburg". Bürgermeister Bernhard Schweiger (links) und Architekt Stefan Mauritz stellten erste Entwürfe vor.

Modern soll sich die Klinik präsentieren. Mit dem Bau aus Holz, Glas, Beton und Naturstein und einem begrüntem Dach will der Architekt bewusst einen Kontrast zum Schloss setzen. Letzteres bleibt in seiner jetzigen Form erhalten und wird sogar renoviert, ebenso das Jagdhaus. Hier entstehen laut dem Architekten Büros und zwei große Wohnungen - eine für den Chefarzt, die andere für Mang selbst.

Ein Punkt, der laut Bürgermeister Bernhard Schweiger als Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat sehr wichtig war: "Uns geht es darum, das denkmalgeschützte Gebäude und den Park erhalten zu können." Zudem soll dem Schloss Altenburg wieder Leben eingehaucht werden.

Zu viel "Leben" - sprich: ein zu hohes Verkehrsaufkommen durch Patienten und Personal - fürchten jedoch die Anwohner. Hier versuchte Mauritz zu entkräften: "Gerade wir brauchen eine schöne, ruhige Gegend für unsere Patienten." Mit zu viel Verkehr schade sich die Klinik selbst.

Weil der durchschnittliche Patient mindestens zwei Wochen in der Klinik verweile und zudem ein Shuttle-Dienst eingerichtet werden soll, rechnet der Architekt mit 40 Autos pro Tag, in denen die Patienten die Klinik anfahren. Eine Zahl, die Pflegedienstleiterin Andrea Eisner aus Altenburg und andere Anwohner nicht für glaubhaft hielten. "Oder sollen die Patienten etwa Fahrgemeinschaften bilden?".

Die Argumente der Anwohner verstehen konnte Dr. Maximilian Niederberger: "Denn wenn sie viel Verkehr in ihrem Ort haben, werden auch sie psychosomatisch betroffen sein." Der Psychologe und Nervenarzt aus Ottobrunn erläuterte zudem das Krankheitsbild eines Burn-out-Patienten und zeigte Behandlungsformen auf. Die Idee einer psychosomatischen Klinik an diesem Standort fand er bestechend. Hier entstehe ein spiritueller Platz der Erholung.

Viele weitere Fragen brannten den Bürgen noch unter den Nägeln, alle konnten jedoch nicht beantwortet werden. Etwa, ob die Zufahrten verkehrsberuhigte Zonen bleiben würden, ob die Straßen ausgebaut würden oder wie genau die Zufahrt im Winter bei Schnee erfolgen solle. "Wir sind erst ganz am Beginn des Verfahrens", warb Bürgermeister Schweiger um Verständnis. Bisher liege erst eine Anfrage vor, einen Bauantrag gebe es noch nicht. Jedoch sei es der Gemeinde wichtig gewesen, die Bürger frühzeitig zu informieren.

Dem Vorwurf, dass die Gemeinde auf zusätzliche Steuereinnahmen durch das Klinikprojekt schiele, widersprach Schweiger heftig. Dies sei ein positiver Nebeneffekt. Das Hauptaugenmerk werde aber auf die Schaffung weiterer Arbeitsplätze in der Kommune gelegt. "Ärzte, Pflegepersonal, aber auch Essenslieferungen könnten aus der Gegend kommen", so der Rathauschef.

Bis dato hat der Gemeinderat Feldkirchen-Westerham für das Areal die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes beschlossen, erinnerte Bauamtsleiter Peter Solnar. Abschließend kündigte Schweiger an, die Anregungen aus der Bürgerversammlung im weiteren Planungsverfahren zu prüfen und gegebenenfalls einfließen zu lassen.

Robert Feiner (Mangfall-Bote)

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