Klaus Kunze aus Bad Aibling: Nach der Gartenarbeit zum Ultramarathon

„Das war nach circa 45 Kilometern“: Klaus Kunze beujm Ultramarathon über 50 Kilometer in seinem Garten.

Daheimbleiben, sporteln und Gutes tun: Klaus Kunze, Architekt aus Bad Aibling, hat seinen Garten vermessen und lief dann seinen ersten Ultramarathon – 200 Runden an der Hecke entlang. Jetzt spendet er je 1000 Euro an die Bad Aiblinger Tafel und für gute Zwecke in Italien.

Von Eva Lagler

Bad Aibling – Sporteln in der Freizeit, das ist für den Bad Aiblinger Klaus Kunze, wie für viele andere auch, Ausgleich zum beruflichen Alltag in seinem Architekturbüro. Aber dass er die Corona-Krise nutzen würde, um seinen ersten Ultramarathon zu laufen – und das zuhause im eigenen Garten –, hätte auch er bis vor Kurzem nicht gedacht.

Hohes Ziel für einen guten Zweck

„Man liest jetzt so einiges von Leuten, die sportliche Herausforderungen daheim auf dem Balkon oder im Garten anpacken. Auch Marathonläufe sind da dabei. Ich für mich wollte noch mehr, habe mich für einen Ultramarathon entschieden und wollte zugleich für einen guten Zweck spenden“, sagt Kunze.

Zuerst einmal den Garten vermessen

Als Ultramarathons gelten prinzipiell alle Läufe, die länger sind als die klassische Marathondistanz von 42,195 Kilometer. Kunze setzte sich als Ziel, 50 Kilometer zu laufen. Und so hat er einfach seinen Garten zuhause ausgemessen. „Damit ich weiß, wie lange ich laufen muss.“ Und stellte fest: Eine Runde entlang der Hecke umfasst 250 Meter. Was für den Architekten bedeutete: 200 Runden bis zum Ziel. Fünf Stunden, sieben Minuten und vier Sekunden hat er dafür gebraucht. Weil er ohne Zeitdruck gelaufen ist. Wäre er mit seiner „normalen Geschwindigkeit gelaufen, „hätte ich wohl nach 30 Kilometern aufgehört“, vermutet der Aiblinger.

„Die langsame Laufzeit machts‘s möglich“

„Ich wollte einfach mal sehen, ob man diese Distanz schaffen kann, ohne vorher groß dafür zu trainieren. Über die langsame Laufzeit geht das“, sagt der 56-Jährige. Was heißt, ohne vorher groß zu trainieren? Jedes Wochenende läuft er zweimal zwischen zehn und 16 Kilometer. Auf Marathonläufe – davon hat er schon etliche absolviert– bereitet er sich in der Regel zehn bis zwölf Wochen vor. Allerdings auf befestigten Wegen und nicht auf heimischem Rasen. Ein riesiger Unterschied, wie er festgestellt hat. „Mit Training wären vier Stunden und 15 Minuten realistisch gewesen“, schätzt Kunze.

Auf keinen Fall nach der Marathon-Distanz aussteigen

Ein bisschen Druck hat er sich im Vorfeld schon aufgebaut und seinem Umfeld von seinen Plänen erzählt. „Nicht, dass ich dann schon nach der Marathon-Distanz aussteige.“ Um 9 Uhr ging es los am Karsamstag. Runde für Runde „Die Nachbarn haben sich schon gewundert und dachten, warum läuft der dauernd im Kreis?“ Dass es zwischendrin zäh war, räumt er ein. „Aber im Verhältnis gesehen ist es letztlich gut gelaufen.“

Fünf Kilo waren weg – und dann gleich wieder drauf

Fünf Kilo Gewicht hat er verloren. „Aber das war natürlich hauptsächlich Wasser“. Außerdem sei die Kalorienmenge, die er zu sich genommen hatte, „viel zu wenig gewesen für einen langen Lauf. Dafür war ich ja auch relativ langsam. Und nach zwei Tagen waren die fünf Kilo plus weitere 600 Gramm wieder drauf.“ Zwei Bananen, zwei Stück Traubenzucker, ein kleines Stück Nusszopf, ein halben Müsliriegel und einen Liter Wasser. Dazu zwei Tassen Kaffee, mehr hat er nicht zu sich genommen.

Zwei Blutblasen, ein schmerzender Knöchel

Nicht nur das Gewicht hat sich schnell wieder eingependelt. „Ich hatte nur zwei Blutblasen und etwas Schmerzen am Knöchel, ganz anders als beim Marathon, bei dem ich auf Zeit laufe“, berichtet der Sportler. Die Rückenschmerzen habe er beim Training am Ostermontag „wieder rausgelaufen.“

„Möchte auch andere motivieren, etwas zu tun“

Mit seiner Aktion verbindet Klaus Kunze aber auch einen guten Zweck: 1000 Euro spendet er an die Bad Aiblinger Tafel. Weitere 1000 Euro gehen in sein Lieblingsurlaubsland Italien. „Mir tun die Menschen dort sehr leid, grade auch die schwer getroffene Lombardei. Man kriegt ja auch mit, dass das Gesundheitssystem dort problematisch ist. Mit meiner Aktion möchte ich andere motivieren, auch in dieser Richtung tätig zu werden, zu Hause zu bleiben, Sport zu machen und andere zu unterstützen, denen es nicht so gut geht.“

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Sportlich mach Kunze indes weiter – bei seinen Wochenendläufen, an den Fitnessgeräten, die er und sein Sohn nach Schließung der Fitnessstudios daheim im Keller reaktiviert haben, und bei einer neuen Herausforderung, die er im Internet entdeckt hat: Wie viele Liegestütze schafft man in einer Stunde?

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„Ziel ist es, 1000 zu schaffen. Im Urlaub bin ich auf 750 gekommen, im Fitnessstudio habe ich 895 geschafft und dann 990. Als ich dann das Stundenevent gemacht habe, waren es am Ende 1110 Liegestütze.“ Für ihn ist das Ende der Fahnenstange damit aber nicht erreicht. „1400 kann ich schaffen – maximal.“

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