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Gemeinsam Spuren hinterlassen

Diakon Friedrich Wiesinger verabschiedet sich nach 21 Jahren aus dem Mangfalltal

Diakon Friedrich Wiesinger geht in den Ruhestand. Am Sonntag finden die Abschiedsgottesdienste in Bruckmühl (9 Uhr) und Bad Aibling (15 Uhr) statt.
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Diakon Friedrich Wiesinger geht in den Ruhestand. Am Sonntag finden die Abschiedsgottesdienste in Bruckmühl (9 Uhr) und Bad Aibling (15 Uhr) statt.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Am Kirchweihsonntag verabschiedet sich Diakon Friedrich Wiesinger aus dem Mangfalltal. Nach 21 Jahren in Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham – davon auch 16 Jahre in Bad Aibling und Bad Feilnbach – geht er mit 65 Jahren in den Ruhestand und kehrt in seine mittelfränkische Heimat Markt Berolzheim zurück.

Bruckmühl – Er hinterlässt Spuren in der Region. Seien es Seniorenmittagstische, das Geburtstagsfrühstück, die Bruckmühler Tafel oder die ökumenischen „Vergiss-mein-nicht-Gottesdienste“ für und mit Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Seien es Kinderbibelwochen, die Mini-Kirche oder Familiengottesdienste.

Viele Menschen bringen sich ein

„Spuren kann man nur gemeinsam hinterlassen“, sagt der Diakon und denkt an die vielen Menschen, denen er begegnet ist, und mit denen er gemeinsam Dinge bewegen konnte. „In Beziehung zu kommen und in Beziehung zu bleiben, das ist der rote Faden in der Kirche und im Leben“, sagt er, denn: „Kirche lebt davon, dass viele Menschen ihre Gaben einbringen.“

Schon mit 16 Jahren entschied sich Friedrich Wiesinger während eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einem Pflegeheim für Menschen mit Behinderung, sein Leben in den Dienst der Kirche zu stellen. In der Rummelsberger Diakonie wurde er ausgebildet. Seit seinem ersten Arbeitstag als Diakon – dem 1. September 1972 – gehört er der Rummelsberger Brüderschaft an, im nächsten Jahr werden es 50 Jahre. In Augsburg widmete er sich der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien.

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In München war er 19 Jahre lang in der Altersarbeit und der ökumenischen Gemeindearbeit mit wohnungslosen Menschen aktiv, baute soziale Netzwerke mit auf. „Hier haben wir Menschen zum gemeinsamen Essen eingeladen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie zu ermutigen, Kontakte zu knüpfen, neue Beziehungen aufzubauen oder ihre Situation zu klären“, erinnert er sich.

Erfahrungen, die er seit 2001 im Mangfalltal einbringen konnte. „Ich habe angeregt, unterstützt, und mit angeschoben – sozusagen einen Ball gespielt, den andere aufgenommen haben“, sagt er bescheiden. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Akteuren initiiert er die Mini-Kirche für Familien mit kleinen Kindern. Der Mittagstisch für bedürftige Menschen und Senioren wird gemeinsam mit Nachbarschaftshilfe, AWO und katholischer Kirche aus der Taufe gehoben. Diese Kooperation ist der Anstoß für die Bruckmühler Tafel.

Die Seniorenmittagstische oder die Geburtstagsfrühstücksrunden gibt es bis heute, denn „bei einem Essen kommt man ins Gespräch über viele Themen wie Glück, Herkunft oder Hobbys, eben über Gott und die Welt.“ Gern erinnert sich Wiesinger auch an das Kirchencafé beim ökumenischen Kirchentag in München oder im Rahmen der Seniorentage.

Er bringt seine Erfahrungen an Runden Tischen für Seniorenarbeit ein und strickt mit an sozialen Netzwerken der Gemeinden. Angebote für ältere Menschen und die Seelsorge in den Altenpflegeheimen bilden den Schwerpunkt seiner Arbeit. Als er ab 2005 auch für Bad Aibling und Bad Feilnbach zuständig ist, betreut er zehn Pflegeheime. „Ich bin dankbar für die vielen schönen Gottesdienste, die wir miteinander feiern durften“, blickt er zurück.

Zur Seelsorge gehört für ihn auch eine Kultur des Abschiednehmens – die Begleitung von Sterbenden und der Abschied von Verstorbenen, die er gemeinsam mit den Mitarbeitern der Heime und den Angehörigen weiterentwickelt hat. Es entstehen Gedenkorte, damit die Erinnerungen einen Platz haben.

Friedrich Wiesinger wertschätzt die Arbeit anderer Menschen und dankt jedes Jahr am Tag der Pflege gemeinsam mit den katholischen Seelsorgern denen, die in der Pflege arbeiten.

Er beschäftigt sich mit der Frage, wie es Menschen mit Demenz gut gehen kann und entwickelt mit den katholischen Kollegen Vergiss-mein-nicht-Gottesdienste. Er ist glücklich, wenn die Gottesdienstbesucher von einfacher Sprache, Symbolik und vertrauten Liedern so angesprochen werden, dass auch sie wieder singen und glücklich sind. „Das ist sehr bewegend und eine Spur, die andere Menschen in mir hinterlassen haben“, sagt er.

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Am morgigen Sonntag nimmt Diakon Friedrich Wiesinger Abschied von den Menschen in seinen Gemeinden : um 9 Uhr in der Johanneskirche in Bruckmühl und um 15 Uhr in der Christuskirche in Bad Aibling.

Die Stelle des Diakons wird nicht wieder besetzt. Trotzdem ist Wiesinger zuversichtlich, denn: „Manches wird nun seinen Abschluss finden, doch vieles wird ohne mich weitergehen, denn Kirche lebt davon, dass sich Menschen einbringen.“

Neue Dinge entdecken

Mit vielen schönen Erinnerungen zieht Friedrich Wiesinger nun weiter, zurück in die alte Heimat. „Ich war sehr gern hier“, blickt er zurück. „Ich bin für alles dankbar, was hier möglich war. Und ich bin sehr dankbar für all die engagierten Frauen und Männer hier.“

Natürlich wird er oft auch wiederkommen ins Mangfalltal, denn seine Töchter, Schwiegersöhne und Enkel leben hier. „Ich möchte meine Rolle als Großvater genießen“, freut er sich. Auch in der neuen, alten Heimat hofft er darauf, Dinge zu entdecken, die ihn begeistern und mit neuen Menschen in Beziehung zu kommen, um etwas zu bewegen.

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