Gemeinde in Not: Weil Bad Feilnbach wächst, sind Kinderkrippenplätze Mangelware

Sehr kostenintensiv, sowie logistisch und zeitlich herausfordernd wäre ein Umbau des Kindergartens „Gemeindemäuse“ für jeweils eine Kindergarten- und Krippengruppe im ehemaligen Baywa-Gebäude in Bad Feilnbach.
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Sehr kostenintensiv, sowie logistisch und zeitlich herausfordernd wäre ein Umbau des Kindergartens „Gemeindemäuse“ für jeweils eine Kindergarten- und Krippengruppe im ehemaligen Baywa-Gebäude in Bad Feilnbach.
  • vonPeter Strim
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Gemeinderat: Diskussion um Standort für Kindertageseinrichtung geht weiter – darüber soll laut Rathauschef in einer der nächsten öffentlichen Sitzungen entschieden werden.

Bad Feilnbach – Die GemeindeBad Feilnbach benötigt, um auch dem Sicherstellungsgebot nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz, (BayKiBiG), kurzfristig weitere Kindertageseinrichtungsplätze. Über mögliche Projekte zur Bedarfsdeckung beriet der neue Gemeinderat im Dorfgemeinschaftshaus Dettendorf. Vor allem sorgte die Frage nach einer Krippeneinrichtung mit den Parametern, Zeitfaktor, Standort, Flexibilität, Zukunftsfähigkeit, Prüfung von Alternativen, Personal und Kosten zu kontroversen und intensiven Diskussionen.

Demografischer Wandel und Zuzug

Demografischer Wandel sowie wachsende Einwohnerzahlen in Folge von Wohnbebauung auf dem Tannenhofgrundstück und Kranzhornstraße erfordern – das war allen klar – dringend weitere Krippen- und Kindergartenplätze. Nach derzeitigem Stand stehen für die Jahrgänge 2015 bis 2017 aktuell 250 Kindergartenplätze für 252 Kinder zur Verfügung. Für die Jahrgänge 2018 bis 2019 werden derzeit 180 Kinder gezählt für die aktuell 36 Krippenplätzen angeboten werden können. Gemäß den Anmeldungen sind sämtliche gemeindlichen und kirchlichen Kindergärten im Gemeindegebiet ausgelastet.

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Nachdem der Bedarf in den dezentralen Kindertagesstätten in Derndorf, Au und Dettendorf bereits gedeckt ist, herrscht – darin waren sich Bürgermeister Anton Wallner und die Gemeinderäte einig – in Bad Feilnbach dringender Handlungsbedarf.

Die Standortfrage allerdings war nicht einfach zu beantworten. Nachgedacht wurde über einen Umbau des jetzigen Kindergartens der „Gemeindemäuse“ im ehemaligen Baywa-Gebäude. Der dafür notwendige zeitliche und vor allem kostenträchtige Aufwand für jeweils eine Kindergarten- und Krippengruppe würde eine Auslagerung der jetzigen Kindergartengruppe während der Bauzeit beinhalten.

Dazu kämen Investitionen in den Brandschutz, Einbau von zwei Fluchttreppen sowie Neukonzeptionierung von Toilettenanlagen für Vereine, die im Gebäude untergebracht sind und eine Sanierung des Kellers.

Als schwierig lösbar sei, auch hinsichtlich eingeschränkter Grundstücksverhältnisse und des Zeitfaktors eine Erweiterung des gemeindlichen Kindergartens „Purzelbaam“ in Au.

Als dritte Variante brachte Wallner den von ihm favorisierten und auch im Zuge der Bürgerbeteiligung aufgekommenen Standort im Neubauprojekt „Tannenhof“ ins Spiel. Die Firma Quest hatte ein Angebot zur Errichtung einer Kindertageseinrichtung im Erdgeschoss im sogenannten Haus A im Bereich Kufsteiner Straße und „Prechtl“ unterbreitet.

Als optimale Lösung seien dort, so Wallner, eine Kinderkrippe und ein Kindergarten möglich. Die Kosten dafür seien seiner Ansicht nach klar planbar. Das Projekt könne zeitnah innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre realisiert werden – ein Mehrgenerationenprojekt, das fußläufig erreichbar sei und trage zur Belebung der Ortsmitte beitrage. Offen blieb allerdings das Thema Kosten, über welches im nichtöffentlichen Teil behandelt werden sollte.

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Jedoch fand dieser Lösungsvorschlag, den Bürgermeister Wallner deutlich verteidigte, nicht bei allen Mitgliedern, vor allem aus den Reihen des „Bündnis90/Die Grünen“, der Liste SPD/Parteifreie und auch ÜW (Überparteiliche Wähler) Zustimmung, Kritik hinsichtlich der planerischen Konzeption über den Zugang zum Gartenbereich und auch eines Weges zum künftigen Spielplatz Tannenhof und Kranzhornstraße kam von Sieglinde Angermaier (Bündnis90/Die Grünen). Sie hinterfragte als Alternative die Möglichkeit eines Waldkindergartens sowie einer Kindertageseinrichtung auf dem Gelände der Gundelstiftung.

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Vor allem letzterer Vorschlag trägt nach Ansicht einiger Fraktionsmitglieder der CSU schon aus privatrechtlichen Gründen zu keiner kurzfristigen Lösung bei. In Bad Feilnbach stehe kein geeignetes gemeindliches Grundstück für einen Kindergarten mit Kinderkrippe zur Verfügung.

Dennoch – so Stephan Oberprieler (Bündnis90/Die Grünen) – sollten Ideen über Alternativstandorte in die aktuelle Diskussion mit einfließen. Verärgert über die Art der Diskussionsführung durch den Bürgermeister gaben sich Manfred Büttner und Sepp Scheibl (SPD/Parteifreie).

„Zuletzt eher sparsam gewesen“

Nach Ansicht von Sebastian Gasteiger (CSU) sei Bad Feilnbach in der Thematik der Kinderbetreuungseinrichtungen, auch die Ausstattung betreffend, sparsam unterwegs gewesen. Dabei berief sich der Jugendbeauftragte der vergangenen Legislaturperiode und amtierende Kirchenpfleger der Pfarrei Herz Jesu auf die Erscheinungsbilder der Einrichtungen. Auch gegenüber der Idee eines Waldkindergartens, wie bereits in anderen Kommunen praktiziert, war der Vorsitzende des Trachtenvereins „D’Jenbachtaler“ nicht grundsätzlich abgeneigt.

In nichtöffentlicher Sitzung gingen die Beratungen zunächst weiter. Wie Bürgermeister Wallner auf Anfrage unserer Zeitung sagte, soll über die Standortfrage in einer der nächsten öffentlichen Sitzungen dann entschieden werden.

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