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Ältestes Haus in der Kurstadt

Keimzelle des Moorbades Bad Aibling: Das steckt hinter dem Baderhaus in der Kirchzeile

Dr. Barbara Gschwändler-Töller ist im Baderhaus geboren und zusammen mit ihrer Schwester Dr. Elisabeth Gschwändler Eigentümerin ihres Elternhauses.
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Dr. Barbara Gschwändler-Töller ist im Baderhaus geboren und zusammen mit ihrer Schwester Dr. Elisabeth Gschwändler Eigentümerin ihres Elternhauses.
  • VonJohann Baumann
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Das „Gschwändlerhaus“, auch „Baderhaus“ genannt, ist eines der bekanntesten Häuser in der Kurstadt. Seine geschichtliche Erwähnung beginnt, wie in der historischen Abhandlung des Geistlichen Rats, Dekans und Aiblinger Stadtpfarrers Jakob Albrecht (1877 bis 1962) beschrieben, im Jahr 1424.

Bad Aibling – Damals ging das Anwesen in der Kirchzeile 11 durch Kauf in den Besitz der Pfarrkirche über und erhielt nach der Kirchenpatronin Mariä Himmelfahrt den Namen „Frauenbad“. Das Haus wurde einem „Bader oder Bademeister“ auf Leibrecht verliehen, der dafür seinerzeit jährlich sechs Gulden und für seine darin befindliche Wohnung einen Gulden zu entrichten hatte.

Diese Zeichnung des Baderhauses entstand um 1750.

Im Jahr 1544 erfolgte ein Ausbau des Hauses, dessen östlicher „Stammteil“ noch aus Feldsteinen, sogenannten Bummerl, errichtet worden war. Beim Ausbau wurden dann bereits „moderne Baustoffe“ unter anderem in Gestalt von Ziegeln verwendet. Wie Dekan Albrecht vermerkte, wurden damals in Rosenheim 2000 Ziegelsteine gekauft zum Preis von vier Gulden und 50 Kreuzer samt Fuhrlohn. Laut der Augsburger Münzordnung aus dem Jahre 1566 entsprachen einem Gulden 60 Kreuzer bei 9/10 Feinsilber.

Bauhölzer waren teuer

Als Geldwertvergleich kann man heranziehen, dass Albrecht zufolge beispielsweise ein Lamm zu dieser Zeit zwischen sechs und neun Kreuzer kostete. Für den Bau wurden ferner auch 22 Fuder „geworfener Sand“ für einen Gulden und 25 Kreuzer und Kalk für zwei Gulden und 21 Kreuzer erstanden.

Deutlich teurer war die Anschaffung der verschiedenen benötigten Bauhölzer, für die 36 Gulden ausgegeben wurden. Die Kosten für das gesamte Baumaterial schlugen mit 60 Gulden zu Buche. Etwa die gleiche Summe erforderten die Arbeitslöhne. So wurden fünf Maurer und ein Bauknecht für 99 Tage Arbeit insgesamt mit acht Gulden und 48 Kreuzern entlohnt und acht Tagelöhner erhielten für 148 Tage 16 Gulden und 16 Kreuzer. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 163 Gulden und 49 Kreuzer.

Familie Gschwändler übernimmt

Der Name „Gschwändler“ kam 1784 ins Spiel, als der aus Gmund am Tegernsee stammende Johann Michael Gschwändler die Tochter des 1782 verstorbenen Aiblinger Chirurgus Michael Siber heiratete. Nachfolger war sein Sohn Michael Gschwändler (1796 - 1884), der zusammen mit Dr. Desiderius Beck im Baderhaus zwischen 1840 und 1845 erste Moorbadeversuche unternahm – die Keimzelle des Aiblinger Moorbadewesens.

In der weiteren „medizinischen Familienhierarchie“ folgte Dr. Anton Gschwändler (1833 - 1908), dem 1906 der Titel eines königlichen Hofrats verliehen wurde. Eine Straße in Bad Aibling ist nach ihm benannt. Sein Sohn Dr. Hugo Gschwändler übernahm 1907 die Praxis und wurde 1929 zum Bezirksarzt ernannt. Die beiden letzten Mediziner-Generationen bildeten Dr. Joseph Anton Gschwändler (1922 - 1978) und dessen Tochter Dr. Barbara Gschwändler-Töller, die die Praxis 39 Jahre lang bis 2017 führte.

Glückliche Kindheit in der Kirchzeile

Sie ist im Baderhaus geboren und zusammen mit ihrer Schwester Dr. Elisabeth Gschwändler Miteigentümerin ihres Elternhauses. Im Gespräch mit dem „Mangfall-Bote“ erinnert sie sich an ihre glückliche Kindheit in der damals nicht sehr belebten Kirchzeile, im elterlichen Garten und am Mühlbach.

Sie berichtet ferner, dass sich die über dem Eingang angebrachte, mahnende Inschrift „Wir leben so dahin und nehmen’s nicht in acht, daß jeder Augenblick das Leben kürzer macht“ früher auf der Ostseite des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes befand. Auf die Geschichte des Baderhauses weist auch ein Schild neben der Eingangstüre hin.

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