Kinderbetreuung in Bad Aibling: Plätze werden knapper - Das will die Stadt tun

Kindergarten-, aber vor allem Krippenplätze werden in Bad Aibling n Zukunft dringend gebraucht. Die Stadt hat bereits einige Standorte für neue Einrichtungen im Visier.
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Kindergarten-, aber vor allem Krippenplätze werden in Bad Aibling n Zukunft dringend gebraucht. Die Stadt hat bereits einige Standorte für neue Einrichtungen im Visier.

Noch reichen die Kinderbetreuungsplätze in der Stadt aus, um den Bedarf zu decken. „Aber ein großer Puffer ist nicht mehr da“, sagte Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Doch die Stadt hat neue Einrichtungen im Visier.

Bad Aibling– 1023 Kinderbetreuungsplätze stehen im neuen Kindergartenjahr 2020/2021 in insgesamt 24 Einrichtungen in Bad Aibling zur Verfügung – genau so viele wie 2019/2020. Davon sind 622 Kindergarten- und 155 Krippenplätze. Horte und Mittagsbetreuungen bieten 214 Plätze. 32 Tagespflegeplätze komplettieren das Angebot in der Kurstadt.

Zuzug von Familien im Auge behalten

Irene Durukan (Grüne) wollte wissen, ob man die weitere Entwicklung vor allem vor dem Hintergrund des zu erwartenden Zuzugs im Auge habe. „Für das kommende Jahr ist es uns gelungen, alle Kinder unterzubringen. Aber wir müssen am Ball bleiben“, meinte Schlier. Bad Aibling wachse maßvoll, aber man müsse verstärkt darauf achten, den Bedarf decken zu können.

Ausreichende Plätze seit Jahren ein Ziel

Seinem Vorgänger Felix Schwaller sei es immer schon wichtig gewesen, auf ausreichende Kinderbetreuungsplätze zu achten. So würden auch bei neuen Bebauungsplangebieten gleich von vorneherein Kinderbetreuungseinrichtungen mit eingeplant. Für die mittelfristige Zukunft nannte Schlier fünf Optionen für neue Tagesstätten. Allen voran am Standort Flurstraße beim AWO-Kindergarten „Burg Sonnenstein“, wo die Stadt in einem städtebaulichen Vertrag eine Gemeinbedarfsfläche für diesen Zweck hatte festsetzen lassen. Diese könne man entweder „zu einem recht humanen Preis“ kaufen oder zu einem festgelegten Erbbauzins auf Erbbaurecht nutzen. Der Erschließungsträger für dieses Grundstück wäre, so Schlier, auch bereit, den Bau zu errichten und an die Stadt zu vermieten. Hier seien neben der Trägersuche die Fördermöglichkeiten noch zu klären.

Einrichtung inHarthausen entsteht

An zweiter Stelle stehe der Standort im neuenBaugebiet Harthausen Ost, wo eine Kinderbetreuungseinrichtung mit vier Vollgeschossen geplant ist, die der Erschließungsträger der Stadt verkaufen oder vermieten würde. Durchführbar sei dieses Vorhaben jedoch frühestens 2022.

Fünf Optionen

Danach wäre eine Einrichtung im Bebauungsplangebiet Ellmosener Wies angedacht, wo der Vorhabensträger der Stadt die Flächen für einen Spielplatz und die Kinderbetreuungsstätte verkaufen würde. Noch nicht geprüft sei der Zeitplan, wann ein weiterer Standort im Bebauungsplangebiet Karl-Wagner-Straße umgesetzt werden kann. Dort entsteht, wie berichtet, eine Wohnanlage im sozialen Wohnungsbau.

Als fünfte Option nannte Schlier einen von der Referentin für Kindergärten und Schulen, Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD), ins Gespräch gebrachten Waldkindergarten, den er selbst allerdings eher skeptisch sehe. „Er folgt doch einer ganz anderen Pädagogik, als der, die wir kennen. Er ist in der Regel eingruppig.

Startkapital bei 15 000 Euro

Das Startkapital liegt bei 15 000 Euro für die Erstausstattung, aber langfristig stellt sich die Frage, ob er wirklich günstiger ist. Man braucht auch mehr Personal.“

Waldkindergarten als Alternative

Keitz-Dimpflmeier hielt dagegen: „Ein Waldkindergarten ist sicher nicht für jede Mutter das Nonplusultra, aber trotzdem überlegenswert. Man muss auch nicht nur einen ausrangierten Bauwagen hinstellen, so etwas kann auch gut ausgestattet sein.“ Sie plädierte dafür, darüber bald in den entsprechenden Ausschüssen zu beraten und auch das Grundstück der Stadt an der Birkenallee mit zu bedenken. Die Referentin betonte, es sei immer besser, mehr Plätze vorzuhalten, als man brauche und wies darauf hin, dass es bei den begehrteren Einrichtungen Wartelisten gebe.

Eltern weichen auf Tagesmütter aus

Martina Thalmayr (Grüne) zeigte sich positiv überrascht, dass man in diesem Jahr den Bedarf noch decken könne, sah aber einen echten Bedarf bei den Plätzen für unter Dreijährige. „Viele weichen da auf Tagesmütter aus.“ Zu Schliers Bedenken in Sachen Waldkindergarten meinte sie, dieser biete eine breite Palette an Angeboten und die „komplett andere Pädagogik“ könne auch ein Qualitätsmerkmal sein.

CSU-Rat Thomas Höllmüller berichtete von einem „tollen Eindruck“, den der Waldkindergarten bei Vagen auf ihn vor ein paar Jahren gemacht habe. „So etwas ist eine echte Alternative.“ Schlier pflichtete ihm bei: „Die Wahlfreiheit ist ganz wichtig.“

169 Kinder kommen von auswärts

Angesichts der 169 Gastkinder – Mädchen und Buben, die nicht in Bad Aibling wohnen, aber in Einrichtungen hier betreut werden – wollte Anita Fuchs (Grüne) wissen, ob deren Eltern in Bad Aibling arbeiteten. Überwiegend, meinte Schlier. Markus Joachimsthaler vom Amt für Kinderbetreuung, Schulen und Sport erklärte, dass Kinder zum Teil auch vom Landratsamt Rosenheim zugewiesen werden. Im Gegenzug besuchen 25 Kinder aus der Kurstadt auswärtige Einrichtungen, etwa in Aßling, Weyarn, Rosenheim, Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham oder Großkarolinenfeld (dort im übrigens auch den Waldkindergarten).

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