Die „Kaugummi-Automaten-Gang“ von Wiechs und ein erfüllter Wunsch der Kinder

Ein Stück Nostalgie:Monika Einzinger, Tochter Margit und Schwiegersohn Peter Tuschl (von links) vor dem Kaugummiautomaten am ehemaligen Kramerladen, der den Kindern des Dorfes auch heute noch offenbar sehr am Herzen liegt. Strim
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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  • Peter Strim
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Weil sie Anhänger und Ringe aus dem Kaugummi-Automaten toller finden als Dino-Figuren und Gummibälle: Kinder aus Wiechs (Gemeinde Bad Feilnbach) haben eine ungewöhnliche Initiative gestartet, um ihrem Wunsch Ausdruck zu verleihen. Die Erwachsenen schmunzeln – und reagieren prompt.

Bad Feilnbach – In Wiechs steht die ganz junge Generation offenbar fest zur Tradition. Dazu gehört in der Tat auch ein Kaugummi-Automat am ehemaligen Kramerladen von Monika Einzinger. Das kleine Geschäft, seit den 50er-Jahren ein beliebter Treffpunkt zum Einkaufen und Ratschen, schloss 1993 seine Pforten. Der Kaugummi-Automat und ein darüber befindlicher Zigaretten-Automat war, so lange die 92-jährige Krämerin zurückdenken kann, Bestandteil des Geschäfts gewesen.

Die kindliche Bitte,versehen mit einem „Ultimatum“, verfehlte ihren Zweck nicht. Es gibt wieder „Ringe und Anhenger“ für den kleinen Geldbeutel in Wiechs.

Einst begehrte Anlaufstelle

Viele Mädchen und Buben entlockten dem Kaugummi-Automaten einst für ein paar Pfennige, ein Zehnerl oder Fuchzgerl nach Drehen am Griff eine kleine Überraschung. Meist waren es Kaugummikugeln, ein kleiner Ring mit einem Herzerl oder ein Taschenspiegel mit Geduldsspiel.

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Der Zigarettenkasten wurde vor vielen Jahren abgebaut. Nur der rot-weiße Doppelautomat mit den Süßigkeiten und Kinderspielsachen fristete nach Schließung des Ladens weiter sein Dasein. Monika Einzingers Tochter Margit und Schwiegersohn Peter Tuschl wollten ihn eigentlich schon entfernen, weil er bei Renovierungsarbeiten am Haus störte. Doch aus irgendwelchen Gründen verblieb er doch dort. Gefüllt mit Kaugummis, Dinosaurier-Figuren und Gummibällen (Flummies).

Wütende Kinderschar, die besänftigt sein will

Doch an einem Tag im April landete nun ein Schreiben im Briefkasten des Ehepaares Tuschl mit folgendem Inhalt: „Könnten Sie bitte mal den Kaugumi auto maten wekseln und nur Ringe und Anhenger rein tun bitte keine Dinos oder Flumies.“ (Originalzitate) Wie aus dem Schreiben weiter hervorgeht, hätten 30 Wiechser Mädchen und Buben für Ringe und Anhänger gestimmt, nur fünf seien dagegen gewesen.

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Ein grellrosa Stück vom Glück

Wobei die Befürworter ihren Wunsch „Haptsach solen Ringe rein“ immerhin noch mit einem großen „Bitte“ untermauerten, bevor sie ein Ultimatum formulierten: „Wen am Montag den 20 April 2020 keine Ringe und Anhenger drin sind werden wir wütend, zimlich wütend.“

Eine wütende Kinderschar? Das sollte dann doch nicht sein. So richteten die Tuschls das Anliegen sogleich an die Firma, die die Automaten füllt.

Kinderwunsch fast umgehend erfüllt

Und die reagierte prompt: Ganz kurzfristig erfüllte sie den Wunsch der ganz jungen „Wiachser“. Hannes Viehhauser, Geschäftsführer der Orix Vertriebs GmbH aus Piding, nahm das Schreiben mit einem Schmunzeln zur Kenntnis und sagt: „Wir tun das gerne. Man ist ja um jeden Kunden froh und versucht, den Wünschen entsprechend zu reagieren, wenn es irgendwie machbar ist.“

Noch dazu lag Wiechs ohnehin auf einer seiner nächsten Touren, und so gibt es seit einigen Wochen für zehn Cent den klassischen fruchtigen Kaugummi in Kugelform sowie daneben für 50 Cent eine Kugel mit Ringen und Anhängern. Zur Freude von Monika Einzinger kommen nun viele junge „Kunden“ – wie schon deren Eltern und schon Großeltern dereinst, um für ein paar Münzen eine Überraschung aus dem Automaten zu drehen. Wer von ihnen der Urheber des Schreibens war, bleibt indes wohl das Geheimnis der kleinen „Modeschmuck“-Fans.

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